PersonalmangelBahn will Hunderte neue Fahrdienstleiter einstellen

Bahnchef Grube will Lehren aus dem Stellwerk-Chaos in Mainz ziehen und mehr Fahrdienstleiter beschäftigen. Vom Bund forderte er 1,2 Milliarden Euro für die Infrastruktur.

Ein Chaos wie zuletzt am Mainzer Hauptbahnhof soll es nicht wieder geben: Bahnchef Rüdiger Grube will noch in diesem Jahr Hunderte neue Fahrdienstleiter einstellen. "Wir werden deutlich mehr Fahrdienstleiter ausbilden und einstellen. Wir wollen bis Jahresende insgesamt über 600 zusätzlich qualifizieren", sagte Grube dem Nachrichtenmagazin Focus.


Momentan beschäftige die Deutsche Bahn 12.500 Fahrdienstleiter, in einer Fünfjahresplanung seien weitere 1.500 Stellen vorgesehen. Anfang August war es aufgrund Personalmangels in Mainz massenweise zu Zugausfällen gekommen. Regionalzüge fuhren nur noch halb so oft, zeitweise war der Bahnhof komplett vom Fernverkehr abgeschnitten. Von diesem Montag an soll der Fahrplan wieder normal aufgenommen werden.

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Im Interview mit dem Focus kündigte Grube auch an, vom Bund zusätzliche 1,2 Milliarden Euro pro Jahr zu fordern. "Wir brauchen mehr Geld für Tunnel und Brücken", sagte der Bahnchef. Von 34.000 Kilometern Schiene stammten mehr als die Hälfte noch aus dem 19. Jahrhundert und Tausende Brücken müssten dringend saniert werden.

Zudem forderte Grube die Bundesregierung auf, die Bahn von der Ökostrom-Umlage zu befreien. "Wir beziehen über 75 Prozent des Stroms im Fernverkehr aus Öko-Energien", sagte er. "Der Bund sollte uns als Vorreiter bei der Nutzung von Ökostrom aber eher belohnen als bestrafen."

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Leserkommentare
  1. was würde er brauchen ohne Stuttgart21

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  2. Tja jetzt wird wohl erkannt wo man investieren sollte.
    In den Service, das tut der der Wirtschaft genauso gut, und gibt Leuten eine sicheren Arbeitsplatz.

    Wieso nicht gleich so... aber naja seit ein Unternehmen an der Börse ist wissen wir es ja, da geht es dann nur noch um Gewinnmaximierung statt um guten Service Qualität und das schafft auch neue Infrastrukturen.

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    "...seit ein Unternehmen an der Börse ist wissen wir es ja, da geht es dann nur noch um Gewinnmaximierung statt um guten Service Qualität und das schafft auch neue Infrastrukturen."

    An der Börse ist die Bahn noch nicht, allerdings die Ausrichtung auf einen zukünftigen Börsengang führt zu einer Geschäftspolitik, mit genau diesen Folgen.

    Grube ist kein Mann aus der Schienenbereich, sondern hatte Erfahrung im Börsengang vom DaimlerChrysler gesammelt. Es war die Politik, die den Börsengangspiloten von einem Automobilhersteller holte, in der Hoffnung, Mehdorns geplanten Börsengang fortzusetzen, und dass irgendwann in der Vertragslaufzeit Grubes sich das Börsenklima dazu verbessern würde.

  3. Das klingt jetzt so, als würde die Bahn neue Leute einstellen, um sie zu Fahrdienstleitern zu machen. Das Gegenteil ist der Fall: die Bahn baut Personal ab und die Fahrdienstleiter werden jetzt aus den eigenen Reihen rekrutiert, also aus dem immer kleiner werdenden Stamm derer, die die eigentlichen Eisenbahner sind.

    Neueinstellungen gibt es zwar auch, aber die möchten bitte mit Diplom und studierter Fachrichtung daherkommen und keine Ahnung vom Fahrgeschäft haben. Kompetenz wird mehr und mehr durch Management ersetzt - das Ergebnis ist bekannt. Nicht nur bei der Deutschen Bahn.

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    • Klüger
    • 29. Oktober 2013 14:15 Uhr

    Das gute alte deutsche Diplom ist doch schon abgeschafft, im Zuge der Bologna-Reform - oder nicht?

  4. habe gestern erst wieder einen erst pünktlichen ICE erlebt, der aus dem Nichts 30 min Verspätung ansammelte, weil unterwegs stufenweise die Elektrik ausfiel ...

