Dirk Nonnenmacher © dpa

Draußen in dem kleinen Park vor dem Hamburger Landgericht lümmeln die Menschen im Gras. Es ist noch früh am Tag, und doch schon angenehm warm. 30 Grad sollen es bis zum Mittag werden, herrlichster Sommer.

Drinnen in Saal 300, ganz links auf der Anklagebank, hat Dirk Jens Nonnenmacher Platz genommen. In Porträts über ihn wird als erstes immer das nach hinten gekämmte Haar beschrieben, aber viel stärker fällt an diesem Morgen auf, wie aschfahl sein Gesicht ist.

Nonnenmacher und der Sommer, soviel steht fest, haben nicht viel miteinander zu tun.

Schwere Untreue und Bilanzfälschung. So lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen den früheren Chef der HSH Nordbank. Mit ihm sitzen noch fünf weitere frühere Vorstände auf der Anklagebank, aber für sie interessieren sich die Wenigsten der rund 40 Journalisten und ebenso vielen Zuschauern in dem turnhallengroßen Saal. Die Kameras, die Blicke, sind zum Prozessauftakt am gestrigen Mittwoch allein auf "Dr. No" gerichtet, den Mann, der in der Finanzkrise zum Sinnbild des bösen Bankers avancierte.

An der Geschichte des Dirk Jens Nonnenmacher lässt sich vieles ablesen, unter anderem auch, wie unterschiedlich sich die Dinge entwickelt haben für die diversen Milliardenvernichter des deutschen Finanz-GAUs.

Georg Funke, der Totengräber der Hypo Real Estate? Sitzt auf Mallorca, wo der Sommer immer so schön ist wie in Hamburg in den letzten zwei Wochen.

Klaus-Peter Müller, der der Commerzbank die Pleitehäuser Eurohypo und Dresdner aufhalste? Ist als Aufsichtsratschef noch immer in Amt und Würden, und leitete bis vor Kurzem die Corporate-Governance-Kommission der Bundesregierung.

Und Nonnenmacher? Muss im schlimmsten Fall für zehn Jahre ins Gefängnis (wobei dieser schlimmste Fall höchstwahrscheinlich nicht eintreten wird).