Immer neue Nachrichten und Details zu Offshore-Leaks werden durch die internationale Presse bekannt: Am Donnerstag gaben die an der Enthüllung beteiligten 38 Medien erste Personen und Firmen bekannt, denen Flucht in Steueroasen vorgeworfen wird. Nach und nach haben Zeitungen wie die französische Le Monde und das italienische Magazin L’Espresso weitere Namen öffentlich gemacht.

Die Tageszeitung Le Monde berichtete über die Offshore-Geschäfte des französischen Bankiers, Winzers und Mitglieds der Rothschild-Dynastie Baron Elie von Rothschild. Der 2007 im Alter von 90 Jahren verstorbene Rothschild habe zwischen 1996 und 2003 ein "wahres Offshore-Imperium" auf den Cook-Inseln begründet. An der 1968 gegründeten Rothschild-Bank war er zu 25 Prozent beteiligt. 2008 entstand eine zentrale Holdinggesellschaft für die Geschäfte der englischen und französischen Rothschilds, die neben den klassischen Private Banking Dienstleistungen auch im Wertschriften- und Devisenhandel sowie in der Trust- und Firmenverwaltung tätig sind.

Aus den Offshore-Leaks-Daten geht weiter hervor, dass in Italien etwa 200 Wirtschaftsberater, Industrielle und Unternehmer in die Affäre verwickelt sind, schreibt L'Espresso. Verdächtigt wird laut dem Magazin Gaetano Terrin, der im Aufsichtsrat der Generali Versicherungen sitzt. Der 53-jährige Steuerberater leitete bis 1998 die Wirtschaftsberaterpraxis von Giulio Tremonti in Padua. Dieser wiederum war zwischen 1994 und 2011 insgesamt vier Mal Finanzminister von dem ehemaligen Regierungschef Silvio Berlusconi. Auch die Deutsche Bank soll ihre Finger mit im Spiel gehabt haben: Sie soll Terrin in Singapur bei der Gründung seiner Offshore-Gesellschaft Constant Surge Investments Ltd unterstützt haben.

Hohe Politiker in Malaysia genannt

Auch eine Industriellen-Witwe wird verdächtigt, von 2002 an mehrere Offshore-Gesellschaften gegründet zu haben: Silvana Inzadi. Sie soll andere Industriellen-Familien in ihre Geschäfte integriert haben, wie die von Vittorio Merloni, einer der größten Hersteller von Elektrogeräten in Europa.

In Malaysia finden sich unter den insgesamt 1.500 wegen Steuerflucht Angeklagten einige hohe Politiker, schreibt die Zeitung Malaysia Kini. Zu den Besitzern von Offshore-Gesellschaften in Singapur und auf den Britischen Jungferninseln zähle Mirzan Mohamad, Sohn des ehemaligen Premierministers Mahathir Mohamad. Auch Raja Nong Chik Zainal Abidin, Territorial- und Stadtplanungsminister, sowie ein ranghoher Mitarbeiter des Regierungschefs des Malaysischen Staates Sabah werden sich wegen Steuerbetruges verantworten müssen.

Mindestens eine Österreicherin wird nach Angaben der Wiener Zeitung in den Offshore-Leaks-Dateien genannt, die in den USA geborene Komponistin Denise Rich. Was genau der 69 Jahre alten Wahl-Österreicherin vorgeworfen wird, die in den USA große Erfolge mit Pop-Hits verbuchte, schrieb die Zeitung nicht. Das Finanzministerium in Wien soll sich jedoch für die Offshore-Leaks-Daten interessieren und allen Hinweisen nachgehen wollen.

Deutsche Medien halten Daten unter Verschluss

Die ebenfalls an dem Projekt beteiligten deutschen Medien, die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk, lehnten es unterdessen ab, die betreffenden Unterlagen an die Ermittler herauszugeben.

Die Süddeutsche Zeitung ließ lediglich verlauten, die Deutsche Bank spiele eine Rolle bei den Offshore-Geschäften: Sie habe über ihre Filiale in Singapur mehr als 300 Stiftungen und Briefkastenfirmen in Steueroasen gegründet. Während der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Andreas Schmitz, eine Mitverantwortung der Banken zurückwies, zeigte sich die deutsche Finanzaufsicht BaFin alarmiert: BaFin-Chefin Elke König sagte gegenüber Spiegel Online, wenn die Behörde Anhaltspunkte habe, "dass ein Institut systematisch gegen Steuerrecht verstößt oder dabei hilft, werden wir dies bankaufsichtlich untersuchen".