In mehreren Kleidungsstücken der britischen Billigmodekette Primark sind versteckte Hilferufe aufgetaucht. Wo sonst Waschanleitungen, Materialinformationen, das Herstellungsland und sonstige Botschaften des Herstellers eingenäht sind, meldeten Kundinnen unübliche Nachrichten: "Degrading Sweatshop Conditions" habe auf einem Zettel in einer Pünktchen-Bluse gestanden, sagte eine Kundin. Kurz darauf meldete sich eine zweite junge Frau. In ihrem Sommerkleid habe sie einen Zettel mit der Aufschrift "Forced to work exhausting hours" gefunden. Die beiden Frauen informierten die britische Presse.     

Der Fernsehsender BBC berichtete über eine dritte Kundin aus Belfast in Nordirland, die in einer Hose der Modekette einen handschriftlichen Hilferuf gefunden hat. Auf dem eingenähten Zettel habe ein anonymer Schreiber in asiatischen Schriftzeichen geschrieben, er und seine Kollegen müssten "wie Ochsen" arbeiten. Das Essen, das ihnen zur Verfügung gestellt werde, wäre für Tiere ungenießbar. Darüber standen in lateinischer Schrift die Worte "SOS! SOS! SOS!". Die Nachricht war in den Gefangenenausweis eines chinesischen Gefängnisses eingerollt. Die Kundin hatte die Hose bereits vor drei Jahren gekauft. Sie habe sie aber nie getragen und den Zettel erst jetzt gefunden.

Primark kündigte an, die Vorfälle untersuchen zu lassen. Anfragen der deutschen Presse beantwortete das Unternehmen bisher nicht.

Das Unternehmen steht wegen seiner Billigware in der Kritik. Vor allem seit bekannt wurde, dass das Unternehmen Kleidung in der Fabrik in Bangladesch hatte fertigen lassen, die im April 2013 eingestürzt war. Mehr als 1.100 Arbeiter kamen bei dem Einsturz ums Leben.