FinanzkriseJ.P. Morgan droht Milliardenstrafe wegen Hypothekengeschäften

Vor der Finanzkrise bündelte J.P. Morgan riskante Kredite in Wertpapieren und verkaufte sie. Investoren erlitten Milliardenverluste. Jetzt klagt die Aufsichtsbehörde.

Joseph Keller (L.) und seine Frau Jennifer stehen in ihrem zwangsversteigerten Haus in Columbus, Ohio. Die Kellers verloren ihr Haus nach dem Kollaps des amerikanischen Wohungsmarktes. (Archiv)

Joseph Keller (L.) und seine Frau Jennifer stehen in ihrem zwangsversteigerten Haus in Columbus, Ohio. Die Kellers verloren ihr Haus nach dem Kollaps des amerikanischen Wohungsmarktes. (Archiv)  |  © Jay LaPrete/Reuters

Die für den US-amerikanischen Wohnungsmarkt zuständige Behörde FHFA fordert von der Großbank J.P. Morgan sechs Milliarden Dollar wegen umstrittener Hypothekengeschäfte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider meldet, fordert die Behörde damit deutlich weniger als noch vor zwei Jahren. Damals hatte die FHFA die Bank auf 33 Milliarden Dollar Schadensersatz verklagt. 

J.P. Morgan will Insidern zufolge die Strafe trotzdem nicht zahlen und eine weitere Reduzierung der Summe erwirken.

Anzeige

Hintergrund der Klage sind die Geschäfte von amerikanischen Großbanken, darunter auch J.P. Morgan, auf dem Wohnungsmarkt vor der Finanzkrise. Die Banken gewährten damals einkommensschwachen Familien Kredite im großen Stil. Diese Kredite waren mit einem hohen Ausfallrisiko für die Banken behaftet. Um dieses Risiko zu minimieren und die eigene Bilanz zu verbessern, bündelten die Institute die Hypotheken in Wertpapieren und verkauften sie weiter.

Als viele Kreditnehmer ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten und der Markt dadurch kollabierte, wurden auch die Wertpapiere nahezu wertlos. Die Käufer, darunter auch deutsche Großbanken, erlitten Milliardenverluste. 

Investoren wollen ihr Geld zurück

Ein Teil der Investoren versucht nun, sich das Geld zurückzuholen. Die FHFA gehört dazu und hat neben J.P. Morgan noch gegen 16 weitere Banken wegen derartiger Geschäfte Klage eingereicht.  

Die Behörde wirft den Finanzinstituten vor, beim Verkauf der Wertpapiere über deren mindere Qualität hinweggetäuscht zu haben. Der Klageschrift zufolge geht es um einen Schaden von fast 200 Milliarden Dollar.

Die Schweizer Bank UBS hatte sich im Juli bereits mit der Behörde geeinigt und 885 Millionen Dollar gezahlt.

J.P. Morgan hat sich von der Finanzkrise inzwischen wieder erholt. Allein 2012 verdiente die Bank netto mehr als 21 Milliarden Dollar – ein Rekordgewinn. Aber die vielen Affären kratzen am Image der einst erfolgreichen Bank. In den vergangenen zwei Jahren musste Vorstandschef Jamie Dimon jeweils fünf Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten aufbringen. Zuletzt hatte es Vorwürfe der Vetternwirtschaft in China gegeben, denen die US-Börsenaufsicht SEC nachgeht.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Georg34
    • 28. August 2013 15:11 Uhr

    "Die Behörde wirft den Finanzinstituten vor,
    beim Verkauf der Wertpapiere über deren
    mindere Qualität hinweggetäuscht zu haben."

    Solange die G20-Staaten nichts gegen solche
    kriminelle Machenschaften unternehmen wollen
    wird es bald ein böses Erwachen geben:
    Beim nächsten Crash fliegt uns die gesamte
    Finanzwelt um die Ohren und das wird wirklich weh
    tun.. Heute gilt mehr denn je das Zitat von
    Berthold Brecht! Der einfachste Weg eine Bank
    auszurauben: Gründe eine Bank

    • Gerry10
    • 09. September 2013 13:37 Uhr

    ...mit anderen Worten Strafen für Banken sind freiwillig?
    Kann ich wählen meine Steuern zu bezahlen oder nicht?
    Tja, ich bin dann wohl nicht systemrelevant....

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle Reuters, fz
  • Schlagworte JPMorgan Chase | Finanzkrise | Kredit | Schadensersatz | Wertpapierhandel | China
Service