MoleskineDas kleine Schwarze wagt den Börsengang

Die Kladden von Moleskine sollen an Skizzenbücher berühmter Schriftsteller und Künstler erinnern. Ein Mythos, den der italienische Hersteller nun an die Börse bringt.

Ein Notizbuch des italienischen Herstellers Moleskine

Ein Notizbuch des italienischen Herstellers Moleskine

In jedem Schreibwarengeschäft sind die schwarzen Heftchen zu haben. Notizbücher der Marke Moleskine sind beliebt, trotz oder gerade wegen des großen Angebots an elektronischen Merkhilfen wie Smartphones und Tablets. Nun hat der italienische Hersteller sein Börsendebüt gegeben. Die Aktien legten zum Handelsstart an der Mailänder Börse spürbar zu und pendelten sich später um den Ausgabepreis von 2,30 Euro ein.

Der Verkaufsschlager von Moleskine ist das schwarze Notizbuch mit abgerundeten Ecken und Gummiband. Die Kladden erinnern an die Skizzenbücher von Berühmtheiten wie Ernest Hemingway und Pablo Picasso. Sie sollen zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnliche Notizbücher in einem Pariser Schreibwarenladen bezogen haben. Diese Tradition hat das italienische Unternehmen vor etwa 20 Jahren aufgegriffen.

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Im vergangenen Jahr verkaufte das Unternehmen eigenen Angaben zufolge 15 Millionen Notizbücher und andere Produkte. Der Umsatz legte um 17 Prozent auf gut 78 Millionen Euro zu. Größter Markt für die Italiener ist die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika. Wachstumstreiber sind aber vor allem Amerika und China. Der Gewinn kletterte 2012 um fast ein Viertel auf gut 18 Millionen Euro.

Interesse an den Aktien groß

Der Markt dafür ist da, sagt Thomas Kirschmeier vom Marktanalyseinstitut Rheingold. "In einer Welt, in der fast jeder mit Smartphone und Tablet seine Termine verwaltet und sich Notizen macht, ist das der krasse Gegenentwurf." Das Analoge werde dem Digitalen entgegengesetzt. "Das ist eine Beruhigung des Alltags und wird gerne angenommen", sagt Kirschmeier.

Moleskine stellt neben Notizbüchern auch Kalender und Taschen her und ist bereits die vierte italienische Luxusmarke, die in den vergangenen beiden Jahren den Gang an die Börse gewagt hat. 2011 gaben die Modekonzerne Prada und Salvatore Ferragamo erfolgreiche Einstände an den Börsen in Hongkong und Mailand.

Der Mailänder Börsenchef Raffaele Jerusalmi sagte über den Neuzugang: "Ich höre die Sorgen, dass Italien ja nicht einmal eine Regierung hat. Deswegen ist es in dieser Zeit der Unsicherheit umso wichtiger, dass wir einen Börsengang haben."

Mit den Wertpapieren sammelte Moleskine nach Angaben der Mailänder Börse 270 Millionen Euro ein. Schon vor dem Börsengang war das Interesse an den Aktien des Notizbuchherstellers groß: Das Angebot war nach Angaben des Unternehmens um das 3,6-fache überzeichnet.

Hinter Moleskine stehen die Finanzinvestoren Syntegra Capital und Index Ventures. Mit dem Emissionserlös wollen die Italiener unter anderem künftiges Wachstum finanzieren und Schulden abbauen. Die Käufer der Papiere kommen nach Angaben des Unternehmens aus Italien und anderen europäischen Ländern, Großbritannien, den USA und Asien.

 
Leser-Kommentare
  1. es scheint, als würden die "Leuchtturm"-Produkte in der Tat wenigstens zum Teil hier gefertigt. Das wäre in der Tat auch für mich ein Kaufargument, sofern bei der Papierherstellung dann auch entsprechende Standards eingehalten werden.

    und @Pitti Griffi Della Rovere: warum spotten Sie, wenn jemand sein Geld bevorzugt für Waren ausgibt, deren Produktion Arbeitsplätze in der Nähe sichert, und wo man annehmen kann, daß die Herstellung sozial- und umweltverträglich erfolgt?

    Andersherum: ist der italienische Nationalstolz tatsächlich so am Boden, daß er durch die Existenz einer Firma gehoben wird, die mal italienisch war, aber jetzt, im Eigentum einer französischen Gesellschaft mit internationalen Anteilseignern, ihre Gewinne dadurch erzielt, daß sie in China unter Umgehung europäischer Umwelt- und Sozialstandards billig hergestellte Waren teuer verkauft, indem sie das Image eines verstorbenen englischen Reiseschriftstellers ausbeutet?

