"Wir sind in über vierzig Ländern der Welt vertreten", wirbt der Industriedienstleister Ferrostaal auf seiner Website. "Finden sie einen Ansprechpartner in Ihrer Region." Der Slogan scheint dem Management von Rheinmetall gefallen zu haben. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf sucht nach neuen Partnern überall auf der Welt. Mit Ferrostaal hat Rheinmetall nun einen Partner für "weitere Internationalisierungsschritte" gefunden.

Kampfpanzer für Katar, Schützenpanzer für Indonesien, Transportpanzer für Saudi-Arabien und Algerien. Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Kunden außerhalb der Europäischen Union und der Nato gefunden. Dennoch machen die Zahlen der Rüstungssparte der Konzernspitze zuletzt wenig Freude.

Das Unternehmen, das als Waffenproduzent und als Automobilzulieferer erfolgreich ist, erschließt sich deshalb ein neues Geschäftsfeld: Der Konzern kündigte an, mit dem Industriedienstleister Ferrostaal das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall International Engineering zu gründen. "Das Joint Venture trägt dem weltweit stark wachsenden Bedarf an lokaler Infrastruktur für Wehrtechnik Rechnung", heißt es in einer Erklärung. Zudem bringt Ferrostaal sein Öl- und Gasgeschäft in die Kooperation ein. Öl und Waffen passen gut zusammen, finden beide Partner: Denn die Märkte sind identisch.

Der Umweg über Rohstoffe

Ferrostaal hat weltweit 4.300 Mitarbeiter und macht als Generalunternehmer auch in Regionen Geschäfte, die anderen deutschen Konzernen zu riskant sind oder waren: Libyen unter dem Machthaber Gaddafi, Myanmar unter der Militärdiktatur, Venezuela unter Chávez, der auf Verstaatlichung  setzte, oder Weißrussland unter dem Lukaschenko-Regime.

Für Rheinmetall sind aber vor allem die Standorte in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die guten Kontakte von Ferrostaal in den Nahen Osten und den Maghreb interessant. Ferrostaal hilft seinen Kunden beim Erschließen von Öl- und Gasfeldern und bei der Veredelung der fossilen Energieträger. Zuletzt erhielt das Unternehmen Aufträge von einem staatlichen Energiekonzern aus Turkmenistan, einem Ölkonzern aus Usbekistan und einem Unternehmen aus Oman für eine Methanolanlage.

Rohstoffreiche Staaten gehören zu den wichtigsten Kunden deutscher Rüstungskonzerne. Zuletzt kamen große Aufträge aus Saudi-Arabien, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Im vergangenen Jahr genehmigte die Bundesregierung Rüstungsausfuhren für mehr als 1,2 Milliarden an das Königshaus in Riad, für rund 125 Millionen Euro an die Emirate und für rund 288 Millionen Euro an das Regime in Algier.