FluggesellschaftMayrhuber will doch Lufthansa-Aufsichtsratschef werden

Überraschende Wende bei der Lufthansa: Erst hieß es, der ehemalige Lufthansa-Chef Mayrhuber werde nicht das Spitzenamt im Aufsichtsrat übernehmen, jetzt will er es doch.

Der frühere Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber will nun doch Aufsichtsratsvorsitzender bei der Fluggesellschaft werden. Das teilte das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung für die Börse mit. 

"Nach der heutigen Bekräftigung des Wunsches zur Kandidatur Wolfgang Mayrhubers durch den Aufsichtsrat sowie der Ankündigung wichtiger Investoren für Wolfgang Mayrhuber zu stimmen, hat Herr Mayrhuber sich bereit erklärt, an seiner Kandidatur zur Wahl in den Aufsichtsrat unverändert festzuhalten", hieß es in der Mitteilung.

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Am Montagvormittag hatte der 66-Jährige noch gesagt, dass er nach Kritik aus Aktionärskreisen für das Amt nicht zur Verfügung stehe. Während sich inländische Investoren an Fehlentscheidungen Mayrhubers aus seiner Zeit an der Unternehmensspitze störten, kritisierte die US-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS) vor allem die Vielzahl der Aufsichtsratsmandate des Österreichers, der unter anderem die Dax-Konzerne Infineon, BMW und Munich Re beaufsichtigt.

Weiterhin störte sich ISS an der aus ihrer Sicht zu kurzen "Abkühlzeit" zwischen Vorstandsposten und Kontrolltätigkeit und riet ihren Kunden – meist große Fondsgesellschaften und andere institutionelle Anleger – den Personalvorschlag abzulehnen. 

Strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe

Mayrhuber soll nach zehn Jahren dem scheidenden Chefaufseher Jürgen Weber folgen, hatte der Aufsichtsrat vorgeschlagen. Der Österreicher wird aber für strategische Fehler und verlustreiche Zukäufe in seiner Zeit als Vorstandschef in den Jahren 2003 bis 2010 verantwortlich gemacht. Den aktuellen Sparkurs mit harten Einschnitten auch beim Personal könnte Mayrhuber deshalb nicht glaubwürdig vertreten, hatten Kritiker gesagt.

Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment hatte am Montag in Frankfurt bestätigt, dass sie gegen Mayrhuber gestimmt hätte. "Herr Mayrhuber ist persönlich absolut integer, verkörpert für uns aber zu stark die alte Lufthansa. Er steht für eine übertriebene Internationalisierung und fehlerhafte Zukäufe, wobei notwendige Investitionen in die Flotte vernachlässigt wurden", sagte Fondsmanager Ingo Speich.

DSW verteidigt Mayrhubers Kandidatur

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hielt hingegen den Vorwurf der Ämterhäufung nicht für stichhaltig. Es sei geplant gewesen, dass Mayrhuber seinen Posten bei Infineon aufgebe, sagte DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Die konzerninternen Mandate seien ohnehin weniger problematisch, sodass die DSW Mayrhuber gewählt hätte. "Die Lufthansa steht jetzt vor einem Dilemma: Es gibt nur sehr wenige Luftverkehrsexperten ohne Interessenkonflikte für diesen Posten."

Mayrhuber sollte ursprünglich bereits 2011 in den Lufthansa-Aufsichtsrat wechseln, hatte dann aber gemäß der deutschen Grundsätze für eine gute Unternehmensführung zwei Jahre Wartezeit eingehalten. Die Entscheidung über die wichtige Personalie fällen die Anteilseigner am Dienstag.

Der Wechsel im Kontrollgremium fällt für das Unternehmen in eine schwierige Phase. Der aktuelle Lufthansa-Chef Christoph Franz hat auf seinem Sanierungskurs Sparmaßnahmen auch im Vorstand angekündigt. Den Aktionären will er eine Nullrunde bei der Dividende zumuten und im Unternehmen rund 3.500 von derzeit 117.000 Jobs streichen.

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Leserkommentare
  1. Die alte Weisheit, dass sich Qualität durchsetzt, stimmt ja schon lange nicht mehr. Personalauswahl, besonders in Spitzenfunktionen, ist ja heutzutage mehr von Abhängigkeiten/ Beziehungen, der Vollmundigkeit und Präsentation von "Visionen" sowie der Kunstfertigkeit offensichtliche selbstzuverantwortende Fehler in unvorhersehbare und nicht zu beeinflussende Umstände zu verwandeln, bestimmt. Am Ende zählt nur die Show, die Folgen tragen andere, vorzugsweise die, die die Entscheidung nicht getroffen haben und sich dagegen auch nicht wehren können (Kleinaktionäre, Arbeitnehmer ....).

    Trotzdem Gratulation an Herrn Mayrhuber zur neuen Aufgabe.
    Der Lebensabend sollte damit ja gerade noch einmal in finanzieller Hinsicht gesichert sein.

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