Wer dieser Tage bei Aldi ins Wurstregal blickt, sieht rot. Ein roter Strich klebt auf der 200-Gramm-Packung Schwarzwälder Schinken "Nach altem Hausrezept", die 1,89 Euro statt 1,99 Euro kostet. Er klebt auch auf dem Schweine-/Kasselerbraten "Spitzenqualität", der jetzt für 1,29 Euro statt für 1,39 Euro zu haben ist. Und auf dem Frühstücksbacon "vom Stück geschnitten", reduziert von 99 auf 89 Cent.     

Seit Januar hat Aldi die Preise für Eier, Instant-Kaffee, Frühstücks-Cerealien, Wein, Fisch und Butter gesenkt. Vergangene Woche senkte der Discounter bereits einmal die Fleisch- und Wurstpreise. Nun werden diese Waren nochmals um 2,5 bis 10 Prozent billiger, vermutlich dauerhaft. Deutschlands größter Discounter setzt damit die Konkurrenz unter Druck – Norma hat die Preise auch gleich gesenkt. Er facht aber auch die Diskussion darüber, was Fleisch kosten darf und soll, erneut an. 

Eine "Schweinerei" nennt Schleswig-Holsteins grüner Agrarminister Robert Habeck den Dumpingwettbewerb. "Lockangebote, die den Bauern die Daumenschrauben anlegen und sie zwingen, Masse statt Klasse zu produzieren, zerstören alles, was politisch sinnvoll ist." Er forderte die Verbraucher auf, diese Waren zu "verschmähen".   

Schnäppchen schmecken am besten 

Aldi begründet die Preissenkungen hingegen mit den gesunkenen Einkaufspreisen. Die gebe man an die Kunden weiter – ohne Abstriche bei der Qualität oder der Tierhaltung. Tierschützer sehen das anders. Bei derart gedrückten Preisen bleibe den Landwirten kein Geld, um in den Tierschutz zu investieren, beklagte etwa der Deutsche Tierschutzbund

Und der Präsident des schleswig-holsteinischen Bauernverbandes macht deutlich, dass die Fleischproduzenten keinesfalls freiwillig die Preise senken. "Wir fragen uns jetzt schon, was macht der Lebensmitteleinzelhandel da", sagte Werner Schwarz. Der Wettbewerb werde durch die niedrigen Preise immer härter.

Kampf der Giganten   

Aldi seinerseits fühlt sich von Konkurrenten wie Lidl und Rewe herausgefordert. Die hatten in den vergangenen Monaten immer wieder mit Sonderangeboten die eigenen Preise unterboten. Der Marktführer fürchtet um seine Vormachtstellung im Billig-Segment.    

Nur werden die seinem Rat wohl nicht folgen. Die meisten Kunden schauten nur auf den Preis, sagt der Food-Blogger Thorsten Lange. "Den deutschen Verbrauchern schmeckt es am besten, wenn sie ein Schnäppchen gemacht haben." Es sei absurd, wie billig Fleischwaren geworden seien: "Das kann nur Massentierhaltung und schlechte Qualität fördern. Als normaler Mensch muss man da ein schlechtes Gewissen bekommen."

Tierschützer und Bauernverbände bekamen in ihrer Kritik an Aldi diesmal ungewohnte Zustimmung: von Lidl. Der Konzern prangert die Preissenkungen seines Konkurrenten als unmoralisch an. Etwas umständlich heißt es in einer Erklärung, man würde es begrüßen "wenn es trotz des harten Wettbewerbs in Deutschland gelänge, ein Preisniveau im Frischfleisch-Sektor zu finden, das die richtigen und wichtigen Anstrengungen für mehr Tierwohl unterstützt". 

Lidl selbst nimmt sich aber von dem Wettbewerb nicht aus und bietet sein Fleisch nun ebenfalls billiger an – wegen der "preissensiblen Kunden".