Publicis und OmnicomFusion zum weltgrößten Werbekonzern

In der Werbewelt entsteht ein Marktführer mit 130.000 Mitarbeitern. Publicis und Omnicom wollen verschmelzen. Der Milliardendeal würde die Branche auf den Kopf stellen.

Maurice Levy und John Wren stimmen in Paris der Fusion von Publicis und Omnicom zu.

Maurice Levy und John Wren stimmen in Paris der Fusion von Publicis und Omnicom zu.  |  © Christophe Karaba/dpa

Die französische Publicis-Gruppe und die US-Kommunikationsagentur Omnicon wollen sich zum weltgrößten Werbekonzern zusammenschließen. Damit würde eine neue Nummer eins mit mehr als 130.000 Mitarbeitern entstehen, ein Konzern, der an der Börse knapp 27 Milliarden Euro wert ist. Es sei eine Fusion unter Gleichen, sagten die Unternehmen in einer gemeinsamen Erklärung.

Schon seit einigen Tagen hatte es Gerüchte über derartige Pläne gegeben. Das kombinierte Unternehmen würde WPP aus Großbritannien als Branchenprimus ablösen. Mit dem Abschluss wird Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres gerechnet.

Anzeige

Die Wettbewerbshüter müssen allerdings noch zustimmen, was in den USA nicht als gesichert gilt. Denn durch die Fusion kommen zahlreiche namhafte Werbe- und PR-Agenturen wie BBDO, Saatchi & Saatchi, Leo Burnett, Ketchum oder Fleishman-Hillard unter ein gemeinsames Dach. Der neue Werbe-, Marketing- und PR-Konzern würde einen Jahresumsatz von rund 18 Milliarden Euro erwirtschaften.

Der Zusammenschluss könnte die Medienbranche weiter unter Druck setzen. Die Größe und die weltweite Verbreitung des neuen Unternehmens könnte dessen Kunden zu günstigeren Preisen für Kampagnen im Fernsehen, Internet sowie in Zeitungen und Zeitschriften verhelfen.

Gleichberechtigte Chefs

An der neuen Publicis Omnicom Group sollen die Anteilseigner beider Seiten je rund die Hälfte der Anteile halten. Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben, die Zentralen bleiben aber in Paris und New York. Dort sollen auch die Aktien notiert bleiben. Publicis-Chef Maurice Levy und Omnicom-Chef John Wren würden die Gruppe zunächst als gleichberechtigte Chefs führen. Die Unternehmen planen nach eigenen Angaben keine Entlassungen.

Die Konkurrenz reagierte bereits mit Kritik: "Das ist ein Geschäft, was zwei Menschen glücklich macht und 130.000 Mitarbeiter und eine ganze Menge an Kunden destabilisiert und beunruhigt", sagte Havas-Chef David Jones. "Heutzutage wollen Kunden uns schneller, agiler, mehr behände und mehr unternehmerisch, nicht größer und mehr bürokratisch und mehr komplex."  

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ""Heutzutage wollen Kunden uns schneller, agiler, mehr behände und mehr unternehmerisch, nicht größer und mehr bürokratisch und mehr komplex."

    heutzutage wird doch schon jede PommesBude in ProfitCenter gegliedert.

    Die wahre Gefahr liegt darin, daß Werbung ja immer auch politische 'Botschaften' transportiert, ein klassisches Beispiel ist Werbung als "Vorbereitung der Bevölkerung" zur Abschaffung der umlagefinanzierten Rente.

    Hier konstituiert sich eine enorme Bündelung propagandistischen Potentials.

    Daß natürlich auch Regierungen/Staaten sich gern dieser Möglichkeiten schon heute bedienen setze ich als bekannt voraus.

    4 Leserempfehlungen
  2. Wenn man bedenkt, welche Agenturen diesen Unternehmen gehört so ist das keine Revolution mehr. Eher ein Urknall, der jetzt ein extremes Ungleichgewicht schaffen wird: Da wird dieses Monstrum sein, welches eigentlich alles hat und auf der anderen Seite die vielen tausend kleinen Inhaberagenturen etc.

    Saatchi & Saatchi, BBDO, DDB, Leo Burnet Ww. und dazu noch die PR von Ketchum Pleon.

    Da baut sich ein großes Monopol auf die Werbung auf.

    Eine Leserempfehlung
  3. "Die neue Gesellschaft soll ihren Sitz in den Niederlanden haben, die Zentralen bleiben aber in Paris und New York. "

    3 Leserempfehlungen
  4. ... bei dem Leistung durch Marktmacht ersetzt werden kann.

    5 Leserempfehlungen
  5. einer der schlimmsten Wurmfortsätze der menschlichen Gesellschaft. Die Art von Leuten, die in 'Per Anhalter durch die Galaxis" in das Raumschiff verfrachtet werden, das zum Teufel/auf Irrwege geschickt wird - zusammen Mut Telefonhörerreinigern und anderen unnützen Leuten. In dem Fall auf die Erde. Wenn das so tatsaechlich passiert sein sollte würde das natürlich die degenerierte Entwicklung des homo sapiens teils erklären. :-)
    Ein Zusammenschluss von grossen in dieser Irrelevanz-Branche ist umso übler.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >> Die Werbebranche... einer der schlimmsten Wurmfortsätze der menschlichen Gesellschaft. <<

    ... selbst sind im Bereich der "Werbe-, Marketing- und PR-"Leute noch "mostly harmless", die sorgen nur für die bunte Verpackung. Der schlimmste, weil gesellschaftlich bedenklichste, ist der PR-Bereich.

    Trotzdem danke für den Fisch :-)

    Dass nicht jeder in diesem Zirkus klar kommt, versteht sich ClockworkOrange. Es sind aber zumeist die interessanteren, die kreativeren, die etwas ungewöhnlicheren Menschen, die sich hier tummeln. Für Deutsche zumeist nicht empfehlenswert. Da kommt eher eine Behörde in Frage. Oder ne Sparkasse ...

    Diese Stelle wird oft gerne alleine zitiert. Die meisten erinnern sich aber nicht, was mit der Bevölkerung auf dem neuen Planeten geschah, nachdem sie sich diesem Teil der Menschheit vom Hals geschafft hatten.

  6. Man kann nur hoffen, das diese "Fusion" nicht genehmigt wird.

    Immer größere Konzerne, die mit ihrer Macht die kleineren innovativen Unternehmen erdrücken brauchen wir nicht.

    Mit jeder solchen Fusion stirbt ein weiteres Stück von dem bisschen Marktwirtschaft das wir noch übrig haben.

    Eine Leserempfehlung
  7. >> Die Werbebranche... einer der schlimmsten Wurmfortsätze der menschlichen Gesellschaft. <<

    ... selbst sind im Bereich der "Werbe-, Marketing- und PR-"Leute noch "mostly harmless", die sorgen nur für die bunte Verpackung. Der schlimmste, weil gesellschaftlich bedenklichste, ist der PR-Bereich.

    Trotzdem danke für den Fisch :-)

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Die Werbebranche..."
  8. 8. Frage

    Ist nicht Google der aktuell mit Abstand weltgrößte Werbekonzern?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, lab
  • Schlagworte Aktie | Börse | Chef | Entlassung | Fernsehen | Fusion
Service