Die vor einem Jahr abgewickelte Westdeutsche Landesbank (WestLB) hat laut einem Bericht des Handelsblatt mehr als sechs Milliarden Dollar in Übersee-Steueroasen verspekuliert. Die Zeitung beruft sich auf eine Antwort des nordrhein-westfälischen Finanzministers Norbert Walter-Borjans auf eine kleine Anfrage der FDP.

Laut Walter-Borjans kamen zum Stichtag 31. März 2008 gut ein Viertel der toxischen Wertpapiere der WestLB, die auf die Zweckgesellschaft Phoenix übertragen wurden, von Aktivitäten auf den Cayman Islands und 1,3 Prozent von Niederlassungen auf Jersey. Zudem seien unter die 0,9 Prozent von "sonstigen Standorten" auch die Geschäfte mit der Briefkastenfirma Harrier Capital Management auf den Bermudas gerechnet werden.

Bereits vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass die WestLB teilweise seit 1975 Briefkastenfirmen in Übersee unterhielt. Die Niederlassungen auf den Caymans, auf den Bermudas, Jersey oder den niederländischen Antillen existieren noch immer. Die letzte dieser Gesellschaften wurde 2004 gegründet.

Fragen an Steinbrück

FDP-Fraktionsvize Ralf Witzel, Initiator der Anfrage, fordert eine gründliche Aufarbeitung des Offshore-Geschäfts. "Ein wichtiger Teil des Milliardengrabs WestLB ist in Offshore-Destinationen verursacht worden", kritisierte Witzel laut dem Bericht. Frühere Angaben von Walter-Borjans einbezogen werde die Abwicklung der WestLB den Steuerzahler am Ende rund 18 Milliarden Euro kosten, heißt es im Handelsblatt.

Voraussichtlich nach der Bundestagswahl soll sich ein WestLB-Untersuchungsausschuss mit dem Niedergang der Bank befassen. Die Landesbank wurde vor einem Jahr zerschlagen, das Nachfolgeunternehmen heißt Portigon.

Mit im Fokus steht dabei auch der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der von 1998 bis 2002 Finanzminister in NRW und zugleich Aufsichtsrat der WestLB und Mitglied im Präsidialausschuss war.