Das Suchtpotenzial des Heroins ist bei der oralen Einnahme in der Tat gering. Als jedoch Konsumenten in den USA auf die Idee kommen, sich den Stoff zu spritzen, steigt die Zahl der Abhängigen stark an. Bayer betreibt jahrelang erfolgreich Lobbyarbeit gegen Verbote. 1931 streicht das Unternehmen Heroin aus dem Katalog. In Deutschland wird es erst 1971 verboten.

Umstritten ist Firmenchef Duisberg. Auch wenn die Konzernwebsite ihn für seine sozialen Leistungen feiert: Duisberg will auch am Ersten Weltkrieg verdienen. Er wirbt vehement für den Einsatz von Phosgen. Begründung: "Dieses Chlorkohlenoxyd ist das gemeinste Zeug, das ich kenne." Auch für die Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland setzt er sich erfolgreich ein.

Für Bayer beginnen unruhige Jahre. Der Konzern produziert Giftgase und Sprengstoffe, verliert durch den Krieg aber seine Exportmärkte. Das Firmenvermögen in den USA wird beschlagnahmt, die sowjetischen Revolutionäre enteignen die russische Tochterfirma, die Inflation frisst die Rücklagen auf. Trotzdem kann noch während des Krieges ein drittes deutsches Werk in Dormagen den Betrieb aufnehmen.

1925 gründet sich die I.G. Farben

Schon seit 1904 wirbt Duisberg für den Zusammenschluss der wichtigsten Chemiefirmen zu einer Art Trust nach US-Vorbild. 1925 ist es soweit: BASF, Agfa, Hoechst, Bayer und weitere Firmen fusionieren zur Interessengemeinschaft Farbenindustrie. Sie geht enge Verbindungen mit dem NS-Regime ein. Tausende Zwangsarbeiter schuften in den Fabriken, darunter einer Niederlassung in Auschwitz. Die I. G. Farben produziert auch das für den Massenmord an den Juden eingesetzte Giftgas Zyklon B. Duisberg ist ihr Aufsichtsratschef. Er stirbt 1935.

Nach dem Krieg wird die I. G. Farben zerschlagen, seit 1951 ist Bayer wieder eigenständig. Nicht jedes Produkt aus der "Apotheke der Welt" ist ein Erfolg: Den Blutfett-Senker Lipobay muss Bayer 2001 vom Markt nehmen, nachdem er mit zahlreichen Todesfällen in Zusammenhang gebracht wird. Für Vergleiche vor Gericht zahlt der Konzern mehr als eine Milliarde US-Dollar.

Heute beschäftigt Bayer weltweit rund 110.000 Menschen und gehört mit fast 40 Milliarden Euro Umsatz zu den größten deutschen Industriekonzernen. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) lobt zum Jubiläum das "Unternehmen, das wie kaum ein anderes für ein besseres Leben und eine bessere Gesundheit von Millionen Menschen arbeitet." Wer lässt sich von dunklen Stellen in der Geschichte schon gern die Feierlaune verderben.