Steuerflüchtlinge? In den Vereinigten Staaten waren das bisher vor allem einzelne wohlhabende Bürger, die ihr Geld über ausländische Nummernkonten am Finanzamt vorbeischleusen. Wenn die Politiker in Washington auf Steuerbetrüger schimpften, meinten sie in der Regel solche Privatpersonen. Doch seit einiger Zeit hat die Politik auch multinationale Konzerne im Visier.

Die aktuelle Debatte losgetreten hat Burger King mit seiner geplanten Übernahme der kanadischen Kette Tim Hortons – doch Regierung und Kongress versuchen schon seit Monaten, gegen Unternehmen vorzugehen, die es machen wie der Bulettenbräter. Die Multis kaufen Konkurrenten aus Übersee mit dem einzigen Ziel, die im internationalen Vergleich außerordentlich hohe amerikanische Körperschaftsteuer zu vermeiden.

In den Vereinigten Staaten liegt der Körperschaftsteuersatz bei 35 Prozent und damit weit über dem OECD-Durchschnitt von 21 Prozent. Es sei der höchste Körperschaftsteuersatz der Welt, klagen amerikanische Firmen seit Jahren. Die Belastung durch ihn gehe eindeutig zu Lasten der Wettbewerbsfähigkeit und stelle einen nicht zu unterschätzenden Vorteil für Konkurrenten aus anderen Ländern dar, sagen sie.

In zunehmendem Maße nutzen die Multis daher ein gesetzliches Schlupfloch, um ihre Gewinne nicht in den USA versteuern zu müssen: Sie gehen im Ausland auf Einkaufstour. Prominentestes Beispiel war lange Zeit die Drogeriekette Walgreens, einer der US-Branchengiganten und vergleichbar mit dem deutschen Konzern dm – mit dem Unterschied, dass Walgreens auch rezeptpflichtige Medikamente verkauft.

Flucht in die Schweiz

Walgreens hatte das europäische Unternehmen Alliance Boots kaufen wollen, um vom Holdingstandort Schweiz zu profitieren. Dort müsste die Drogeriekette nur 8,5 Prozent der Gewinne ans Finanzamt abführen, also weniger als ein Viertel der heimischen Steuerlast. Doch das Timing war denkbar schlecht, denn der politische Streit hatte sich deutlich zugespitzt. Der öffentliche Aufschrei in den USA ließ Walgreens keine Wahl, als zum Rückzug zu blasen und die Akquisition zu stornieren.

Burger King scheint mehr Glück zu haben. Gestützt von Warren Buffets Berkshire Hathaway, das drei Milliarden Dollar beisteuert, will der Schnellimbisskonzern 11 Milliarden Dollar für die kanadische Kette Tim Hortons bezahlen. Sobald die Regierung in Ottawa die Übernahme absegnet, ist die Fusion perfekt.

Tim Hortons betreibt weltweit 4.500 Kaffee- und Donut-Shops, ist aber vorwiegend auf den kanadischen Markt konzentriert. Zwar behauptet Burger-King-Chef Daniel Schwartz, dass "es uns wirklich nicht um Steuerersparnisse oder gar Flucht geht". Man habe vielmehr das Ziel, einen globalen Branchengiganten zu schaffen, der neben der eigenen Spezialität, Burger und Fritten, auch einen bedeutenden Anteil des wachsenden Markts für Kaffee, Donuts und diverse Frühstücksspeisen erobert. Experten aber glauben, dass von den angeblichen Synergieeffekten nichts zu sehen sein wird. Zu stark seien die beiden unterschiedlichen Marken. Sie würden auch künftig Wert darauf legen, individuell am Markt aufzutreten. "Es geht um Steuern, und um nichts anderes, als in Kanada 26 Prozent anstelle der in den USA geltenden 35 Prozent zu zahlen", sagt der Nationalökonom Howard Rosen.