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    es ist der Fa. Modo&Modo SpA aus Mailand zu verdanken, dass Moleskine wieder belebt und erfolgreich gemacht wurde...Modo & Modo Spa wurde vom Erfolg so überrascht, dass sie die Auflagen nicht mehr gerecht werden konnten..alles andere ist sowohl in Wikipedia als auch hier zu lesen:

    http://boerse.ard.de/meld...

    Dass die Umweltstandard nicht eingehalten werden ist ja Ihre Vermutung und über die Qualität von Moleskine zu lästern ist einfach reine Schikane, man braucht sich nur die Bewertungen der Käufer online anzusehen. teuerer ist es, ja und wie ich schrieb profitieren alle anderen ebenso.

    Ein Tasche von H&M ist auch billiger als eine von Prada.. und die Prosciutto Imitation vom Aldi im Vergleich zu Parma auch, so what? Was sind das für Argumente...Äpfel mit Birnen vergleichen kann man ja immer natürlich...

    hier ein wunderbarer Bericht über die Entstehung der Idee sowohl von Moleskine als auch von Leuchtturm 1917.

    http://www.ftd.de/unterne...

    schauen Sie mal rein, es lohnt sich...

    es ist der Fa. Modo&Modo SpA aus Mailand zu verdanken, dass Moleskine wieder belebt und erfolgreich gemacht wurde...Modo & Modo Spa wurde vom Erfolg so überrascht, dass sie die Auflagen nicht mehr gerecht werden konnten..alles andere ist sowohl in Wikipedia als auch hier zu lesen:

    http://boerse.ard.de/meld...

    Dass die Umweltstandard nicht eingehalten werden ist ja Ihre Vermutung und über die Qualität von Moleskine zu lästern ist einfach reine Schikane, man braucht sich nur die Bewertungen der Käufer online anzusehen. teuerer ist es, ja und wie ich schrieb profitieren alle anderen ebenso.

    Ein Tasche von H&M ist auch billiger als eine von Prada.. und die Prosciutto Imitation vom Aldi im Vergleich zu Parma auch, so what? Was sind das für Argumente...Äpfel mit Birnen vergleichen kann man ja immer natürlich...

    hier ein wunderbarer Bericht über die Entstehung der Idee sowohl von Moleskine als auch von Leuchtturm 1917.

    http://www.ftd.de/unterne...

    schauen Sie mal rein, es lohnt sich...

  2. meine Terminkalender kommen seit einigen Jahren von besagter Firma, Qualitätsprobleme hatte ich noch nie.
    Keine verlorenen Seiten, keine gelösten Bindungen, die haben immer brav bis zum 31. Dezember durchgehalten.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. es ist der Fa. Modo&Modo SpA aus Mailand zu verdanken, dass Moleskine wieder belebt und erfolgreich gemacht wurde...Modo & Modo Spa wurde vom Erfolg so überrascht, dass sie die Auflagen nicht mehr gerecht werden konnten..alles andere ist sowohl in Wikipedia als auch hier zu lesen:

    http://boerse.ard.de/meld...

    Dass die Umweltstandard nicht eingehalten werden ist ja Ihre Vermutung und über die Qualität von Moleskine zu lästern ist einfach reine Schikane, man braucht sich nur die Bewertungen der Käufer online anzusehen. teuerer ist es, ja und wie ich schrieb profitieren alle anderen ebenso.

    Ein Tasche von H&M ist auch billiger als eine von Prada.. und die Prosciutto Imitation vom Aldi im Vergleich zu Parma auch, so what? Was sind das für Argumente...Äpfel mit Birnen vergleichen kann man ja immer natürlich...

  4. hier ein wunderbarer Bericht über die Entstehung der Idee sowohl von Moleskine als auch von Leuchtturm 1917.

    http://www.ftd.de/unterne...

    schauen Sie mal rein, es lohnt sich...

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    Ich hatte ja selbst vermutet, daß "Leuchtturm" seine "designed in Germany"-Artikel ebenfalls irgendwo in Asien herstellen läßt. Mag sein, daß Taiwan, da kein so autoritärer Staat, etwas weniger übel ist als Festlandchina; leider aber wohl kein so großer Unterschied. Nichtmal ein FSC-Zertifikat haben sie.
    Zur Qualität der Produkte von "Leuchtturm" oder "Moleskin" habe ich jetzt aber gar nichts gesagt, das waren andere hier im Forum.

