Jordanien : "Ich bin nicht mehr nur Ehefrau"

Samia Jarrar hat als arabische Frau ein Unternehmen gegründet. Das hat viele im Land schockiert – doch mittlerweile machen es ihr immer mehr Frauen nach.
Unternehmensgründerin Samia Jarrar © Rico Grimm

Vor zehn Jahren war Samia Jarrar die erste Frau im Informatik-Kurs der Universität von Amman. Jetzt hat die 31-jährige ein Unternehmen gegründet – und große Pläne: Ihren Online-Markt Sallaty will sie zum "Amazon des Mittleren Ostens" machen. Das ist eine ambitionierte Ansage für eine Frau in Jordanien. Samia Jarrar weiß genau, was sie da tut.

Sie kennt die Handelstheorie, die Praxis und ihren Markt. Im Gespräch kann sie aus dem Stegreif einen kurzen Vortrag über die allgemeine Bedeutung von Vertrauen in der Geschäftswelt halten, um dann praktische Fragen des Online-Handels zu streifen und mit der Bemerkung zu schließen: "In Jordanien ist es nicht schwer, ein Unternehmen zu gründen. Es ist schwer, es am Laufen zu halten, weil das Land nicht sehr reich ist."  

Mit ihrem Online-Marktplatz Sallaty ist Jarrar Mittlerin zwischen Kunde und Verkäufer. Ein eigenes Lager hat sie nicht angelegt. Das Besondere an ihrem Unternehmen: Jarrar hat die sonst übliche Produktpalette von Handy bis Playstation um Lebensmittel erweitert, sodass man auch Croissants und Hustenbonbons bei Sallaty bestellen kann.  

Erst waren die Investoren schockiert

"Als mich mögliche Investoren und Kunden das erste Mal sahen", sagt die Unternehmerin, "waren sie schockiert: Eine Frau?, fragten sie sich." Aber Jarrar kann überzeugen. Im Laufe der Zeit habe sie "sehr unterstützende, belastbare Beziehungen" zu den Skeptikern aufgebaut, sagt sie.

Samia Jarrar steht mit Sallaty für einen bemerkenswerten Trend. So wie sie werden immer mehr junge Jordanierinnen zu Start-up-Gründerinnen. Als eine von ihnen kürzlich auf einer Investoren-Konferenz in Istanbul ihre Geschäftsidee vorstellte, war sie eine kleine Sensation: die einzige Frau unter 50 Männern!

Der Inkubator Menaapps in der jordanischen Hauptstadt Amman fördert einige von ihnen. Die Investoren von Menaapps haben sich auf digitale Start-ups aus den sogenannten Mena-Ländern spezialisiert, die grob gesagt die Region zwischen Marokko und Iran umfassen. Trotz der politischen Umwälzungen ist es ein viel versprechender Markt: Von Marokko bis Dubai sprechen und schreiben 300 bis 350 Millionen potenzielle Kunden Arabisch. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung sind unter 34 Jahre alt. Die Internetnutzung in der Region wächst in rasantem Tempo und in den Golfstaaten zirkuliert genug Geld, um junge Unternehmen in der ganzen Region zu fördern. 

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

@ 3 - Frauenförderung ?

"Vielleicht liegt's an den Vätern, Brüdern und natürlich fehlender Frauenförderung."

Nö, es liegt an den Frauen.

Es gibt Frauen, die sind stark, sie wollen ein Ziel erreichen.

Und dann kann man/frau was erreichen, wie das Beispiel zeigt.

Die Arabellion wird zum großen Teil von Frauen getragen. Es wird noch dauern, bis große Verbesserungen für alle Menschen eintreten, aber es bewegt sich.