PersonalmangelAufsichtsbehörde weist Mitschuld am Mainzer Chaos zurück

Für den Chef des Eisenbahnbundesamts ist allein die Bahn für ihre Personalprobleme verantwortlich. Im ZEIT-Interview räumt er indes ein, von Mängeln gewusst zu haben.

Die Lage am Mainzer Hauptbahn hat sich – rechtzeitig zu Schulbeginn in Rheinland-Pfalz – ein Stück weit normalisiert, die Debatte über die Ursachen allerdings dauert noch an. So wird sich der Verkehrsausschuss des Bundestags Anfang September mit den Personalproblemen beim Bahn-Konzern beschäftigen. Sicherlich wird auch das Eisenbahnbundesamt zu Wort kommen. Dessen Präsident hat in einem Interview mit der ZEIT klar gestellt: Seine Behörde hätte das "Desaster in Mainz" nicht verhindern können.

"Personalmanagement ist eine ureigene unternehmerische Aufgabe", sagte Gerald Hörster der ZEIT. "Da können wir als Aufsichtsbehörde nicht eingreifen."

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Zugleich räumte der oberste Eisenbahnkontrolleur ein, dass sein Amt sehr wohl von Personalengpässen bei Fahrdienstleitern der Bahn gewusst habe. "Details", so Hörster in dem Interview weiter, "sind meiner Behörde aber nicht bekannt gewesen". 

Inzwischen ist laut Hörster eine Aufforderung an die Bahn ergangen, "den ordnungsgemäßen Zustand am Mainzer Bahnhof umgehend wiederherzustellen, also so schnell wie möglich zum Normalbetrieb zurückzukehren. Geschehe das nicht, so Hörster, "können wir ein Zwangsgeld verhängen".

Schwierige Kommunikation

Seit zwei Wochen fallen am Mainzer Hauptbahnhof Züge aus oder müssen umgeleitet werden. Grund ist Personalmangel im dortigen Stellwerk. Dies hatte zu einer bundesweiten Debatte über Engpässe bei der Deutschen Bahn geführt. Grundsätzliche Kritik äußerte Oberbürgermeister Michael Ebling. "Die Kommunikation der Bahn nach außen, auch mit den Kommunen, muss deutlich besser werden", sagte der SPD-Politiker am Dienstag.

Die unzureichende Informationspolitik monierte auch der Fahrgastverband Pro Bahn. So habe es etwa am Bahnhof Worms während des Debakels keine Aushänge zu Änderungen gegeben, Mitarbeiter seien nicht im Bilde gewesen. "Wir sind als Fahrgastverband empört über die Zustände", sagte der rheinland-pfälzische Landesvorsitzende Sebastian Knopf. Der Verband vermutet ähnliche Zustände in anderen Bahnhöfen, nannte aber keine weiteren Fälle.

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Leserkommentare
  1. Nicht unterrichtet gewesen sein
    nichts gewusst haben
    nicht zuständig sein

    Eine Leserempfehlung
  2. Eine Behöde ist nie schuld. Eine Behörde kann nichts machen.

    Wenn eine Behörde nciht will, geht auch nichts. Fragt sich nur wozu wir ein Eisenbahn Bundesamt überhaupt brauchen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, kg
  • Schlagworte Bahnhof | Behörde | Debatte | Kommunikation | Oberbürgermeister | Präsident
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