Gerade hat Google wieder zugeschlagen. Das jüngste Opfer: Titan Aerospace, ein Drohnenhersteller aus New Mexico, an dem auch Facebook Interesse gehabt haben soll. An Drohnen scheint Google bei der Übernahme aber gar nicht zu denken. Atmosphärische Satelliten könnten Millionen von Menschen Zugang zum Internet bringen und dabei helfen, Probleme wie Entforstung zu bekämpfen, heißt es vom Unternehmen. Auch wenn es noch früh sei: "Titan Aerospace und Google teilen einen großen Optimismus über das Potenzial von Technologien, die die Welt verbessern können."

Den Optimismus kann Google sich leisten. Der Konzern aus dem kalifornischen Mountain View sitzt derzeit auf Cash-Reserven von 59 Milliarden Dollar – und befindet sich damit in der Branche in bester Gesellschaft. Die US-Unternehmen außerhalb der Finanzindustrie haben insgesamt Gelder in Höhe von 1,64 Billionen Dollar angehäuft. Seit 2006 haben sich die Beträge damit nahezu verdoppelt. Vier der fünf Spitzenreiter kommen laut einem Bericht der Ratingagentur Moody's aus der Tech-Branche, darunter neben Google Namen wie Apple, Microsoft und Cisco. Zusammen kommen die vier Konzerne auf Reserven in Höhe von 345 Milliarden Dollar.

Die Ursachen sind vielschichtig: "Die Firmen halten lieber Bargeld, um flexibel zu sein und zuschlagen zu können, wenn sich eine Gelegenheit ergibt", sagt Kevin Dede vom Investmentberater HC Wainwright in New York. Hohe Geldreserven würden im schnelllebigen Tech-Geschäft aber auch vor schwer kalkulierbaren Schwankungen absichern. Bleibt das nächste große Gadget eine Weile aus, können die Konzernchefs die Finanzpolster gebrauchen.

Gewinne werden im Ausland geparkt

Viele Unternehmen parken die Gewinne zudem seit Jahren im Ausland, um Steuern zu vermeiden, die sie in den USA bei der Rückführung der Gelder zahlen müssten. Seit Jahren trommeln sie in Washington für eine Steuerreform, um die festgefrorenen Milliarden ohne allzu große Verluste endlich auch auf dem Heimatmarkt nutzen zu können. Apple, Google, Microsoft und Cisco horten derzeit rund 250 Milliarden Dollar jenseits des Atlantiks.

Der iPhone-Hersteller allein sitzt im In- und Ausland auf 156 Milliarden Dollar – das sind zehn Prozent der Geldreserven aller amerikanischen Unternehmen. Legte man das in 1-Dollar-Scheinen aneinander, veranschaulichte es die New York Times, käme man auf mehr als 1.630 Quadratkilometer. Vor zehn Jahren, lange vor iPhone und iPad, waren es gerade mal 5,5 Milliarden. Apple könne, scherzte das Blatt, mit den derzeitigen Reserven bequem die erste Marskolonie finanzieren. Als realistischere Alternative erscheine aber wohl die Übernahme des hippen Elektroautoherstellers Tesla Motors oder des Mobilfunkanbieters T-Mobile US.

Doch der Konzern scheint an keiner der Optionen interessiert. Übernahmen von mehr als einer Milliarde Dollar sucht man in der Geschichte des kalifornischen iPhone-Herstellers vergeblich. Nur zögerlich fasst Apple das Geld überhaupt an: 2012 zahlte das Unternehmen seinen Aktionären zum ersten Mal seit 1995 eine Dividende und startete nach langer Pause aufwendige Rückkaufprogramme – und auch das nur, weil der Druck von Großinvestoren wie Carl Icahn zu groß geworden war, um ihn zu ignorieren. Wenn man das Geld erst mal an die Investoren ausgegeben habe, erklärt IT-Spezialist Robert Enderle die Zurückhaltung, könne man es sich schließlich nicht mehr zurückholen.