Eine Frau wird medizinisch untersucht © Reuters

Die Seuche treffe Sierra Leone ausgerechnet in der für die Landwirtschaft wichtigsten Jahreszeit, erklärt die Welthungerhilfe. In den von Ebola am stärksten betroffenen Regionen des Landes, Kailahun und Kenema, hat die Hilfsorganisation vor Kurzem die Einwohner zu den Folgen von Ebola befragt. Die beiden Distrikte sind auch die Gebiete mit der höchsten landwirtschaftlichen Produktivität. Dass ausgerechnet dort Ebola wütet, trifft das arme, agrarisch geprägte Sierra Leone schwer.

Rund 90 Prozent der Einwohner der beiden Regionen leben von der Landwirtschaft, nur etwa 15 Prozent haben eine dauerhafte Anstellung. So gut wie alle von der Welthungerhilfe befragten Personen gaben an, dass ihr Einkommen seit dem Ausbruch der Seuche gefallen sei. Für sie bedeutet das: Sie haben weniger zu essen. Rund 90 Prozent der Menschen leben von einer einzigen Mahlzeit am Tag. Etwa die Hälfte gab an, seit dem Ausbruch von Ebola hätten sie die Nahrungsaufnahme reduzieren müssen.

"Wer von Ebola betroffen ist, kann seine Felder nicht mehr beackern", sagt Simone Pott, Sprecherin der Welthungerhilfe. Damit meint sie nicht nur die Kranken selbst. Jeder, der mit ihnen Kontakt hatte, darf drei Wochen lang sein Haus nicht verlassen. Die Menschen unter Quarantäne überleben oft nur dank Essensspenden.

Viele haben Angst vor Ansteckung

Bis Mitte Oktober wurden in Sierra Leone rund 3.000 Ebola-Erkrankte registriert, in Liberia waren es mehr als 4.000 und in Guinea mehr als 1.300. Zudem verzeichneten die Behörden in den drei Ländern rund 4.000 an der Epidemie Verstorbene. Selbst wer mit der Krankheit noch nicht in Berührung gekommen ist, bleibt in diesen Wochen lieber zu Hause. Viele haben Angst vor Ansteckung. "Es gibt überall Straßensperren, an denen die Temperatur der Passanten gemessen wird", sagt Pott. Wessen Temperatur nur leicht erhöht ist, der wird unter Quarantäne gestellt. "Das wollen die Leute vermeiden, deshalb gehen sie nicht raus." Ein normaler Alltag ohne Einschränkungen sei im Ebola-Gebiet praktisch nicht mehr möglich.

Die wirtschaftlichen Folgen wiegen schwer: Auch Bauern, die nicht unter Quarantäne stehen, finden keine Arbeitskräfte mehr, um die Felder zu beackern. Händler erhalten keinen Nachschub. Auch aus dem Ausland kommen nur noch wenige Waren, denn die meisten Nachbarländer haben ihre Grenzen zu Sierra Leone, Liberia und Guinea geschlossen. Die Folge: "Die lokalen Märkte sind zusammengebrochen", sagt Pott. Die Nahrung wird knapp. Schon jetzt kosten Grundnahrungsmittel wie Kassava, Öl, Reis und Fisch in Kailahun und Kenema um 30 bis 40 Prozent mehr als üblich. 

Und es ist nicht zu erwarten, dass sich die Lage bald entspannt. Das Virus breitet sich weiter aus. Wenn die Bauern auch nicht pflanzen können, fällt auch die nächste Ernte schlecht aus. Die Durststrecke mit einem Darlehen zu überbrücken wird vielen nicht möglich sein: Schon jetzt geizen die Banken mit Krediten.