TarifstreitUrabstimmung über Streik bei Amazon läuft

Bisher hat sich Amazon gegen einen Tarifvertrag für seine Mitarbeiter gewehrt. Jetzt droht dem Versandhändler ein Streik in seinem größten deutschen Logistikzentrum.

Der Tarifstreit zwischen Amazon und ver.di droht zu eskalieren. Am größten deutschen Standort des Internetversandhändlers Amazon, in Bad Hersfeld, hat die Gewerkschaft die Mitarbeiter zur Urabstimmung aufgerufen. Sie will sich damit rückversichern, "ob die Streikbereitschaft vorhanden ist", sagte der zuständige ver.di-Landesfachbereichsleiter Bernhard Schiederig.

Unternehmen und Gewerkschaft streiten seit Längerem um die Einführung eines Tarifvertrags für den Standort. Ver.di will für die rund 3.300 Beschäftigten von Amazon in Bad Hersfeld eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchentarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Bisher gibt es in den deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. Amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche.

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Die Geschäftsführung von Amazon habe den Abschluss eines Tarifvertrags in einem Gespräch mit der ver.di-Tarifkommission zuletzt erneut abgelehnt, sagte Schiederig. "Es ist nicht akzeptabel, dass Amazon als der größte Onlineversandhändler keiner Tarifbindung unterliegt."

Jetzt steht die Belegschaft kurz vor einem Streik. "Die harte Arbeit im Lager muss besser entlohnt werden", sagte Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke. "Mit Tarif wäre der monatliche Verdienst für die größte Beschäftigungsgruppe der Kommissionierer und Packer 120 Euro höher."

Mit einem Ergebnis der Abstimmung rechnet ver.di in der ersten Maiwoche. Im Leipziger Logistikzentrum haben sich bereits 97 Prozent der ver.di-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen.

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Leserkommentare
    • hairy
    • 22. April 2013 13:21 Uhr

    dass die Gewerkschaften da mal in die Gänge kommen.

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    Das liegt ja auch immer etwas an den Mitarbeitern. Wie im Artikel ja erwähnt, will die Gewerkschaft mit der Urabstimmung die Streikbereitschaft der Mitarbeiter testen. Ob die Bereitschaft da ist, wird man sehen.

  1. Das liegt ja auch immer etwas an den Mitarbeitern. Wie im Artikel ja erwähnt, will die Gewerkschaft mit der Urabstimmung die Streikbereitschaft der Mitarbeiter testen. Ob die Bereitschaft da ist, wird man sehen.

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  2. Ich glaube das ist eine wesentliche Information, die den Leser interessieren würde.

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  3. Habe damals, nach der ARD-Dokumentation, meinen Amazon-Account gekündigt, weil ich den Umgang von Amazon mit seinen Mitarbeitern unter aller Sau fand. Angeregt durch eben jene Dokumentation fing ich an ein wenig im Netz zu recherchieren und letztlich zeichnet sich da ein wenig erfreuliches Menschenbild des Konzerns ab, was mich in meiner Meinung nur bestätigte .

    Jetzt, nach knapp 2 Monaten kann ich für mich feststellen, dass mir nichts fehlt, im Gegenteil, ich kaufe häufiger wieder in Geschäften vor Ort ein oder es stellt sich heraus, dass ich das, was ich vermeintlich so dringend benötige, doch gar nicht haben muss.

    P.S. Dies ist nur meine ganz persönliche Meinung, keinesfalls repräsentativ zu sehen und ich rufe auch nicht zum Boykott des Konzerns auf, wer da bestellen möchte, bitte schön (Bevor hier wieder ein "Verdammter Gutmensch, die anderen sind doch alle genauso schlimm, beflecke nicht meinen Einfkaufsspaß"- Getobe losgeht wie damals).

    7 Leserempfehlungen
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    Mir geht es ähnlich. Seit gut zwei Monaten bin ich ohne Amazon-Account und siehe da, mir fehlt nichts. Einkaufen tue ich seitdem wieder bewusster und im Laden und so mancher Spontankauf wurde einfach nicht getätigt und somit so mancher Kauf im Nachgang nicht bereut (oder gar gleich wieder bei Ebay eingestellt).

    Einkaufen wird, wenn es dann stattfindet, wieder mehr zum Erlebnis. Und zieht man dann noch in Betracht, dass ich beim Online-Shopping so manches Zeit nutzlos in der Schlange einer Postfiliale verbracht habe, wo man den Bediensteten die Schuhe beim Gehen besohlen konnte, bereue ich so rein gar nichts.

    Nichts gegen Online-Shopping an sich, aber als Stadtmensch kommt man gut ohne aus. Und so mancher Mitarbeiter eines inhabergeführten oder auch nicht inhabergeführten Ladens dankt es einem in Form eines Arbeitsplatzes, der sicher abwechslungsreicher ist, als sich in fensterlosen Lagerhallen bei Amazon aufzuhalten.

