Etwa Menschen wie Benjamin Vahle: Der Jungunternehmer hat schon während seines Managementstudiums an der EBS Business School in Oestrich-Winkel den gemeinnützigen Verein Make a Difference gegründet, der Missstände in der Gesellschaft beseitigen will. Zusammen mit Kommilitonen baute er in den Ghettos einer US-amerikanischen Großstadt Häuser für arme Familien. Vahle sägte Bretter, montierte Fenster, zimmerte Türen.

Nach dem Studium vermarktete er Kreuzfahrten übers Internet. Er bekam ein ordentliches Gehalt, war am Unternehmen beteiligt - aber nicht glücklich. "Ich will nicht einfach Produkte verkaufen", sagt Vahle, "sondern etwas tun, das anderen Menschen hilft."

Also verließ er das Unternehmen und rollte seine Luftmatratze bei seinem Kumpel Frank Eckert aus. Der hatte sich schon während seines Studiums als Zuhörer an einem Sorgentelefon für Studenten engagiert und dann die Nightline Stiftung mitgegründet, die solche Sorgentelefone in ganz Deutschland etablieren will. Wie Vahle hatte er gemerkt, dass es gemeinnützigen Initiativen oft schwerfällt, Spenden einzusammeln. "Also haben wir überlegt, wie wir dieses Problem mit einem neuen Startup lösen können", erzählt Vahle.

Das Ergebnis heißt Boost: Ein Internet-Startup, das Partnerschaften mit Online-Shops schließt. Immer wenn ein Kunde über Boost in den Shops einkaufen geht, erhält das Startup eine Provision zwischen 2 und 22 Prozent. Von dieser Provision wiederum behält es zehn Prozent, um sich selbst zu finanzieren; 90 Prozent wandelt es in eine Spende um, der Kunde wählt den Empfänger. Wer also via Boost bei Amazon kauft, kann mit einem Teil des Kaufpreises eine Initiative seiner Wahl unterstützen – etwa ein Kinderhospiz in Berlin. Teurer wird der Einkauf dadurch nicht.

Die Finanzierung bleibt für viele eine Herausforderung

Die Idee ist so simpel wie erfolgreich: Etwa ein Jahr nach der Gründung haben Vahle und Eckert rund 5.000 Nutzer angelockt, die mit ihren Einkäufen schon mehr als 60.000 Euro Spenden generiert haben und über soziale Netzwerke neue Nutzer anlocken. Rund 600 Charity-Projekte haben davon schon profitiert.

Für die Gründer selbst blieben davon allerdings erst ein paar Tausend Euro übrig. Um von Boost leben zu können, bräuchte die Plattform mehr als 100.000 Nutzer, schätzt Vahle. Deswegen übernehmen die Gründer Programmieraufträge und haben rund 90.000 Euro bei Freunden eingesammelt, um Boost starten zu können.

Tatsächlich ist die Finanzierung für viele Sozialunternehmer eine Herausforderung, doch es gibt auch Geldquellen für Gründer mit diesem Geschäftsmodell. Markus Schulz und Daniela Schiffer etwa haben gerade über das Crowdfunding-Portal Seedmatch mehr als 84.000 Euro Risikokapital von über 150 Privatleuten eingesammelt. Daneben können Sozialunternehmer Spenden, Stiftungsmittel, Zuschüsse, Förderkredite und sogar Risikokapital an Land ziehen.

Weil die Geldgeber aber Auflagen machen und Renditen erwarten, will Ashoka eine Finanzierungsagentur aufbauen. Sie soll Sozial-Startups passende Kapitalpakete schnüren: "Die Geldgeber sollen sich um die besten Ideen kloppen, nicht umgekehrt", sagt Felix Oldenburg. "Gute Sozialunternehmer sind knapper als Kapital."