Journalismus"Spiegel"-Verlag gibt Trennung von Chefredakteuren bekannt

Der "Spiegel" kündigt seinen Chefredakteuren Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron. Als Grund nannte der Verlag unterschiedliche Auffassungen zur Strategie.

Die beiden Chefredakteure des Spiegel, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, sind mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt. Grund seien "unterschiedliche Auffassungen zur strategischen Ausrichtung", teilte der Verlag in Hamburg mit.

Über die Nachfolge in der Chefredaktion will der Verlag in Kürze entscheiden. Bis auf Weiteres wird die Redaktion des Spiegel geführt von den beiden stellvertretenden Chefredakteuren, Klaus Brinkbäumer und Martin Doerry. Rüdiger Ditz, Chefredakteur von Spiegel Online, wird das Angebot wie bisher leiten.

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Bereits am Freitag hatte das Hamburger Abendblatt über den Führungswechsel in dem Verlag berichtet. Mascolo verantwortete die gedruckte Ausgabe, von Blumencron war für das digitale Geschäft zuständig. Das Verhältnis der beiden gleichberechtigten Medienmacher soll schlecht gewesen sein: Immer wieder gab es Auseinandersetzungen bezüglich der Frage, wie die Kooperation zwischen dem Print- und Onlineangebot ausgestaltet sein sollte.

Zwei "exzellente Journalisten" verlassen den Verlag

Mascolo stand zuletzt auch wegen schwacher Auflage in der Kritik. In seiner Amtszeit sank die Auflage auf unter eine Million verkaufte Exemplare.

In der am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Verlags würdigte Ove Saffe, Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, die Arbeit der beiden: "Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron sind zwei exzellente Journalisten, die in den vergangenen Jahren und in verschiedenen Funktionen innerhalb des Hauses Kreativität und Führungsstärke bewiesen haben."

Beide Chefredakteure arbeiteten seit mehr als 20 Jahren für die Medien der Spiegel-Gruppe.

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Leserkommentare
    • conure
    • 09. April 2013 13:31 Uhr

    stand ursprünglich für "investigativen Journalismus" und Verbraucher akzeptieren nun mal auf Dauer keine Mogelpackungen.

    Wo immer ein Verlag auf der Kosten -(TopJournalisten) oder auf
    der Einnahmen -(Inserenten) seite dreht, um profitabler zu sein,
    wenn er den Markencharakter seines Produkts grundlegend ändert,
    dann geht das nicht gut.

    Im Falle des SPIEGEl ist dieses Verlagsprodukt bis zur Unkenntlichkeit
    dem allgemeinen Mainstream angepaßt worden, seine "Alleinstellung"
    ging verloren.

    Möge jemand mit Mut und der nötigen Unabhängigkeit sich des
    SPIEGEL annehmen und diesen wieder zu dem erstklassigen
    Journalismus verhelfen, den er unter Rudolf Augstein aufzuweisen
    hatte.

    Wir Leser würden es zu schätzen wissen....

    16 Leserempfehlungen
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    "Verbraucher akzeptieren nun mal auf Dauer keine Mogelpackungen"

    Da bin ich aber mal gespannt wohin der Zug nun letztlich wirklich fährt. Ich könnte mir nämlich sehr gut vorstellen, dass genau der Trend verstärkt wird, mit dem in den letzten Jahren der klassische Journalismus bei Spiegel zugunsten einer Pop Variante davon ersetzt wurde.

    • Brura
    • 09. April 2013 16:17 Uhr

    Hier ist alles gesagt - es fehlt allerdings das Trauerspiel das der Verlag durch seinen Geschäftsführer geliefert hat.
    Da möchte wohl einer seinen Sessel warm halten hins. der auch nicht gerade übereinstimmenden Eigentümerseite.
    Rudolf Augstein hätte ja zu gern seine Schenkung an die Mitarbeiter zurückgenommen.

    Das sind halt Spätfolgen - also nicht nur EXZELLENTE Chefredakteure gesucht - sondern auch ein Geschäftsführer !!!!!

  1. nachdem sie mit dem Spiegel mehr und mehr BILD kopiert haben......

    4 Leserempfehlungen
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    Ich würde eher auf den Kicker tippen...

    • kael
    • 09. April 2013 13:40 Uhr

    Der kritisierte Auflagenverlust des SPIEGEL geht zu Lasten des Chefredakteurs Mascolo, der nun einmal für Gesicht und Inhalt des SPIEGEL verantwortlich zeichnet.

    Ich habe auf die wöchentliche Lektüre des SPIEGEL schon lange verzichtet und lese ihn nur noch sporadisch. Warum? Für mich ist der SPIEGEL beliebig geworden. Die einstmals großartigen, ausführlichen und hervorragend recherchierten Reportagen (die oft ganz Deutschland erbeben ließen) haben sich zu sehr ins Klein-Klein verändert. Tenor: Viele kleine Geschichtchen mögen auflagemäßig (und damit ökonomisch) weniger riskant sein als wenige Große. Mit dieser Strategie à la Zeitgeist hat sich der SPIEGEL ausgerechnet dem '''FOCUS angenähert, meinetwegen auch dem STERN.

    Damit aber ist er in Konurrenz zu den bunten und oberflächlichen "Durchblätter-Magazinen" getreten, die vorzugsweise beim Zahnarzt ausliegen. Das aber verzeiht ein ehemals überzeugter SPIEGEL-Leser nicht.

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  2. Ich kann mich ja eigentlich nur zu de Mascolo äußern, da ich diesen häufiger in Talkshows gesehen habe. Da der andere aber für das Content bei SPON zuständig ist, geht dem Konzern damit wohl auch nicht grade ein Topmann verloren.

    De Mascolo halte ich für ein perfektes Beispiel für die großen Fehler im Mediengewerbe der BRD. Er ist eben kein aufklärender Journalist der sich seinen Lesern verpflichtet fühlt sondern er versteht sich als Meinungsmacher. Dabei hält er sich für besonders schlau weil er hier und da mal ein bisl etwas hinter den Kulissen aufschnappt.

    Könnte jemand auch nur eine Story nennen die wegen des journalistischen Einsatzes von de Mascolo an die Öffentlichkeit gekommen ist?

    Die schlechten Auflagezahlen hängen aus meiner Sicht auch sicher mit den populistischen, meinungsmachenden, unintelektuellenen Inhalten von Spiegel online zusammen.

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  4. gute Entscheidung. Neben dem, schon angesprochenen Qualitätsverlust, sollten intelligente Menschen doch wissen, dass "Zickenkrieg" immer den Jobverlust bedeutet.

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  5. Spiegel Online, und dieses Portal für Propaganda-Journalismus kann eigentlich nur seriöser werden, wenn der bisherige Haupt-Protagonist abtritt. Einer seiner Schützlinge, ein gewisser Herr Malzahn, ist ja schon zu Springer gewechselt, und man kann nur hoffen, daß viele andere SPON-"Meinungsmacher" diesem Beispiel folgen.

    Dann hätte seriöser Jornalismus vielleicht irgendwann wieder eine Chance. Aber diese Hoffnung wird wohl trügen.

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  6. Ich glaube, Spiegel Online wirkt sich negativ auf das Magazin aus. Die Qualität der Webpräsenz ist deutlich schlechter, aber der Name Spiegel wird trotzdem mit dem Magazin verbunden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Medien | Nachfolge | Redaktion | Spiegel | Verlag | Arbeit
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