Missmanagement : Cromme verlässt Aufsichtsrat von ThyssenKrupp

Der Druck der Aktionäre war heftig. Nun zieht sich Gerhard Cromme aus dem Aufsichtsrat des Stahlkonzerns zurück. Die Eigentümer werfen ihm Fehlinvestitionen vor.

ThyssenKrupp -Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gibt sein Amt auf. Der 70-Jährige verzichtet überraschend zum Monatsende auf den Posten des Chefaufsehers, wie der Konzern mitteilte. Cromme wird den Aufsichtsrat letztlich komplett verlassen. Er habe den ThyssenKrupp-Großaktionär Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gebeten, seine Entsendung in das Kontrollgremium zu beenden.  

Cromme wird zudem sein Amt als stellvertretender Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung niederlegen.

Cromme stand dem Kontrollgremium seit 2001 vor. Nach zwölf Jahren wolle er "in Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Aktionäre" auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang ermöglichen, sagte er. Er wünsche dem Unternehmen, dass es aus der derzeitigen Krise gestärkt hervorgeht. 

Der Manager hatte auf der Hauptversammlung des Konzerns im Januar Fehler eingeräumt. Bereitschaft zum Rücktritt ließ er jedoch nicht erkennen. 

Aktionärsvertreter hatten ihn für das Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee mitverantwortlich gemacht. Die Kosten für die Werke waren auf zwölf Milliarden Euro gestiegen – deutlich mehr als geplant. 

Dem Konzern machen auch Kartellverstöße zu schaffen. Mehrere Vorstände hatten sich zudem zurückgezogen.

Vorstandschef Heinrich Hiesinger würdigte Crommes Schaffen. Er habe das Bild der deutschen Stahlindustrie entscheidend geprägt, sagte er. In Crommes Amtszeit fällt der Zusammenschluss von Krupp und Hoesch 1992 und später die Fusion mit Thyssen 1999. Dies alles sei Ergebnis "seiner zukunftsweisenden Initiativen" und habe dazu beigetragen, die Stahlindustrie neu zu ordnen. 

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