HauptversammlungDeutschland braucht die Deutsche Bank

Die Deutschen fremdeln mit der Deutschen Bank und ihrem britischen Chef. Doch auf der Hauptversammlung bemüht man sich um Freundlichkeit. von 

Deutsche Bank CEO Anshu Jain Hauptversammlung 2013

Anshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, während seiner Rede auf der Hauptversammlung  |  © Ralph Orlowski/Reuters

Vielleicht ist dies der Moment, an dem Anshu Jain endgültig in Deutschland ankommt. "Ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Dies ist ein bewegender Tag für mich", sagt in der Indien geborene Jain – in gut verständlichem Deutsch. Es ist das erste Mal, dass er die Sprache in der Öffentlichkeit benutzt. Die Aktionäre auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank klatschen. Plötzlich, mitten hinein in den Beifall, rennen einige Aktivisten Richtung Tribüne, bekleidet mit signalroten Shirts und Masken; bewaffnet mit Flugblättern, die sie ins Rund der Frankfurter Festhalle werfen. "Deutsche Bank, deutsches Geld, morden mit in aller Welt", skandieren sie, "Deutsche Bank, deutsches Geld, morden mit in aller Welt."

Schnell sind Ordner zur Stelle, langen mit kräftigen Armen nach den Protestierern und drängen diese hinaus. Anshu Jain steht am Pult und wartet – bis sich die Anspannung wegen des Aufruhrs, erkennbar aber vor allem seine Anspannung, Deutsch zu sprechen, in einem offenen, herzlichen Lachen entlädt. Das sieht man bei ihm selten. Gelöst spricht er weiter, auf Deutsch, seine ganze Rede durch, bis er schließlich an "Jürgen" Fitschen, seinen Partner an der Spitze der Bank, übergibt. Sofort, nachdem er Platz genommen hat, hängt er sich wieder den Knopf mit der Übersetzung ins Ohr.  

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Begrüßt von Aktionären, beschimpft von Aktivisten – das wird Anshu Jain nun häufiger erleben. Für fünf Jahre ist der 50-Jährige, der inzwischen britischer Staatsbürger ist, berufen, die größte Bank Deutschlands zu führen. Mit Argusaugen hat man ihn hierzulande im ersten Amtsjahr verfolgt. Jain ist im Investmentbanking groß und mächtig geworden – ausgerechnet jener Sparte, in der viele der Skandale wurzeln, die der Deutschen Bank derzeit so viele Probleme bereiten. Er ist ein Kind der modernen, kühl rechnenden Bankenwelt, kein Deutschbanker der alten Schule mit Zweireiher.

Sein Denken ist angelsächsisch geprägt, seine Sprache ist das Englische. All das macht ihn für viele verdächtig: Kann so einer die Deutsche Bank führen?

Die Deutsche Bank und die Deutschen 

Jain und die Deutschen – das ist ein schwieriges Verhältnis. Noch schwieriger aber ist wohl derzeit das Verhältnis zwischen den Deutschen und der Deutschen Bank. Der Primus der Finanzbranche und die Bürger seines Heimatlandes fremdeln mehr als je zuvor. Möglich aber, dass beiden Seiten langsam dämmert, dass sie nicht ohne einander können.

Deutschland ist immer noch die Basis der Bank, trotz aller globaler Ambitionen: 37 Prozent ihrer Erträge hat das Institut im vergangenen Jahr in seiner Heimat erzielt. Damit ist Deutschland weiter der wichtigste Markt, noch deutlich vor den USA oder Asien. 47 Prozent der insgesamt 98.000 Mitarbeiter sind in Deutschland tätig, 24 Millionen der weltweit 31 Millionen Kunden führt die Bank in Deutschland. Die meisten davon finden sich naturgemäß im Geschäft mit Privat- und Firmenkunden, das heute nur noch eine von vier Sparten der Bank darstellt. Dennoch: Die Führung weiß, dass "Deutsche", wie die Bank in der Finanzwelt nur kurz genannt wird, im Ausland nicht reüssieren könnte, wenn sie zu Hause nur eine unter vielen wäre. 

