ChefwechselLöscher-Rauswurf kostet Siemens neun Millionen

Siemens-Chef Peter Löscher muss auf Druck des Aufsichtsrates seinen Posten räumen. Doch er fällt weich: Ihm steht eine hohe Abfindungszahlung zu.

Für Siemens endet die Ära Löscher teuer. Nach seinem Abgang winkt dem Österreicher eine millionenschwere Abfindung. Wie sich aus dem Geschäftsbericht des Konzerns ergibt, stehen Vorstandsmitgliedern bei einer vorzeitigen Beendigung ihrer Tätigkeit maximal zwei Jahresvergütungen zu. Insgesamt dürften sich die Zahlungen demnach auf rund neun Millionen Euro summieren. Bei Siemens hieß es, die Zusagen stünden im Einklang mit den Corporate-Governance-Regeln für gute Unternehmensführung.

Konkret bemisst sich die Höhe der Ausgleichszahlung an der Grundvergütung sowie der im letzten Jahr vor Beendigung tatsächlich erhaltenen variablen Vergütung. Hinzu kommt ein Beitrag für die Altersversorgung. Löscher muss seinen Posten nach der zweiten Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten bei Siemens räumen. Sein Vertrag wäre eigentlich noch bis 2017 gelaufen.  

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Insgesamt arbeitete Löscher rund sechs Jahre für den Münchner Industriekonzern. Am Mittwoch wird der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung über die Ernennung eines neuen Konzernchefs entscheiden, teilte das Unternehmen mit. Nachfolger soll Medienberichten zufolge der Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser werden. Siemens äußerte sich dazu bislang nicht. 

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Leserkommentare
  1. Für Siemens = Chickensh*t. Aber trotzdem ein gutes Investment.

    Den Cromme würden die sogar anfindungsfrei loswerden können. Sonderangebot - weg mit ihm.

    • F.F.
    • 28. Juli 2013 19:10 Uhr

    "Hinzu kommt ein Beitrag für die Altersversorgung."

    Puh, Ich hab schon Fieberhaft überlegt, wie er jetzt über die Runden kommen soll. Aber das beruhigt mich jetzt.

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  2. Zu dem Geschäft gehören immer Zwei: Einer der rauswirft und einer der rausgeworfen wird. Bei der Abfindung, lässt man sich schon mal gerne rauswerfen und man wirft auch gerne raus, wenn das Rauswurf-Geschäftsergebnis gerecht und vereinbarungsgemäß geteilt wird.

    In der Vergangenheit war Siemens in dieser Sparte immer schon ein führendes Weltunternehmen. Warum sollte es jetzt anders sein?

    2 Leserempfehlungen
    • mores
    • 28. Juli 2013 19:35 Uhr

    Versager werden im Beamtenmilieu per Burnout-Attest verlustfrei in die Pension entsorgt oder mit Beförderung ins Ministerial-Nirwana "bestraft". Bei Bankern, Managern u. Trainern macht der bewährte "goldene Handschlag" den Abschied zum fröhlichen "Zahltag". Noch Wünsche offen?!

    3 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 28. Juli 2013 19:37 Uhr

    War ja bei den Milliardenverlusten von ThyssenKrupp auch so. Heissa 'unternehmerisches Risiko'. Wobei: die Politik machts auch nicht anders. Siehe zuletzt den Drohnenminister.

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  3. So ist es eben in unserer Leistungsgesellschaft. Angestellte "Unternehmer" können sich eben auch nach Fehlleistungen noch etwas leisten. Bei inhabergeführten Unternehmen sieht das Ergebnis für den wirklichen Unternehmer nach Fehlleistungen zumeist trauriger aus. Ein Übel unserer Leistungsgesellschaft. Normale Arbeitnehmer, die nach unternehmerischen Fehlleistungen von angestellten "Unternehmern" ihren Arbeitsplatz verlieren, können und wollen das nicht verstehen. Dieses Übel muss ausgemerzt werden, denn die angestellten "Unternehmer" Können von höchstdotirten Gehältern und Boni ausreichend Vorsorge für die Zeit danach schaffe. Die von den Mitarbeitern der Firma finanzierte D&O-Versicherung schützt die Versager im Vorstand sogar noch vor Ansprüchen der Firma oder Dritter im Ergebnis ihrer Fehlleistung.

    3 Leserempfehlungen
    • Wupert
    • 28. Juli 2013 20:37 Uhr

    Ich will auch Manager werden.

    Das ist wohl einer der wenigen Berufe, bei dem man noch für einen Rauswurf fürstlich entlohnt wird.

    Hier würde ich mal vorschlagen, dass die Eigentümer=Aktionäre ihr Einverständnis geben müssen wenn solche Verträge unterschrieben werden.

    Erst Millionen in den Sand setzen, tausende von Beschäftigten kündigen und jetzt nach diesem Debakel auch noch eine Millionenabfindung bekommen. Ein Unding!

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    "Ich will auch Manager werden.
    Das ist wohl einer der wenigen Berufe, bei dem man noch für einen Rauswurf fürstlich entlohnt wird."

    Manager zu sein ist kein Zuckerschlecken und ein harter Wettbewerb gegen Kollegen. Erst wenn Sie es in den Olymp geschafft haben, z.B. in Vorstand eines DAX-Unternehmens, gehören Sie zu denen, die entweder reich vor die Tür gesetzt werden, oder noch reicher weitermachen dürfen.

    Mach doch! Es liegt doch zuerst einmal an Dir!

    Bewerben Sie sich!

  4. ... muss man aber auch sagen, dass Siemens eine völlig unregierbare Behörde ist, nur ohne die Vorteile des Beamtentums. Haben Sie mal bei Siemens gearbeitet? Ich schon. Kein Bleistift ohne dreifachen Antrag. Kein Angestellter der mehr tut als er unbedingt muss. Kein Produkt ohne Macke. Poor Joe!

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    "Zu seiner Verteidigung muss man aber auch sagen, dass Siemens eine völlig unregierbare Behörde ist, (...)"

    Zu seiner Verteidigung? Löscher hat diesen Laden 6 Jahre(!) lang geleitet. Er ist verantwortlich für das, was da passiert und hatte ja wohl genug Zeit gehabt, das zu ändern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, fin
  • Schlagworte Abfindung | Altersversorgung | Ausgleichszahlung | Euro | Vertrag | Unternehmen
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