Blackberry-Produkte in einer Einkaufspassage in Jakarta (Indonesien) ©Mast Irham/dpa

"Sie befinden sich in einer sehr, sehr schwierigen Situation." Was ein amerikanischer Analyst am Freitag über den Absturz von Blackberry sagte, findet nirgendwo Widerspruch – zumeist wird sogar noch schwärzer gemalt. Das ums Überleben kämpfende kanadische Unternehmen schockierte Investoren zum Wochenende mit einer Gewinnwarnung und der Ankündigung von Massenentlassungen. Jeder dritte Mitarbeiter muss gehen.

Der von dem Deutschen Thorsten Heins geführte Smartphone-Pionier erwirtschaftete im abgelaufenen Vierteljahr einen Milliardenverlust und machte nur etwa halb so viel Umsatz wie erwartet. Nach dem Stellenabbau sollen rund 7.000 Mitarbeiter übrigbleiben. Heins will bis zum kommenden Frühjahr die operativen Kosten halbieren. Er hatte bereits im vergangenen Jahr 5.000 Jobs eingespart.

Die Blackberry-Aktien verloren an der Börse von Toronto 16 Prozent ihres Wertes. "Das ist der Anfang vom Ende", sagte der Analyst Neeraj Monga von Veritas Investment Research angesichts der schwindenden Bargeldbestände des Konzerns.    

Sein Hauptproblem: Er hat längst den Anschluss an die Rivalen Apple und Samsung verloren. Dem Konzern droht ein ähnliches Schicksal wie Nokia. Die Finnen haben ihre strauchelnde Handysparte soeben an Microsoft verkauft. Im August hatte Blackberry angekündigt, alle Alternativen durchzuspielen, darunter auch einen Verkauf. Doch der katastrophale Geschäftsverlauf dürfte den Konzern für Interessenten alles andere als schmackhaft machen. Gleichzeitig erhöht er den Druck, bald einen Käufer zu finden.

Neuer Fokus auf Geschäftsleute

"Das ist das Ende von Blackberry, wie wir es kennen", sagt auch Colin Gillis vom Finanzdienstleister BGC in New York. Er sieht in den Plänen der Blackberry-Führung einen "großen Schwenk": "Sie  bauen die halbe Belegschaft ab und wollen ein Nischenplayer werden und sich auf Unternehmen konzentrieren." Das heißt, Blackberry will den Fokus auf Geschäftsleute richten, die zur treuesten Kundschaft gezählt werden. Das Unternehmen plant, nur noch zwei hochwertige Geräte sowie zwei Einstiegsmodelle für das Business-Segment anzubieten.

Blackberry fuhr im zweiten Geschäftsquartal bis Ende August nach vorläufiger Schätzung einen Betriebsverlust von 950 bis 995 Millionen Dollar ein. Als Grund nannte der Konzern unter anderem Abschreibungen, weil sich das seit Jahresanfang verfügbare Z10-Smartphone schlecht verkauft und die Vorräte immens sind. Das Gerät hat zwar gute Kritiken bekommen, ist aber trotzdem zum Ladenhüter geworden. "Was soll man erwarten, wenn man sich selbst zum Verkauf stellt?", fragt Colin Gillis von BGC Partners. "Wer will sich schon auf eine Handy-Plattform einlassen, die möglicherweise bald dicht gemacht wird?"

Eigentlich wollte Blackberry erst Ende nächster Woche über den Geschäftsverlauf Auskunft geben. Der Konzern kündigte nun aber schon an, 4.500 Mitarbeiter zu entlassen. Im März waren bei Blackberry noch 12.700 Menschen beschäftigt, in der Hochphase waren es sogar 20.000.

Zerschlagung wird wahrscheinlicher

"Die Firma hat eine Menge Probleme", sagt Brian Modoff von der Deutschen Bank. "Verbraucher-Elektronik ist ein brutales Geschäft. Wenn man zurückfällt, ist das Aufholen sehr schwierig." Das meint auch James Faucette von Pacific Crest Securities: "Blackberry hat für die meisten Käufer wohl nur einen begrenzten Wert. Ich glaube nicht, dass ihr Sanierungsplan aufgeht – aber ich glaube auch nicht, dass es irgendjemand anders viel besser machen könnte."

Analysten zufolge werden eine Zerschlagung und ein anschließender Verkauf von Unternehmensteilen immer wahrscheinlicher. Ein möglicher Interessent sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gewinnwarnung werde den Prozess beschleunigen, mache einen Kauf aber auch riskanter. Die Zahlen dürften viele potenzielle Bieter abschrecken: "Es ist wie ein schmelzender Eiswürfel."