Ein Bagger auf dem Gelände der eingestürzten Fabrik in Bangladesch © Munir Uz Zaman/AFP/Getty Images

Die schwedische Modekette H&M und das Bekleidungsunternehmen C&A wollen sich nach dem Tod von mehr als tausend Menschen beim Einsturz eines Fabrikgebäudes auf Brand- und Gebäudeschutz-Regeln verpflichten. Auch weitere europäische Textilfirmen wie die spanische Inditex, zu der die Modekette Zara gehört, schlossen sich den neuen Regeln an. Entsprechende Vereinbarungen seien mit zwei Gewerkschaften getroffen worden, teilte H&M mit. Bisher hatten westliche Großabnehmer von Textilien solche Vorschläge stets zurückgewiesen.

H&M gehört zu den größten industriellen Kunden der Textilindustrie in Bangladesch. Die für Nachhaltigkeit zuständige Unternehmensvertreterin Helena Helmersson erklärte, die für eine Zeit von fünf Jahren vorgesehene neue Regelung sei ein "pragmatischer Schritt in Richtung Brand- und Gebäudesicherheit für Textilarbeiter". Man hoffe jetzt auf eine große Koalition aus ausländischen Modefirmen mit der Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Auch die deutsche Modekette C&A hat das Abkommen mit den Gewerkschaften unterschrieben. Die Vereinbarung solle die Arbeitsbedingungen und den Brandschutz in Bangladesch verbessern, hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Ende April war ein achtstöckiges Geschäfts- und Fabrikgebäude in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka eingestürzt. Bislang wurden nach offiziellen Angaben 1.127 Leichen geborgen und 2.438 Verletzte gerettet. Inzwischen haben die Rettungskräfte ihre Suche nach Toten und Überlebenden eingestellt. Bereits im November hatte es ein ähnliches Unglück mit mehr als 100 Toten bei Dhaka gegeben.

Als Konsequenz aus dem Unglück werden Hunderte Textilfabriken in Bangladesch ab Dienstag für immer geschlossen. Der Verband der Textilhersteller und -exporteure begründete den Schritt mit den Protesten der Arbeiter nach dem Einsturz der Fabrik. Geschlossen werden nach Verbandsangaben alle Fabriken im Industriekomplex Ashulia, der unweit des vor knapp drei Wochen eingestürzten Gebäudes liegt.

Die Regierung Bangladeschs hatte am Montag bereits beschlossen, dass Fabrikarbeiter sich zukünftig in unabhängigen Gewerkschaften zusammenschließen und Lohnverhandlungen führen dürften. Zudem soll der  gesetzliche Mindestlohn angehoben werden, der derzeit bei etwa 30 Euro pro Monat liegt.