Mit einem Versprechen versucht die Deutsche Bahn derzeit, neue Mitarbeiter zu locken: "Hundert Prozent Action ab dem ersten Tag". Seit ein paar Monaten ist das neue Karriereportal online. 1.840 Stellen sind demnach allein heute verfügbar. TV-Spots wurden geschaltet, in denen sich die Bahn als idealer Arbeitgeber präsentiert. Nicht ohne Grund: Die Deutsche Bahn hat ein Personalproblem. Nachwuchsmangel und Überalterung des Personals machen dem Unternehmen zu schaffen. So stark, dass es auch die Kunden zu spüren bekommen.

So lässt die Bahn etwa bis Sonntag am Mainzer Hauptbahnhof zahlreiche Regional- und Fernzüge in den Abend- und Nachtstunden nicht mehr halten – weil sie ihr Stellwerk in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt nicht mehr voll besetzen kann.

Ein Sprecher der Deutschen Bahn begründet die gestrichenen Stopps in Mainz mit einem "unvorhersehbar hohen Krankenstand während der Urlaubszeit". Der Fahrgastverband Pro Bahn wirft der Deutschen Bahn jedoch schlechte Personalplanung vor. "Das ist ein Armutszeugnis für einen so großen Konzern", sagte Sprecher Winfried Karg. Das Unternehmen habe jahrelang an falscher Stelle gespart.

Laut einem Sprecher der Bundesnetzagentur sind die Klagen über Personalmangel in den Stellwerken und Zugausfälle seit Längerem bekannt. Eine Untersuchung sei bereits eingeleitet worden.

Dabei will die Deutsche Bahn doch bis 2020 "zu den zehn Top-Arbeitgebern Deutschlands gehören", schreibt das Unternehmen auf der Homepage. "Tausende von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern" sollen in den kommenden Jahren gewonnen werden. Wie wichtig die Rekrutierung ist, zeigen die Zahlen der Bahn-Tochter DB Netz: In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden dort rund 18.000 Mitarbeiter altersbedingt ausscheiden. Da bei DB Netz in den vergangenen Jahren auf Neueinstellungen verzichtet wurde und das Personal besonders stark verringert wurde, werden die Lücken nicht in absehbarer Zeit zu schließen sein.

Dass die Bahn ein Problem mit Überalterung der Belegschaft mit einem Durchschnittsalter von 46 Jahren hat, hat das Unternehmen bereits eingeräumt. Momentan werden neue Mitarbeiter auch unter Exmitarbeiterinnen der früheren Drogeriekette Schlecker oder ehemaligen Bundeswehr-Angehörigen gesucht. Damit es schneller geht mit den neuen Kollegen, werden neue Fahrdienstleiter auch in Schnellkursen ausgebildet.

Kommt die Initiative der Bahn zu spät? Alexander Kirchner, Chef der Gewerkschaft EVG, wirft dem Unternehmen vor, viel zu lange aus Kostengründen das Problem ignoriert zu haben. Ausfälle wegen Krankheit wie in Mainz seien absehbar gewesen. Hinzu komme, dass bei den Mitarbeitern rund eine Million Überstunden aufgelaufen sein sollen.