    Ich werde sicher nicht ganz ohne Online-Shopping auskommen, aber künftig öfters als noch vor einiger Zeit. Der bewusste Umgang mit einer Sache (hier Online-Shopping) führt doch zu so manch neuer Erkenntnis.

    • ibsche
    • 22. April 2013 15:46 Uhr

    Kann ich nur unterschreiben, habe es ganz genauso gemacht und ich vermisse auch gar nichts. Im Gegenteil bin wieder dazu übergegangen im Buchladen meine Bücher zu kaufen, ist auch viel netter und persönlicher. Dort ist es genauso möglich, die Bücher im Internet auszusuchen und zu bestellen. Abholen kann ich sie dann in einem Laden an dem ich sowieso vorbei komme. Also es geht alles, man muss es nur wollen.Hoffe, dass die Mitarbeiter nun auch selbst aktiv werden!

  4. 5. Dito!

    Mir geht es ähnlich. Seit gut zwei Monaten bin ich ohne Amazon-Account und siehe da, mir fehlt nichts. Einkaufen tue ich seitdem wieder bewusster und im Laden und so mancher Spontankauf wurde einfach nicht getätigt und somit so mancher Kauf im Nachgang nicht bereut (oder gar gleich wieder bei Ebay eingestellt).

    Einkaufen wird, wenn es dann stattfindet, wieder mehr zum Erlebnis. Und zieht man dann noch in Betracht, dass ich beim Online-Shopping so manches Zeit nutzlos in der Schlange einer Postfiliale verbracht habe, wo man den Bediensteten die Schuhe beim Gehen besohlen konnte, bereue ich so rein gar nichts.

    Nichts gegen Online-Shopping an sich, aber als Stadtmensch kommt man gut ohne aus. Und so mancher Mitarbeiter eines inhabergeführten oder auch nicht inhabergeführten Ladens dankt es einem in Form eines Arbeitsplatzes, der sicher abwechslungsreicher ist, als sich in fensterlosen Lagerhallen bei Amazon aufzuhalten.

    Ich werde sicher nicht ganz ohne Online-Shopping auskommen, aber künftig öfters als noch vor einiger Zeit. Der bewusste Umgang mit einer Sache (hier Online-Shopping) führt doch zu so manch neuer Erkenntnis.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Sehr schön."
    • ibsche
    • 22. April 2013 15:46 Uhr

    Kann ich nur unterschreiben, habe es ganz genauso gemacht und ich vermisse auch gar nichts. Im Gegenteil bin wieder dazu übergegangen im Buchladen meine Bücher zu kaufen, ist auch viel netter und persönlicher. Dort ist es genauso möglich, die Bücher im Internet auszusuchen und zu bestellen. Abholen kann ich sie dann in einem Laden an dem ich sowieso vorbei komme. Also es geht alles, man muss es nur wollen.Hoffe, dass die Mitarbeiter nun auch selbst aktiv werden!

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    Antwort auf "Sehr schön."
  5. In einer modernen Welt ist das Modell der Gewerkschaften nicht mehr zeitgemäss. Ganz besonders das geradezu inflationär gebrauchte Streikwerkzeug mit häufig unabsehbaren Schäden für die gesammte Volkswirtschaft steht in keinem passenden Verhältnis mehr. Insbesondere bei volkswirtschaftlich relevanten Dienstleistungen und Services...
    ... mein Bild von ver.di hat sich heute am Frankfurter Flughafen nicht wirklich verbessert... Amazon mag nicht so systemrelevant sein, nervig finde ich die Einschränkungen dennoch. Zumal ich den heutigen Gewerkschaften nicht mehr abnehme, dass sie ihr Klientel wirklich vertreten wollen.

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    • Gwerke
    • 22. April 2013 16:45 Uhr

    sind seit Beginn der Industrialisierung das Mittel, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Waren Streiks damals illegal und forderten Todesopfer, so sind sie heute verfassungsmäßig geschützter Bestandteil unserer Gesellschaft. Als Teil der Tarifautonomie sind starke Gewerkschaften auch das beste Argument gegen gesetzliche Mindestlöhne.

    Damit wünsche ich den Amazon Beschäftigten viel Durchhaltevermögen für den Streik. Sonst wird's nämlich nichts mit dem Tarifvertrag.

  6. ... dass Amazon genügend Aushilfen findet, die auch während eines möglichen Streiks den Betrieb aufrechterhalten.

    Ich habe meinen Account bei Account natürlich nicht gekündigt, und ich bestelle weiterhin.

    P.S.: Warum wird der Account eigentlich gekündigt? Einfach nix mehr bestellen würde doch auch reichen?! Vielleicht der Theatralik wegen?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, fz
  • Schlagworte Streik | Amazon | Ver.di | Tarifvertrag | Versandhandel | Arbeit
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