KorruptionDeutsche Bahn stellt Geschäft in Griechenland ein

DB International zieht sich aus Ländern "mit Korruptionsrisiken" zurück, darunter Griechenland. Die Bahn-Tochter war selbst in Schmiergeldaffären verwickelt.

Ein Bahnangestellter am Athener Hauptbahnhof

Ein Bahnangestellter am Athener Hauptbahnhof  |  © Yannis Behrakis/Reuters

Die Deutsche Bahn hat sich aus Griechenland und anderen korruptionsanfälligen Staaten wie Algerien, Libyen, Ruanda und Thailand zurückgezogen. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ). Den Ausschlag für die Entscheidung gab ein Ermittlungsverfahren der Frankfurter Staatsanwaltschaft: Demnach ist die Bahn selbst in diverse Schmiergeldaffären verwickelt gewesen.

Wie die SZ weiter schreibt, habe die Bahn-Tochter DB International (DBI) im vergangenen Jahrzehnt in mehreren Staaten Schmiergeld gezahlt, um Beratungs- und Planungsaufträge für Eisenbahnprojekte zu bekommen. In Griechenland seien etwa bei der Planung der Athener Metro, die den Flughafen mit der Stadt, dem Hafen und Korinth verbindet, Gelder in Höhe von 315.000 Euro geflossen, um Auftraggeber zu bestechen.

Anzeige

Man habe Konsequenzen gezogen und sich "aus Geschäften in vielen Ländern mit bekannt hohen Korruptionsrisiken zurückgezogen", sagte Vorstand Gerd Becht, zuständig für Compliance und Recht, der Zeitung. "Es waren tiefgreifende Einschnitte und ein genereller Neuanfang nötig."

Bahn räumt im eigenen Unternehmen auf

Laut Becht hat sich der Konzern von mehr als 30 DBI-Beschäftigten getrennt, darunter Geschäftsführer und Projektleiter. Dazu habe auch der damalige Niederlassungschef in Griechenland gehört.  Zudem seien Verträge mit dubiosen Beraterfirmen gekündigt worden.

Die Auslandsbüros dürfen dem Bericht zufolge maximal nur noch umgerechnet 500 Euro in der jeweiligen Landeswährung in der Bargeldkasse haben. Barzahlungen über 100 Euro seien verboten. 

Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt insgesamt gegen 37 Beschuldigte, fast alle ehemalige DBI-Mitarbeiter. Eine Ingenieurfirma aus Hessen, die mit der Bahn zusammengearbeitet hat, musste zudem 600.000 Euro Bußgeld zahlen. Die Bahn verklagt etwa zehn ehemalige DBI-Verantwortliche auf Schadensersatz.     

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Lefty
    • 18. Juni 2013 11:12 Uhr

    Bravo,doch mussten dazu erst Ermittlungen der Staatsanwaltschaft herhalten.Der Anfang ist gemacht,nun sollten andere Unternehmen folgen.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das die Korruption auch BEI der Bahn war ? Sie kann also auch mal mit einer Selbstanzeigt einen Anfang machen.

    aber das passt wohl nicht in das "Grichenland ist schlecht und wird untergehen" Bild der Bildzeitung.

  1. 2. Witzig

    Man arbeitet mit Länder in denen man selbst zur Korruption beigetragen hat nicht mehr zusammen,......

    Sollte man nicht eher die Korruption in der eigenen Firman bekämpfen und in den Länder wo sie ein Problem ist offen mit den Anti-Korruptionsbehörden zusammenarbeiten, um ein Korruptionsfreies Unternehmen zu ermöglichen ?

    Eine Leserempfehlung
  2. Das die Korruption auch BEI der Bahn war ? Sie kann also auch mal mit einer Selbstanzeigt einen Anfang machen.

    aber das passt wohl nicht in das "Grichenland ist schlecht und wird untergehen" Bild der Bildzeitung.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Frage die man sich vermutlich eher stellt ist, ob ein Geschaeft in einigen Laendern ohne Korruption ueberhaupt moeglich ist.
    Sicher war DB int. genauso wie Siemens, Thyssen usw in die Korruption in Griechenland verwickelt, und vielleicht auch mehr als das, aber bloss weil diese Unternehmen jetzt vielleicht nicht mehr dort taetig sind, wird die Korruption in diesen Laendern ja nicht verschwinden.

    Es ist vielmehr ein Selbstschutz der Unternehmen sich zurueckzuziehen. Gerade in Griechenland wird im Moment sehr einseitig die Schuld bei den Unternehmen gesucht, wahrend bis auf eine prominente Ausnahme noch kein Politiker zur Verantwortung gezogen wurde.
    Sollte ein Unternehmen wegen Korruption verurteilt werden, kann dadurch das Unternehmen fuer saemtliche oeffentliche Auftraege in Europa gesperrt werden. Dies war einer der Hauptgruende fuer Siemens sich aussergerichtlich mit dem griechischen Staat zu einigen und eine Strafzahlung in Rekordhoehe zu akzeptieren. Dafuer sind dann aber auf griechischer Seite alle Namen bis heute unter der Decke geblieben.
    Das ist doch die eigentlicheCrux bei dem Thema, Siemens hat sich freigekauft (hatten vermutlich auch keine andere Wahl), aber nicht ein einziger Name der Zahlungsempfaenger wurde publik.

  3. Ein Unternehmen mit so viel macht und so viel Erfahrung kann mit Korruption sicherlich sehr gut umgehen (und Betreiben). Wie das halt so ist, bei Kleinkriminellen...: Man darf sich halt nicht erwischen lassen, sonst ist man ganz schnell raus aus dem Geschäft!

    • Vibert
    • 18. Juni 2013 12:17 Uhr

    dass es in Deutschland keine Korruption gibt?
    Gott ist das peinlich.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das bedeutet doch, dass sich die Bahn bald auch aus Deutschland zurück ziehen wird :)

    • Vibert
    • 18. Juni 2013 12:24 Uhr

    ...

  4. das bedeutet doch, dass sich die Bahn bald auch aus Deutschland zurück ziehen wird :)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Gut zu hören,"
    • zappp
    • 18. Juni 2013 12:21 Uhr

    Mitarbeiter werden in Sachen Anti-Korruptionspolitk geschult, bekommen danach Zertifikate ausgestellt und müssen Ehrenerklärungen unterschreiben.

    Der Druck, Umsatz zu machen und Verträge abzuschliessen bleibt unverändert bestehen.

    Aber zum haben sich diejenigen, die den Druck ausüben durch die oben beschriebenen Massnahmen aus der Verantwortung gestohlen.

    Eine Leserempfehlung
    • Vibert
    • 18. Juni 2013 12:24 Uhr

    ...

    Antwort auf "Gut zu hören,"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, ds
  • Schlagworte Deutsche Bahn | Bußgeld | Bahn | Euro | Flughafen | Geschäftsführer
Service