Der Buchhändler Weltbild-Verlag hat einen Insolvenz-Antrag gestellt. Vertreter der katholischen Kirche, der das Unternehmen gehört, konnten sich nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Verlages verständigen. Der Insolvenz-Antrag von Deutschlands zweitgrößtem Buchhändler ging nach Angaben des Unternehmens beim Amtsgericht in Augsburg ein.

Ein Grund für die missliche finanzielle Lage sei, dass der Umsatz zwischen Juli und Dezember trotz des über Erwarten guten Weihnachtsgeschäfts zurückgegangen sei, teilte Weltbild mit. "Das auch für die nächsten drei Jahre erwartete geringere Umsatzniveau verdoppelt den Finanzierungsbedarf bis zur Sanierung", hieß es weiter.

Der Verlag hat seit Jahren Probleme damit, sein Geschäftsmodell stärker auf einen Vertrieb über das Internet auszurichten. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen mit seinen etwa 6.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro.

Der Augsburger Verlag betreibt etwa 300 Geschäfte unter eigenem Namen in Einkaufsstraßen, von denen viele keine Gewinne mehr erwirtschaften. Das Unternehmen fungiert außerdem als Versandhaus, bei dem Kunden per Katalog bestellen können. Die Kosten für diesen Vertriebsweg konnten allerdings in den vergangenen Jahren durch die Erlöse kaum mehr ausgeglichen werden.

Stadt Augsburg will Mitarbeitern helfen

Die Gewerkschaft ver.di griff den Insolvenz-Antrag scharf an. "Jahrelang fette Gewinne abschöpfen und sich so die Prunkbauten mitfinanzieren lassen und dann, wenn die Belegschaft Hilfe braucht, zugesagte Gelder wieder streichen. Widerlicher geht es eigentlich nicht", sagte der zuständige ver.di-Sekretär in Augsburg, Thomas Gürlebeck. Die Kirche praktiziere Kapitalismus in Reinkultur. Ver.di werde sich diese Politik nicht bieten lassen.

Die Stadt Augsburg teilte mit, schon an diesem Samstag trete ein Gremium zusammen, das Hilfsmöglichkeiten für die Mitarbeiter ausloten solle. Eingeladen seien Vertreter der Wirtschaftskammern, der Gewerkschaft ver.di, des Betriebsrats und der Geschäftsleitung von Weltbild. Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) führe außerdem Gespräche mit dem Bayerischen Wirtschaftsministerium und den Weltbild-Gesellschaftern, allen voran der Diözese Augsburg.

Weltbild machte in der Vergangenheit Schlagzeilen wegen des Vertriebs von Erotik- und Esoterik-Medien, weswegen die katholische Kirche 2011 zunächst beschlossen hatte, den Verlag abzustoßen. Dieser Beschluss wurde rückgängig gemacht. Stattdessen kündigte die Kirche an, die Verlagsgruppe in eine Stiftung umzuwandeln. Dies erfolgte jedoch bisher nicht. Im Oktober erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, es müsse bald zu einer stabilen Lösung für den Verlag kommen.