    Ich kann aber auch jetzt ihre Prioritätensetzung noch nicht verstehen. Was interessiert die "Geschichte" eines Produktes, wenn sie eine geklaute ist: nach dem, was ich von Chatwin gelesen habe, glaube ich nicht, daß er mit einer derartigen Verwurstung seiner Art zu arbeiten einverstanden wäre.
    Die "Persönlichkeit" einer Firma ist ebenfalls nicht viel wert, wenn sie darin besteht, daß eine Gruppe von Investoren diese Firma aufgekauft und in üblicher Weise mit den Schulden des Kaufpreises belastet hat. Eine Förderung junger Künstler bessert da auch nicht viel, wenn das Geld dafür auf unethische Weise erwirtschaftet wurde

    Insgesamt finde ich es doch allzuviel Trara um ein schlichtes Notizbuch, bei Moleskin wie bei Leuchtturm.

    Da für mich Gebrauchswert und Nachhaltigkeit der Produktion an erster Stelle stehen, werde ich wohl bis auf weiteres hierbei bleiben: Preiswert, ökologisch, aus europäischer Produktion, was will man mehr:
    http://www.herlitz.de/web...

    Ich hatte ja selbst vermutet, daß "Leuchtturm" seine "designed in Germany"-Artikel ebenfalls irgendwo in Asien herstellen läßt. Mag sein, daß Taiwan, da kein so autoritärer Staat, etwas weniger übel ist als Festlandchina; leider aber wohl kein so großer Unterschied. Nichtmal ein FSC-Zertifikat haben sie.
    Zur Qualität der Produkte von "Leuchtturm" oder "Moleskin" habe ich jetzt aber gar nichts gesagt, das waren andere hier im Forum.

    Ich kann aber auch jetzt ihre Prioritätensetzung noch nicht verstehen. Was interessiert die "Geschichte" eines Produktes, wenn sie eine geklaute ist: nach dem, was ich von Chatwin gelesen habe, glaube ich nicht, daß er mit einer derartigen Verwurstung seiner Art zu arbeiten einverstanden wäre.
    Die "Persönlichkeit" einer Firma ist ebenfalls nicht viel wert, wenn sie darin besteht, daß eine Gruppe von Investoren diese Firma aufgekauft und in üblicher Weise mit den Schulden des Kaufpreises belastet hat. Eine Förderung junger Künstler bessert da auch nicht viel, wenn das Geld dafür auf unethische Weise erwirtschaftet wurde

    Insgesamt finde ich es doch allzuviel Trara um ein schlichtes Notizbuch, bei Moleskin wie bei Leuchtturm.

    Da für mich Gebrauchswert und Nachhaltigkeit der Produktion an erster Stelle stehen, werde ich wohl bis auf weiteres hierbei bleiben: Preiswert, ökologisch, aus europäischer Produktion, was will man mehr:
    http://www.herlitz.de/web...

  5. anbei die Company Informationen inklusive die soziale Verantwortung, mit einem Teil der Einnahmen werden junge Künstler unterstützt.

    http://www.moleskine.com/...

    Antwort auf "Oh je..."
  6. Ich hatte ja selbst vermutet, daß "Leuchtturm" seine "designed in Germany"-Artikel ebenfalls irgendwo in Asien herstellen läßt. Mag sein, daß Taiwan, da kein so autoritärer Staat, etwas weniger übel ist als Festlandchina; leider aber wohl kein so großer Unterschied. Nichtmal ein FSC-Zertifikat haben sie.
    Zur Qualität der Produkte von "Leuchtturm" oder "Moleskin" habe ich jetzt aber gar nichts gesagt, das waren andere hier im Forum.

    Ich kann aber auch jetzt ihre Prioritätensetzung noch nicht verstehen. Was interessiert die "Geschichte" eines Produktes, wenn sie eine geklaute ist: nach dem, was ich von Chatwin gelesen habe, glaube ich nicht, daß er mit einer derartigen Verwurstung seiner Art zu arbeiten einverstanden wäre.
    Die "Persönlichkeit" einer Firma ist ebenfalls nicht viel wert, wenn sie darin besteht, daß eine Gruppe von Investoren diese Firma aufgekauft und in üblicher Weise mit den Schulden des Kaufpreises belastet hat. Eine Förderung junger Künstler bessert da auch nicht viel, wenn das Geld dafür auf unethische Weise erwirtschaftet wurde

    Insgesamt finde ich es doch allzuviel Trara um ein schlichtes Notizbuch, bei Moleskin wie bei Leuchtturm.

    Da für mich Gebrauchswert und Nachhaltigkeit der Produktion an erster Stelle stehen, werde ich wohl bis auf weiteres hierbei bleiben: Preiswert, ökologisch, aus europäischer Produktion, was will man mehr:
    http://www.herlitz.de/web...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP, zz
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  • Schlagworte Börsengang | Mailand | Luxusartikel | Ernest Hemingway
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