Credit Suisse in Zürich © Arnd Wiegmann/Reuters

Im Steuerstreit mit den USA hat die Schweizer Großbank Credit Suisse ihre Schuld eingeräumt und will eine Strafe von 2,6 Milliarden Dollar zahlen. In einer ersten Reaktion auf die höchste je verhängte Strafe in einem Steuerstrafverfahren äußerte sich das Unternehmen reuig: "Wir bedauern das Fehlverhalten im früheren grenzüberschreitenden US-Geschäft außerordentlich", sagte Konzernchef Brady Dougan. 

Credit Suisse hatte US-Bürgern bei der Steuerhinterziehung geholfen. Herausgekommen war dies, nachdem die US-Justiz verstärkt Steuerbetrügern nachstellte und dabei vor allem Schweizer Banken prüfte. Dabei half, dass die Schweiz ihr Bankgeheimnis unter dem Druck der US-Regierung aufgeweicht hatte.

Justizminister Eric Holder warf der Bank vor, in den Ermittlungen nicht genügend kooperiert zu haben. Die Credit Suisse habe in erheblichem Umfang US-Steuerzahlern dabei geholfen, Steuern zu hinterziehen, und dafür einen großen Aufwand betrieben, sagte Holder. Als das Ministerium die Bank über die Ermittlungen informierte, habe sie sich unkooperativ verhalten. Unter anderem habe sie wichtige Dokumente vernichtet. 

Die Credit Suisse hatte bereits Rückstellungen wegen der Steuerstreitigkeiten gebildet, was zu Jahresbeginn sogar zu einem Verlust führte.

Trotz des Schuldeingeständnisses muss die Großbank wohl nicht um ihre Banklizenz in den USA fürchten: "Die CS erwartet keine Auswirkungen auf ihre Lizenzen und keine wesentlichen Auswirkungen auf ihre Fähigkeiten, das operative Geschäft zu betreiben", hieß es weiter. 

Spekulationen über Rücktritt

Ein Untersuchungsausschuss des Senats hatte Credit-Suisse-Chef Dougan im Februar vorgeladen. Dabei hatte er Verstöße gegen Steuergesetze eingeräumt und sich dafür entschuldigt. Er schob die Schuld allerdings auf eine kleine Gruppe von Angestellten.  

Der Ausschuss sieht das anders. In einem Bericht hieß es, dass 1.800 Mitarbeiter geholfen hätten, in 22.500 Konten etwa zehn Milliarden Dollar vor der Steuerbehörde zu verstecken. Dougan selbst bezifferte das Volumen auf rund sieben Milliarden Dollar.

Der US-Amerikaner steht seit sieben Jahren an der Spitze der Schweizer Bank. Sein Posten ist offenbar nicht in Gefahr. Medien hatten wiederholt über einen möglichen Rücktritt Dougans oder von Verwaltungsratspräsident Urs Rohner spekuliert. 

Auch ältestes Schweizer Bankhaus betroffen

Der Umfang der vermuteten Verfehlungen ist geringer als vor Jahren beim Schweizer Rivalen UBS. Dieser soll 19.000 Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen und knapp 18 Milliarden Dollar versteckt haben. Anders als die Credit Suisse hatte die UBS 2009 schnell ihre Schuld eingeräumt. Sie gab auch die Daten von insgesamt 4.700 Kunden an die US-Regierung. Dafür kam sie mit einer Strafe von 780 Millionen Dollar vergleichsweise günstig davon. 

Schon vor einem Jahr hatte die älteste Schweizer Bank schließen müssen, das Bankhaus Wegelin. Die 272 Jahre alte Traditionsfirma hatte ihren Kunden dabei geholfen, mehr als 1,2 Milliarden Dollar vor der amerikanischen Finanzbehörde zu verstecken und musste 74 Millionen Dollar Strafe zahlen. Zuvor hatte die Bank allerdings den Großteil ihres Geschäfts verkauft und sich damit dem Zugriff der Amerikaner entzogen.