"Wir stehen zu unserem Heimatmarkt", sagt Co-Chef Jürgen Fitschen. "Nur eine Bank mit einer starken Heimatbasis kann auch global erfolgreich sein." Klatschen hallt durch das Rund der gut gefüllten Festhalle auf dem Messegelände.

Umgekehrt braucht eine große Volkswirtschaft, insbesondere eine so exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland wenigstens ein Institut wie die Deutsche Bank. Eine Bank, die in 72 Ländern weltweit tätig ist, die Mitarbeiter aus 136 Nationen in ihren Reihen hat und die in den Finanzzentren London und New York auf Augenhöhe mit Branchengrößen wie JP Morgan oder Goldman Sachs agiert. Ein Haus also, das weltweit Börsengänge begleiten, Anleihen auflegen und Übernahmen einfädeln kann.

Leserkommentare
  1. Ein nettes Anekdötchen zur Führung der Deutschen Bank !
    Es liest sich wie ein Auszug aus dem hausinternen Durchhalteblättchen ! Die Deutsche Bank hat sich selbst in das "Bull eye" gerückt (unnötig, die Liste der Verfehlung aufzuzählen!!) und wird hoffentlich innerhalb der nächsten 2 Jahre zur Verantwortung gezogen!!

    7 Leserempfehlungen
  2. ....die Ehefrau von Herrn Jain kann man jederzeit im Supermarkt beim Familieneinkauf antreffen und auch seine Kinder besuchen bestimmt eine stinknormale staatliche deutsche Schule. So wie das die Kinder eines x-fachen Multimillionärs eben zu tun pflegen.

    Es ist völlig in Ordnung, dass ein indischstämmiger Investmentbanker mit britischem Pass die Deutsche Bank führt. Dass er seine Rede auf Deutsch hält und die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Deutschen lobt ist natürlich eiskaltes Kalkül (freundlich gesagt) oder auch billige Ranschmeißerei (unfreundlich).

    Wer Aktionär der Deutschen Bank ist, dem muss klar sein, dass er damit u.a. Nahrungsmittelspekulation unterstützt, die Menschenleben weltweit kostet. Anshu Jain weiß das selbstverständlich auch, die Bank die er führt verdient damit Milliarden, er selbst Millionen, offenkundig ist es ihm also gleichgültig. Naja, immerhin spricht er ja jetzt ab und zu deutsch. Muss ja also ein ganz netter Kerl sein.

    4 Leserempfehlungen
    • grrzt
    • 23. Mai 2013 18:19 Uhr

    Ja Massa, Du hast Recht, Massa, und ich werde auch nie wieder was anderes denken Massa.
    Also mal ehrlich, liebe Zeit Online-Redaktion. Die Deutschen fremdeln? Mit der Deutschen Bank? Ich finde das ist eine demgagogische Verharmlosung.
    Der Mann mitr dem Victory-Zeichen intervenierte vor einigen Jahren bei der Bundeskanzlerin M. und befahl Finanzaktivitäten um den Bankensektor zu retten, und ich glaube in die Moment wurde ein neues Aparatschik-Wort geboren: Systemrelevant, waren auf einmal die Banken. Und sie wollen uns weißmachen dass wir die Dt. Bank brauchen, die Manipulateure auf dem Finanzsektor? Sie werden sich vielleicht aus aussen Gerichtsverfahren in den USA rauswinden können. Ehrliche Kaufleute sind das aber nicht. IUnehrliche Kaufleute braucht keiner. Ich bin dann näher zum ""Deutsche Bank, deutsches Geld, mordet mit in aller Welt."

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    • Otto2
    • 23. Mai 2013 18:40 Uhr

    Wir reden immer über die Leute an der Spitze der Bank. Verantwortlich sind letztlich deren Eigentümer!
    Deshalb halte ich es für notwendig, die Leser über die Eigentümer-Struktur dieser Bank zu informieren.
    1. Sind Deutsche die Eigentümer? Wenn "Ja", welche?
    2. Gibt es ausländische Eigentümer? Wenn "Ja" welche?
    Werter Herr Storn, vielleicht können Sie das nachreichen. Soweit ich mich erinnere, gehören die Aktien zu bedeutendem Teil ausländischen Regierungsfonds.

