Deutsche Bank : "Die Beschränkung der Boni ist ein großes Problem"

Vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank: Die Bonusgrenze der EU bremst die Ambitionen des Instituts. Dennoch braucht die Bank Europa, sagt der Ökonom Nicolas Véron.
Jürgen Fitschen und Anshu Jain, die beiden Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank. © Thomas Lohnes/Getty Images

ZEIT ONLINE: Herr Véron, die Deutsche Bank hat im ersten Quartal wieder einen ordentlichen Gewinn gemacht. Auf lange Sicht möchte sie in die Top Drei der weltweit größten Investmentbanken aufsteigen. Kann Deutschland eine derart große Bank überhaupt verkraften?

Nicolas Véron: Große Banken in kleinen Ländern sind immer ein Risiko. Das hat man in Irland und auf Zypern gesehen. Wenn die Institute Probleme bekommen, können die Staaten sie nicht retten, ohne sich dabei selber zu ruinieren. Und im globalen Maßstab ist auch Deutschland klein, jedenfalls im Vergleich zu den wirtschaftlichen Schwergewichten China und den USA.

Für Deutschland alleine könnte eine Deutsche Bank als drittgrößte Investmentbank der Welt daher zu groß sein. Doch Europa als Ganzes könnte eine noch stärkere Deutsche Bank durchaus tragen. Wenn es in Europa global erfolgreiche Investmentbanken geben soll, müssen sie den kompletten europäischen Markt als ihre Heimat sehen und nicht nur ein einziges Land.

ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?

Nicolas Véron

Der französische Ökonom arbeitet für den europäischen Think-Tank Bruegel und das US-amerikanische Peterson Institute for International Economics. Seine Spezialthemen sind Finanzmarktregulierung und die Europäische Union.

Véron: Der Plan, weltweit unter die Top-Drei-Investmentbanken zu kommen, wäre unter einer europäischen Bankenunion deutlich glaubwürdiger. Denn große Banken brauchen eine große Wirtschaft, die ihr Geschäft unterstützt, als Quelle für Bankeinlagen und als Kundenbasis. Bankkunden haben oft eine gewisse Vorliebe für heimische Banken. Die Herkunft eines Instituts ist deswegen durchaus wichtig für seinen Erfolg. Hier hat eine europäische Bank größere Chancen als eine deutsche.

ZEIT ONLINE: Die Bankenunion soll eine europaweit einheitliche Bankenaufsicht mit einer gemeinsamen Einlagensicherung und festen Regeln für die Abwicklung von gescheiterten Banken verknüpfen. Warum soll die Deutsche Bank das brauchen? 

Véron: Ein fester Regulierungsrahmen in Europa wird dazu führen, dass die Banken die EU stärker als einheitliches Geschäftsfeld wahrnehmen. So können sie die Vorteile dieses großen Marktes besser nutzen, der momentan noch in nationale Einzelmärkte zerfallen ist. 

Nur eine Bankenunion kann die Krise in Europa beenden.

Außerdem kann meiner Meinung nach nur eine Bankenunion die Wirtschaftskrise in Europa beenden. In der jetzigen Situation ist Europa keine gute Ausgangsbasis für eine Bank mit globalen Zielen. Die Wirtschaft liegt am Boden, viele Länder befinden sich in einer Rezession. Vor allem aber kann eine einheitliche Bankenaufsicht, wie sie nun bei der EZB eingerichtet werden soll, eine Großbank wie die Deutsche Bank besser überwachen, weil sie nicht auf nationale Befindlichkeiten Rücksicht nimmt. Und wenn es festgelegte, gemeinsame Abwicklungsmechanismen für Banken gibt, kann eine Großbank einen Staat nicht mehr so leicht erpressen. Too big to fail würde es dann seltener geben.

ZEIT ONLINE: Genau wegen dieses Erpressungspotenzials haben so viele Bürger und Politiker Angst vor großen Banken. Müsste gerade die Deutsche Bank nicht eigentlich schrumpfen, statt sogar noch weiter zu wachsen?

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