Die EU-Kommission stuft einem Zeitungsbericht zufolge die irischen Steuerregelungen für Apple als illegale Staatshilfen ein. Das könnte Strafzahlungen in Milliardenhöhe zur Folge haben, berichtet die Financial Times unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die Einschätzung ist demnach das vorläufige Ergebnis von Ermittlungen über die Steuerpraxis auf der Insel. Einzelheiten könnten dem Bericht zufolge im Laufe der Woche veröffentlicht werden. Laut Financial Times hatte Apple in Irland einen Steuersatz von weniger als zwei Prozent.

Apple wies den Vorwurf illegaler Staatshilfen zurück. "Es hat nie eine Sonderbehandlung gegeben. Es gab nie etwas, was als Staatshilfe ausgelegt werden könnte", sagte Apples oberster Finanzmanager Luca Maestri der Zeitung.

Die irische Regierung hatte im Juni erklärt, man halte die EU-Vorschriften für Staatshilfen ein und werde sich gegen anderslautende Vorwürfe wehren. Die Behörden auf beiden Seiten des Atlantiks untersuchen gegenwärtig das Vorgehen von multinationalen Konzernen bei dem Versuch, die Steuerlast zu senken.

Konzerne wie Apple, Amazon und Starbucks drücken ihre Abgaben über ausländische Tochterfirmen. Sie verschieben Gewinne und Aktivitäten zwischen Hochsteuer- und Tiefsteuerländern hin und her. Dabei nutzen sie nationale Schlupflöcher und international nicht abgestimmte Steuerregeln. Geschätzt wird, dass die Konzerne etwa zwei Billionen US-Dollar in Steueroasen und Niedrigsteuergebiete verschoben haben.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der zwanzig größten Industriestaaten (G 20) haben kürzlich beschlossen, gegen diese Steuerflucht vorzugehen. Grundlage dafür ist ein Aktionsplan der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Für die OECD gilt das Projekt als die wichtigste internationale Steuerreform seit 100 Jahren.