Der Vorstandschef des Siemens-Konzerns, Joe Kaeser, hat sein Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verteidigt. Der Besuch vom Mittwoch sei "schon sehr lange geplant" gewesen, sagte Kaeser im ZDF. Der Konzern solle sich "von kurzfristigen Turbulenzen in unserer langfristigen Planung auch nicht übermäßig leiten lassen". Kaeser ergänzte, das Kanzleramt sei vorab informiert gewesen. Dort habe keiner Einwände erhoben.

Nach Einwänden befragt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, dass sie derzeit nichts dagegen habe, wenn deutsche Firmen Kontakte in Russland pflegten.

Kaeser hatte den russischen Präsidenten in dessen Residenz nahe Moskau getroffen. Danach hatte der Siemens-Chef vor Journalisten von einer "vertrauensvollen Beziehung" zu russischen Unternehmen gesprochen und darauf verwiesen, dass sein Unternehmen seit 160 Jahren in Russland tätig sei.

Gemeinsame Weltraummission

Das Unternehmen kooperiert etwa mit der russischen Eisenbahn. Deren Chef Wladimir Yakunin steht auf der Sanktionsliste der USA, seitdem Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte. 

Im ZDF sagte Kaeser, es sei "gut, wenn man im Dialog bleibt und dann auch die Dinge, die einem im Weg stehen, miteinander bespricht und nach Lösungen sucht". Die Kritik an dem Treffen wies er auch mit dem Hinweis auf eine gemeinsame Weltraummission von Russen und Amerikanern zurück. Für Siemens gehe es "weniger um Kalkül und schon gar nicht um Populismus, sondern darum, dass wir langfristige Beziehungen auch honorieren."

Industrieverband verlangt Verlässlichkeit für Investitionen

Die USA und die EU hatten auf das russische Eingreifen auf der ukrainischen Halbinsel mit Sanktionen reagiert – etwa Konten von bestimmten Personen gesperrt. Bis auf ein Embargo gegen Produkte von der Halbinsel Krim sind laut der Bundesregierung derzeit noch keine harten Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt.

Merkel sagte, sie hoffe, dass sich dies vermeiden lasse. Sollte Russland internationale Verträge brechen, sei man aber zu harten Sanktionen bereit. Dies sei eine wichtige Botschaft. Die Europäische Union und die USA würden dabei geschlossen agieren.

Merkel schilderte auch Details aus ihrem Treffen mit dem Industrieverbandspräsidenten Ulrich Grillo am Mittwoch. Er habe versichert, "dass die Werteordnung einen hohen Stellenwert auch für die Wirtschaft hat", sagte Merkel. Denn Investitionen beruhten auf Verlässlichkeit. "Und Verlässlichkeit kann es nur geben, wenn man sich an Verträge und internationale Abkommen hält."