Die deutsche Waffenfirma Sig Sauer steht im Verdacht, deutsche Behörden getäuscht zu haben, um illegal Pistolen nach Kolumbien zu exportieren. Das berichtet der Rechercheverbund von Süddeutscher Zeitung (SZ), NDR und WDR. Zahlreiche interne Dokumente sowie die Aussagen mehrerer Insider sollen demnach dokumentieren, wie der Kleinwaffenhersteller aus Eckernförde geltende Vorschriften umging.

Laut den Medienberichten soll Sig Sauer mit Wissen der Führungsriege Pistolen vom Typ 2022 über den Umweg USA in das Krisenland Kolumbien geliefert haben, obwohl dafür keine Genehmigung vom zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) vorlag. Sig Sauer wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Man sehe kein Fehlverhalten, hieß es.

Laut internen Firmenunterlagen lieferte Sig Sauer die Pistolen an eine amerikanische Schwesterfirma, schrieb die Süddeutsche Zeitung. In den Exportdokumenten habe es geheißen, die Waffen seien für den zivilen Markt in den USA. In den internen Firmendokumenten fänden sich jedoch zahlreiche Belege dafür, dass der Waffenproduzent aus Schleswig-Holstein gewusst habe, dass die Waffen an die kolumbianische Polizei weitergeleitet werden. 

Interner Bericht warnte vor Razzia

Obwohl dem Management des Unternehmens dies seit Herbst 2010 klar gewesen sei, sei das Kolumbien-Geschäft zunächst weiter gelaufen. Erst als die Export-Kontrollbeauftragte von Sig Sauer davon erfahren habe, sei es zu einem zumindest zeitweiligen Lieferstopp gekommen, hieß es von dem Rechercheverbund. In einem dreiseitigen Bericht habe sie vor einer Razzia der Polizei und harten Strafen gewarnt. Auch der Konzernanwalt habe gewarnt, das Vorgehen sei strengstens verboten.

SZ und NDR hatten bereits im Mai über die Sig-Sauer-Lieferungen nach Kolumbien berichtet. Seither prüfen neben der Staatsanwaltschaft Kiel auch die Exportkontrolleure von der Bafa die Vorwürfe. Die haben bislang laut den Medienberichten allerdings vor dem Problem gestanden, Sig Sauer Deutschland nachzuweisen, dass die Firma über das Ziel der Waffen informiert gewesen sei. Die internen Dokumente, die SZ, NDR und WDR vorliegen, lieferten nun die entsprechenden Belege. In Mails heißt es demnach, Empfänger sei ein "Kunde in Kolumbien".

Da auf den Exportdokumenten jedoch behauptet wurde, die Lieferungen würden in den USA verbleiben, hätte Sig Sauer demnach falsche Angaben gegenüber den Behörden gemacht. Die Ausfuhrgenehmigung wäre unwirksam, die Lieferung illegal. Den Verantwortlichen drohten laut Süddeutscher Zeitung bis zu fünf Jahre Haft. Von Sig Sauer hieß es, für die Lieferungen seien nach ihrer Auffassung die US-Behörden verantwortlich.