    Den großspurigen Traum der Bahn von der Hochgeschwindigkeit sehe ich ohnehin gefloppt, auf vielen Strecken gibt es in der Fahrzeit keinerlei Unterschied zwischen ICE und IC. Ein zuverlässiges Konzept von Schnell- und Regionalzügen unter 200km/h, bei dem die Anschlüsse auch funktionieren, wäre m. E. vernünftiger.

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    Es gibt schon einen Unterschied: Den Fahrpreis, deshalb fahren auf vielen Strecken kaum noch ICs, die Kunden sollen für's Gleiche mehr zahlen...

  5. >>"Wir werden deutlich mehr Fahrdienstleiter ausbilden und einstellen. Wir wollen bis Jahresende insgesamt über 600 zusätzlich qualifizieren"<<

    Was denn nun? Neu einstellen oder zusätzlich qualifizieren sind zwei unterschiedliche Dinge.

    >>"Wir brauchen mehr Geld für Tunnel und Brücken", sagte der Bahnchef. Von 34.000 Kilometern Schiene stammten mehr als die Hälfte noch aus dem 19. Jahrhundert und Tausende Brücken müssten dringend saniert werden.<<

    Das stimmt, Herr Grube. Das ist allerdings nicht erst seit gestern so. Aber man verbuddelt ja lieber diverse Milliarden in Stuttgart, damit irgendwelche Menschen schneller zwischen Paris und Budapest sind - falls der Zug keine Verspätung hat.
    Oder baut in Top-Züge Klimaanlagen, die genau dann schlapp machen, wenn es richtig warm wird. Auch Investitionen und sinnvolle Investitionen sind zwei unterschiedliche Dinge.

    >>"Der Bund sollte uns als Vorreiter bei der Nutzung von Ökostrom aber eher belohnen als bestrafen."<<

    Generell auch richtig, so sollte es allgemein sein bei vernünftiger Politik.
    Aber Politik und Vernunft sind auch zwei unterschiedliche Dinge.

    Allerdings frage ich mich, was die Bahn denn bitte pro kW/h bezahlt, Herr Grube?
    Doch sicherlich nicht den Preis eines deutschen Durschnittshaushalts?
    Und steigen nicht seit Jahren im Herbst immer die Ticketpreise "wegen der Energiekosten"?
    Dann ist doch alles abgedeckt, oder etwa nicht?

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  6. 6. Dreist

    Es ist schon ziemlich dreist, wenn der Leiter eines Unternehmens, das jährlich 500 Millionen Euro Gewinn macht, sich mit Geldmangel zu entschuldigen versucht. Die Bahn erhält schon jetzt jedes Jahr 2,5 Milliarden Euro für den Unterhalt der Infrastruktur. Doch dieses Geld wird nur zum Teil für diesen Zweck eingesetzt, teilweise sogar als "Gewinn" an den Geldgeber zurücküberwiesen.

    Wäre Herr Grube aufrichtig, würde er nicht über Geldmangel, sondern über die Verpflichtung zum Bau so unnützer und überteuerter Projekte wie Stuttgart 21 klagen. Würde S-21 eingestellt, wären seine 1,2 Mrd. schon für 2 bis 3 Jahre bezahlt.

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  7. es ist unglaublich dreist wie Herr Grube & Co erst die Infrastruktur systematisch verwahrlosen lassen und überall sparen wo es geht und nun, wenn sich die mangelnde Wartung, das fehlende Personal, die fehlenden Züge bemerkbar machen, die Hand hinhält und mehr Geld fordert.

    Ich fordere mehr Verwantwortung, mehr Bahn für den Kunden statt Bahn für den Gewinn

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  8. aufschlussreicher Text was demnächst auf Stuttgart zukommt. Da ist Mainz nichts dagegen (leider)

    "Stuttgarts S-Bahn ist aus dem Takt geraten. Experten warnen vor noch chaotischeren Zuständen, wenn 2014 die Bahn beginnt, den Trog für den Tiefbahnhof Stuttgart 21 auszuheben: Tausende Pendler müssen sich dann in Stuttgarts größter S-Bahn-Station durch zu enge Treppenhäuser zwängen, die leicht zu Todesfallen werden können. [...]

    [...] "Wie die Bahn die täglichen Pendlermassen während der Bauzeit von Stuttgart 21 jahrelang sicher vom Zug zur S-Bahn bringen will, bleibt weiter ein Geheimnis. Eine Kontext-Anfrage ließ das S-21-Kommunikationsbüro bis Redaktionsschluss unbeantwortet"

    http://www.kontextwochenzeitung.de/macht-markt/126/todesfalle-s-bahnhof-...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, lab
  • Schlagworte Bahn | Bundesregierung | Deutsche Bahn | Brücke | Chaos | Fernverkehr
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