Ein Praktiker-Baumarkt in Hamburg © Fabian Bimmer/Reuters

Die Sanierung der Baumarktkette Praktiker ist gescheitert. Verhandlungen über weitere Finanzierungen seien gescheitert, teilte der Vorstand in Hamburg mit. Die Firma sei überschuldet und zahlungsunfähig.

Einzelne Gläubigergruppen hätten dem Plan nicht zugestimmt. In Kürze soll nun für die Praktiker AG und mehrere Betriebsgesellschaften beim zuständigen Amtsgericht die Eröffnung von Insolvenzverfahren beantragt werden. Das geht aus einem Schreiben des Praktiker-Vorstands an die Mitarbeiter hervor.

Die ertragsstärkere Tochter Max Bahr sowie das Auslandsgeschäft sind von der Insolvenz nicht betroffen, heißt es in dem Schreiben. Konzernweit hat Praktiker rund 18.000 Mitarbeiter, davon knapp 7.000 im Ausland. Der Konzern betreibt nach Firmenangaben fast 430 Bau- und Heimwerkermärkte in neun Ländern, davon mehr als 300 in Deutschland.

"Angespannte Liquidität"

Praktiker schreibt seit Jahren rote Zahlen. Die Geschäftsentwicklung sei ins zweite Quartal 2013 hinein durch den schneereichen langen Winter, anhaltend niedrige Temperaturen und einen damit verbundenen massiven Einbruch der Baumarktkonjunktur stark beeinträchtigt worden, schrieb der Vorstand. Deshalb seien die "positiven Effekte" der Neupositionierung überlagert worden. "Der Konzern geriet dadurch in eine angespannte Liquiditätssituation."

Es sei nicht gelungen, eine tragfähige Anschlussfinanzierung zu finden. So flossen Verkaufserlöse nicht, die schon im Finanzierungskonzept aus dem Jahr 2012 fest eingeplant waren. So sollte eine Luxemburger Tochter ursprünglich verkauft werden.

Unter der Holding Praktiker AG sind einzelne Firmen wie Praktiker Deutschland, eine Servicefirma und die Markenperle Max Bahr zusammengeführt. Ziel der Sanierung war der Umbau etlicher Praktiker-Filialen auf diese ertragsstärkere gelbe Marke. Praktiker sollte als Discount-Schiene mit verkleinertem Angebot dienen.

Rabatte fehlgeschlagen

Der mühevolle Weg der Sanierung für den Baumarkt-Konzern ist nun vorerst gescheitert. Praktiker war durch eine fehlgeschlagene Rabattstrategie in eine schwere Krise geraten und hatte erst im vergangenen Jahr seine Finanzierung für die nächsten Jahre sichern können.

Mit einem Bündel von Maßnahmen bemühten sich wechselnde Vorstandschefs um eine Stabilisierung des Unternehmens, das zudem noch durch strategische Differenzen zwischen Aktionärsgruppen und Vorstand belastet wurde. Zuletzt wurden der Einkauf gestrafft, die Konzernzentrale aus dem Saarland nach Hamburg verlegt, ein Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter erwirkt und Mietverträge nachverhandelt.

Bei der Sanierung sollte Max Bahr zur tragenden Säule des Unternehmens gemacht werden, wie Praktiker-Vorstandschef Armin Burger angekündigt hatte. "Mit Max Bahr haben wir Jahr für Jahr Geld verdient, mit Praktiker nicht." Gegenwärtig gibt es bundesweit rund 132 Max-Bahr-Märkte, zum Ende des Jahres sollten es 200 sein. Aus der Türkei und aus Luxemburg hatte sich Praktiker zurückgezogen.