Die Trennung von Vorstandschef Peter Löscher geht bei Siemens weniger glatt voran als erhofft. Drei prominente Vertreter im Kontrollgremium stören sich Insidern zufolge an der Art und Weise, wie Löscher aus dem Konzern gedrängt wird. Der frühere Chef der deutschen Bank, Josef Ackermann , Allianz-Chef Michael Diekmann und die Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller sind demnach gegen eine Ablösung auf der Aufsichtsratssitzung, die für Mittwoch angesetzt ist. 

Sie kritisieren das Verfahren der Absetzung als unwürdig für einen Weltkonzern, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld des Unternehmens erfuhr. Die Rede ist von einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" oder gar von einem "Putsch" gegen Löscher.

Ausschlaggebend für die Trennung von Löscher war eine Gewinnwarnung vom Donnerstag. Der Konzern hatte damit das Renditeziel für 2014 aufgegeben. Insidern zufolge hätten sich Löschers Vorstandskollegen gegen seinen Willen durchgesetzt, die Öffentlichkeit zu informieren. Finanzchef Joe Kaeser soll auf eine weitergehende Erläuterung der Gründe verzichtet und damit Löscher der Reaktion des Kapitalmarkts preisgegeben haben. Kaeser gilt als derjenige, der auf den Posten des Vorstandschefs aufrücken wird.

Siemens dementiert Bericht über Bedingungen Löschers

Wegen zahlreicher Misserfolge wie die verspätete Lieferung von Zügen an die Bahn oder nach wie vor fehlenden Anschlüssen von Windparks in der Nordsee stand Löscher bereits massiv in der Kritik.

Löscher widersprach einem Zeitungsbericht, wonach er sich gegen seinen Rauswurf wehrt. "Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zu Recht stolz auf ihr Unternehmen sind", zitierte ihn die Bild.  

Die Süddeutsche Zeitung hatte berichtet, Löscher wolle nur dann gehen, wenn Chefkontrolleur Cromme zugleich seinen Aufsichtsratsposten aufgibt . Ansonsten wolle er es auf eine Kampfabstimmung im Aufsichtsrat ankommen lassen. Ein Siemens-Sprecher sagte, es stimme nicht, dass Löscher seinen Weggang vom Ausscheiden Crommes abhängig mache.