  3. Sie ist tatsaechlich eine globale Bank, und verfolgt vor allem Ziele des weltweiten "Reichtums-Management" (Wealth Management). Schon vergessen, dass kleine Sparer bei denen vor Jahren unwillkommen waren?

    Dafuer braucht sie das Wort "deutsch", aber umgekehrt eher nicht.

    3 Leserempfehlungen
    • Otto2
    • 23. Mai 2013 18:40 Uhr

    Wir reden immer über die Leute an der Spitze der Bank. Verantwortlich sind letztlich deren Eigentümer!
    Deshalb halte ich es für notwendig, die Leser über die Eigentümer-Struktur dieser Bank zu informieren.
    1. Sind Deutsche die Eigentümer? Wenn "Ja", welche?
    2. Gibt es ausländische Eigentümer? Wenn "Ja" welche?
    Werter Herr Storn, vielleicht können Sie das nachreichen. Soweit ich mich erinnere, gehören die Aktien zu bedeutendem Teil ausländischen Regierungsfonds.

    2 Leserempfehlungen
    • Moika
    • 23. Mai 2013 18:45 Uhr

    Anshu Kain war Chef der Investmentsparte der DB in London.

    Er war direkt mit verantwortlich dafür, das alleine die DB rund 40% der amerik. Sub-Primes kaufte und vor allem refinanzierte.

    Anshu Jain ist direkt für die Eigenkonstrukte der DB im Kapitalanlagebereich verantwortlich, mit den dutzende Städte, Kommunen und Geschäftskunden "bedient" wurden. Daß die mit den Anlagen nur verlieren konnten, hatte man ihnen natürlich verschwiegen. Einer klagte vor dem Verfassungsgericht: Die DB mußte ihn voll entschädigen. Jetzt klagen Städte, Kommunen und Private gegen die DB....

    Und wenn ein ihm unterstellter Händler in einem Jahr einen Bonus über 80.000.000,00 Dollar "verdient", interessiert ihn natürlich, wie dieser Mann das geschafft hat: Es waren die Libor-Euribor Manipulationen!

    Mit anderen Worten: Jain ist für alle großen Probleme der Deutschen Bank verantwortlich. Wie man ihn unter diesen Umständen zu einem der Chefs machen konnte, wird mir immer unerklärlich bleiben.

    Und der Aufsichtsrat, der seiner Ernennung zusgestimmt hat? Der kann nicht mehr nüchtern gewesen sein. Unter Aufsicht und Verantwortung stelle ich mir etwas anderes vor.

    6 Leserempfehlungen
  4. Hmmm... also ich nicht. Irgend jemand hier???

    5 Leserempfehlungen
  5. Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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    Der Herr Storn will nur sein Gehalt weiter beziehen, geschickt mit Schwarmintelligenz sich empfehlen für evtll. höhere Weihen, und den Pfründen neoliberlaler Gesinnung ein dienender Fröhner sein.
    Vielleicht schafft er es noch in die Riege Steinbrücks mit Schmidt's Katze und anderen Insignien, vielleicht noch ein schönes Interview mit Frau Kathrin von den Grünen?
    Leute, die solche verschwobelten Brillen tragen wie er kann man für fast jede sublime Ideologie gewinnen, oder wie war das mit den Niedriglöhnen?

    Da muss er in den für ihn passenden Gewässern fischen. Dazu eignen sich Deutsche Bank-Verfechter und andere, die jedwede Gerechtigkeit verhindern wollen, zu der auch gerechte Löhne und andere gerechtere Verhältnisse gehörten!
    Empfehlung an die Bank seines Vertrauens: nehmt ihn als Euren Mann für's Fein-grobe, er wird schon die richtigen Worte finden!

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