Amazon will Insiderinformationen zufolge groß in den Handel mit Lebensmitteln einsteigen. Noch beliefert der Onlinehändler nur Kunden in der US-Stadt Seattle mit frischen Produkten. Doch schon diese Woche könnten die Angebote von Amazon Fresh in Los Angeles starten und im Laufe des Jahres auch auf San Francisco ausgedehnt werden, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Ziel sei es, Kunden aus einer Hand neben Elektronik-Artikeln, Büchern und Kleidung auch mit Salat, Backwaren und Fleisch zu beliefern. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, könnte Amazon Fresh 2014 in 20 weiteren Ballungsgebieten angeboten werden, einige davon außerhalb der USA. Eine Amazon-Sprecherin lehnte eine Stellungnahme ab.

Laut den Informanten sollen die bereits vorhandenen großen Lagerhallen teilweise anders genutzt werden, in denen das Unternehmen schon Elektronik und andere Produkte bereithält. Durch diese Synergien könnte Amazon trotz tiefer Margen im Lebensmittelgeschäft hohe Profite erzielen.

Amazons Expansionspläne könnten herkömmlichen Lebensmittelhändlern stark zusetzen, urteilte der Analyst und Unternehmensberater Bill Bishop. "Die Angst ist, dass Amazon aus dem verlustreichen Geschäft Profite ziehen kann, indem sie gleichzeitig bestellte Produkte aus anderen Bereichen liefert", sagte er. "Das sind angsteinflößende Aussichten für andere Lebensmittelhändler." Kroger, WholeFoods, Supervalu und Safeway, einige der größten Lebensmittelhändler der USA, wollten sich dazu nicht äußern.

Konkurrenz erwartet keinen großen Erfolg

Der ehemalige Wal-Mart-Manager Roger Davidson sagte, er gehe nicht davon aus, dass Amazon mit der Ausweitung des Lebensmittelhandels große Erfolge erzielen wird. "Die Gründe dafür, dass solche Geschäfte in der Vergangenheit scheiterten, sind unverändert." Diese sind Davidson zufolge, dass Frischprodukte in Lagerhäusern schnell schlecht oder bei der Auslieferung beschädigt werden.

Im amerikanischen Lebensmittelmarkt wurde 2012 ein Umsatz von 568 Milliarden Dollar erzielt. Bislang war dieser Einzelhandelsbereich vom Online-Geschäft fast unangetastet geblieben. Über sein Pilotprogramm in Seattle liefert Amazon seit mindestens fünf Jahren auch frische Lebensmittel wie Eier, Erdbeeren und Fleisch aus. Dabei setzt der US-Konzern eigene Lastwagen ein.