Die Menschenrechtsorganisation China Labor Watch wirft einem Apple-Zulieferer mit Sitz in Taiwan skandalöse Arbeitsbedingungen vor. Bei dem in China produzierenden Hersteller Pegatron müssten sogar Schwangere für einen Billiglohn bis zu elf Stunden täglich und 66 bis 69 Stunden pro Woche arbeiten.

In einem am heutigen Montag veröffentlichen Bericht beklagt die Nichtregierungsorganisation auch die Arbeit von Minderjährigen, Misshandlungen durch Manager sowie die Verschmutzung der Umwelt in China. Die Arbeiter leben in unwürdigen Unterkünften und leiden unter rassistischer Diskriminierung. Sie seien unter Druck gesetzt worden, die wahre Arbeitszeit zu vertuschen.

"Die Pegatron-Fabriken brechen eine große Zahl internationaler und chinesischer Gesetze und Standards sowie den von Apple ausgegebenen Verhaltenskodex", hieß es in dem Bericht von China Labor Watch. Pegatron missbrauche die Arbeiter, um an Aufträge von Apple heranzukommen. "Auf diese Weise verschlimmert Apple die Bedingungen von Arbeitern, anstatt sie zu verbessern", sagte der Direktor der Organisation, Li Qiang.

Nach einer ähnlichen Kontroverse um seinen Hauptzulieferer Foxconn hatte Apple zunehmend Aufträge an Pegatron vergeben. Beide Unternehmen fertigen in China iPads, iPhones und Apple-Computer her. Mit den neuen Aufträgen hatte Pegatron die Zahl der Arbeiter im Frühjahr von 50.000 auf 70.000 erhöht.

Noch schlimmer als bei Foxconn

China Labor Watch hatte von März bis Juli verdeckte Ermittler in drei Fabriken von Pegatron eingeschleust und rund 200 Interviews mit Arbeitern geführt. "Unsere Untersuchung hat gezeigt, dass Arbeitsbedingungen in Pegatron-Fabriken noch schlimmer sind als in Foxconn-Fertigungsstätten", sagte Li Qiang. "Apple erfüllt seine eigenen Standards nicht."

In einer Reaktion versicherte Pegatron, den Vorwürfen nachgehen und eventuelle Verstöße gegen chinesisches Arbeitsrecht oder eigene Standards beheben zu wollen. Auch Apple teilte mit, die Vorwürfe zu überprüfen. "Sollten unsere Untersuchungen ergeben, dass die Arbeiter nicht ausreichend bezahlt wurden oder Entlohnung für geleistete Arbeit abgelehnt wurde, fordern wir, dass Pegatron die Arbeiter voll entschädigt", versprach Apple.