Monrovia, Liberia: Ein Mädchen verkauft Seife, während die Frauen im Hintergrund beten, dass die Ebola-Epidemie aufhören möge. © John Moore/Getty Images

Der vergangene Mittwoch brachte keine guten Nachrichten für Mark Murray, den Chef der kanadischen Firma Tekmira Pharmaceutical. Tekmira stellt das experimentelle Ebola-Medikament TKM-Ebola her und Murray hatte gehofft, das Mittel könne bald in begrenztem Rahmen gegen die Epidemie in Westafrika eingesetzt werden. Die Chancen schienen gut. Doch vergangenen Mittwoch musste Murray eingestehen: Der rechtliche Rahmen für eine mögliche Behandlung von Patienten sei unklar. Der Einsatz von TKM-Ebola ist deshalb vorerst nicht möglich. 

Darüber sprach Murray nicht etwa mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation oder Helfern des Roten Kreuzes, sondern am Telefon mit Analysten und Investoren. Denn seit in Westafrika die schlimmste Ebola-Epidemie in der Geschichte wütet, rücken an der Börse die wenigen Firmen ins Rampenlicht, die an einem Gegenmittel forschen. Es sind nicht die großen Pharma-Konzerne, sondern kleine, von der Regierung gestützte Start-ups in San Diego und Kanada. Sie tragen Namen wie Newlink und Biochryst Pharmaceutical und sie forschten über Jahre hinweg unterhalb des Radars der öffentlichen Wahrnehmung. Die New York Times bezeichnete die Unternehmen vor wenigen Tagen als "obskur".

Als die WHO ihr Einverständnis für den Einsatz experimenteller Mittel gab, sprang der Aktienkurs von Tekmira an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq innerhalb weniger Tage um 52 Prozent nach oben. Die Tatsache, dass die Gesundheitsbehörden die Testreihen des Medikaments erst im Juli auf Eis gelegt hatten, interessierte die Investoren zu diesem Zeitpunkt nicht. Seit Jahresbeginn hatte das Papier zeitweise um 133 Prozent zugelegt. Die vier Handelshäuser, die das Papier im Portfolio haben, sind sich einig: Sie empfehlen Tekmira zum Kauf. Die Hoffnung der Investoren sei, dass Ebola für die Firma, die auch an Medikamenten mit ähnlicher Wirkungsweise gegen Hepatitis B forscht, nur der Anfang sei, sagt Jason Kolbert, Analyst der Beratungsfirma Maxim Group in New York.     

Für Tekmira ist Ebola eine Chance

Dabei war der Name bis vor wenigen Wochen nur Insidern ein Begriff. 2005 aus dem Pharmaunternehmen Inex hervorgegangen und unter neuem Namen gestartet, hatte die kleine Biotech-Firma vor allem an einem heiß beworbenen Krebsmedikament geforscht, das von der FDA in einer späten Entwicklungsstufe abgewiesen worden war. Seitdem lief das Geschäft schlecht. Für das zweite Quartal meldete die Firma einen Nettoverlust von 6,1 Millionen Dollar, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der Umsatz war gegenüber 2013 um eine Million auf 1,8 Millionen gefallen. 

Mit dem Ausbruch des Ebola-Virus bietet sich dem Unternehmen die Chance zum Neustart. So zumindest sehen es die Investoren an der Börse. Die Anleger hoffen, die rasende Verbreitung der Epidemie in Liberia, Sierra Leone, Guinea und Nigeria werde die US-Gesundheitsbehörde FDA über kurz oder lang zwingen, die üblichen Zulassungswege für Medikamente abzukürzen – und das Medikament aus Kanada zum Einsatz freizugeben. 

Niemand interessiere sich für so eine Firma, bis es zur Krise komme, sagt Jason Kolbert, Analyst der Beratungsfirma Maxim Group in New York. "Die Wall Street sieht die Ebola-Krise und sieht, dass Tekmira an einem Gegenmittel arbeitet, das bei Tieren erfolgreich war." Das alleine interessiert die Anleger derzeit.

Denn bei Erfolg winkt ein lukratives Geschäft. Analysten schätzen, dass Tekmira bis 2017 allein mit TKM-Ebola rund 100 Millionen Dollar umsetzen könnte. Wenn es denn gut geht. Denn dass es bislang kein lizensiertes Medikament für Ebola gibt, hat seinen Grund. Die Erforschung ist aufwendig, das Virus noch immer schwer einzuschätzen. Zugleich gibt es nur wenige Labore, die entsprechend ausgerüstet sind.