Daten-DrosselungEU-Kommissarin rät Telekom-Kunden zur Gegenwehr

Die EU will bei der Einführung einer Datenvolumengrenze der Telekom nicht einschreiten. Aber die Kunden sollten sich wehren, empfiehlt Wettbewerbskommissarin Kroes.

Ein Fall für die EU-Kommission ist die geplante Beschränkung bei Internet-Flatrates der Deutschen Telekom nicht. Das sagte EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes der Bild. Vielmehr sollten nun die Kunden "mit den Füßen abstimmen". Wenn ein Unternehmen höhere Preise für höhere Datenmengen durchsetzen wolle, sei das normal, sagte Kroes. "Die EU wird deswegen nicht eingreifen" – aber die Kunden könnten es tun.

Kroes reagierte damit auf die jüngste Ankündigung der Telekom, die Geschwindigkeit von Internetpauschaltarifen zu drosseln, wenn eine bestimmte Datenmenge verbraucht wurde.

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Die Bundesregierung brachte indessen ein Eingreifen des Bundeskartellamts ins Spiel. "Sollte sich herausstellen, dass die Telekom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzt, muss das Kartellamt einschreiten", sagte Verbraucherministerin Ilse Aigner der Bild.  Eine Beobachtung des Falls durch das Kartellamt hatte auch der Ökonom Justus Haucaup gefordert.

Aigner spricht von "Rohrkrepierer"

Außerdem müsse die Bundesnetzagentur einschreiten, falls zu erkennen sei, dass die neuen Tarife eine Gefahr für die Netzneutralität darstellten, sagte Aigner. "Anscheinend steht die Telekom auf der Leitung – sonst würde sie erkennen, dass ihr neues Geschäftsmodell ein klassischer Rohrkrepierer zu werden droht."

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatte die Telekom am Donnerstag dazu aufgefordert dafür zu sorgen, dass Nutzer auch nach Einführung der Datenvolumengrenze zu allen Angeboten im Internet gleich schnellen Zugang haben. Die Netzneutralität müsse gewährleistet bleiben. In einem Brief an Telekom-Chef René Obermann hatte er sich besorgt gezeigt über die angekündigten Änderungen in den Tarifstrukturen für die Internetnutzung.

Die Telekom verteidigte ihre Pläne. Der Konzern teile die Ziele der Bundesregierung zur Netzneutralität "voll", erklärte ein Konzernsprecher. Die Datenvolumengrenze ziele auf Kunden, die sich besonders viel aus dem Internet herunterladen und dadurch die Netze entsprechend stark belasteten. "Die Alternative wäre gewesen, die Preise pauschal für alle Kunden zu erhöhen", sagte der Konzernsprecher. Die Begrenzung soll nur für neue Verträge gelten, die ab dem 2. Mai abgeschlossen werden. Altverträge sollen unberührt bleiben.

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Leserkommentare
  1. Etliche Landstriche werden ausschliesslich von der Telekom versorgt. Die Telekom sperrt andere Anbieter gezielt aus. Und dann kommt so ein Ratschlag von der EU Kommisarin?!? Da sieht man mal wieder wie informiert und realitätsfremd unsere Politiker sind!

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  2. Im Telekommunikations-Bereich wird für Tarife bzw. Entgelte der Begriff "flat" beinahe flächendeckend mißbraucht. Welcher Flat-Tarif z.B. bei Mobilfunk-Verträgen erlaubt tatsächlich eine unbegrenzte Datenmenge zu einem festen Preis mit einer gleichbleidend hohen Geschwindigkeit? Man sollte damit beginnen, den Begriff "flat" nur noch zuzulassen, wenn der Kunde wirklich unbeschränkt über das Mass des Nutzens entscheiden kann. Ist das nicht der Fall, ist es eben nicht "flat" und der Kunde kauft die Übermittlung einer begrenzten Datenmenge. Die muss dann deutlich angegeben werden, damit man Angebote und Tarife auch vergleichen kann. Erst wenn das erreicht ist, kann der Markt funktionieren und der Kunde richtig entscheiden.

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  3. Frau Kroes ist nicht Wettbewerbskommissarin (das war sie mal) - sie ist jetzt zuständig für den Bereich "Digitale Agenda". Interessant wäre das Vorgehen der Telekom vor allem für den jetzigen Wettbewerbskommissar (Herrn Almunia).

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    Und da zitiert die Zeit schon die Bild und dann schreiben sie es nicht mal richtig ab ... bei der Bild wird Frau Kroes korrekterweise als EU-Kommissarin für die Digitale Agenda bezeichnet ...

  4. Die mit Abstand einfachste Lösung wäre einfach die Netzneutralität per Gesetz festzulegen. Die Telekom führt die Drosselung schließlich nur ein, um eigenen Diensten Vorteile zu verschaffen. Es sind ja auch alle Parteien in Deutschland für die Netzneutralität, nur haben CDU und FDP geglaubt der Markt werde alleine für die Netzneutralität sorgen. Da dies offensichtlich nicht der Fall muss nun endlich ein Gesetz verabschiedet werden.

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  5. Das ist nachweislich falsch und entspricht dem Stand von 2008. Seitdem ist viel geschehen und 75GB lassen sich bei geringer Nutzung, etwas YouTube und etwas Ausleihfilmen problemlos erreichen.

    Liebe Telekom, rechne doch einfach so ab wie Wasser und Strom berechnet werden: Nach Verbrauch. Unabhängig von der Geschwindigkeit. Ohne Drosselung, falls mehr verbraucht wird, sondern mit einer simplen Nachberechnung am Jahresende. Das Prinzip ist transparent und seit Jahrzehnten bewährt. Damit gäbe es nur noch zwei Stellschrauben:

    1. Bereitstellungspreis abhängig von der Geschwindigkeit
    2. Verbrauchspreis pro GB, Abrechnung MB-Genau. Monatlicher geschätzter Abschlag. Jahresabrechnung mit Nachforderung oder Rückzahlung.

    Dass das Netz belastet wäre ist ja eine schlichte Lüge. Wäre es das, wäre es am Monatsanfang bereits tot, egal ob ich nun auf 75 oder 200GB gedeckelt bin.

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  6. Und da zitiert die Zeit schon die Bild und dann schreiben sie es nicht mal richtig ab ... bei der Bild wird Frau Kroes korrekterweise als EU-Kommissarin für die Digitale Agenda bezeichnet ...

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  7. ... kaufe ich viel Diesel. Auf die Idee "Diesel-Flat" ist noch keiner gekommen.

  8. ... die Zeit hat hier wohl leichte Schwächen (vgl. "EU-Komissarin" in der Überschrift)

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Die Überschrift wurde inzwischen korrigiert. Die Redaktion/kvk

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP, sdo
  • Schlagworte Telekom | Bundesregierung | Europäische Union | Neelie Kroes | EU-Kommission | FDP
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