Jamie Dimon, Chef und Aufsichtsratsvorsitzender von J.P. Morgan © Jim Lo Scalzo/dpa

König Dimon, so nennen sie Jamie Dimon an der Wall Street. Der Vorstandsvorsitzende der Großbank JP Morgan Chase trägt diesen Spitznamen, weil er den mit 2,4 Billionen Dollar Bilanzsumme mächtigsten Finanzkonzern Amerikas führt, zugleich in Personalunion dem Aufsichtsrat seiner Bank vorsteht – und auch wegen seines robusten Selbstbewusstseins, mit dem er seine Ansichten vertritt.

In den vergangenen Wochen aber sah sich Dimon ungewohnter Kritik ausgesetzt. Ausgerechnet Großaktionäre von JP Morgan Chase verlangten, er möge auf einen Teil seiner Macht verzichten und vom Amt des Aufsichtsratschefs zurücktreten. Eine solche Ämterunion wird in den USA zwar von Corporate-Governance-Vertretern zwar ungern gesehen. Aber sie ist selbst bei großen Unternehmen nicht unüblich.

Normalerweise wäre der Plan der Aktionäre an der Wall Street keine größeren Schlagzeilen wert gewesen. Doch die Debatte schaukelte sich zum Votum über Dimons Karriere und seine Rolle als Top-Banker der USA hoch. Fast schien es gar ein Urteil über die ganze Finanzbranche zu werden. Großinvestor Warren Buffett und Manager Legende Jack Welch mischten sich ein und sprachen sich für Dimon aus.

Hinter der Ämterfrage steckt nämlich mehr. Sie ist Ausdruck wachsenden Unwohlseins selbst der eigenen Anteilseigner angesichts der Machtfülle von Dimon und den potenziellen Risiken, die sie birgt.

Geschäfte mit dem Irak, Kuba und dem Sudan

Am Ende überstand Dimon das Misstrauensvotum und war damit mächtiger als zuvor. Am Dienstag ließen die rebellischen Aktionäre auf der Hauptversammlung von JP Morgan im sonnigen Florida – weit weg von JP Morgans New Yorker Hauptquartier und möglichen Protestlern – über die Ämtertrennung abstimmen. Nur 32 Prozent der Anwesenden waren dafür. Das ist nicht ganz so wenig, wie es klingt. Üblicherweise liegen die Zustimmungsraten auf Hauptversammlungen meist ähnlich hoch wie einst bei Abstimmungen in der Sowjetunion. Dimon darf sich dennoch bestätigt fühlen.

Die Kritik der Rebellen jedoch bleibt gültig. Sie verweisen darauf, dass im Quartalbericht von JP Morgan Chase inzwischen ganze 18 Seiten gefüllt sind mit Warnhinweisen. Es geht um laufende behördliche Ermittlungen, schwebende Verfahren und Rechtsstreitigkeiten. Fast wöchentlich kommen neue Fälle dazu.

In den vergangenen Monaten ist das Verhältnis der Bank zu den Aufsichtsbehörden immer frostiger geworden. Es gab angespannte Treffen und scharf formulierte Briefe. Im Januar kritisierte der Comptroller of the Currency, einer der US-Bankenaufseher, die zu laxen Kontrollen der Bank gegen Geldwäsche. Im Jahr 2011 zahlte JP Morgan 88 Millionen Dollar, um Vorwürfe beizulegen, sie habe Sanktionen gegen den Irak, Kuba und den Sudan verletzt.