Die Kaufhauskette Karstadt wird mindestens sechs Häuser schließen. Das hat der Aufsichtsrat des Unternehmens am Donnerstagabend beschlossen. An den betroffenen Standorten sind insgesamt 300 bis 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Bis Mitte 2015 sollen die Kaufhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart geschlossen werden. Dicht gemacht werden auch die auf junge Kunden spezialisierten Karstadt-Ableger K-Town in Göttingen und Köln und die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt an der Oder.

Nach Angaben des Betriebsrates könnten von den angekündigten Schließungen bis zu 240 Arbeitsplätze betroffen sein. Zusätzlich sei der Abbau von rund 2.000 Stellen geplant. 

Beitrag von Belegschaft gefordert

Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl, den der Aufsichtsrat bei seiner Sitzung ernannte, geht offenbar davon aus, dass noch weitere Standorte als die sechs genannten geschlossen werden. Es gebe "weitere acht bis zehn Filialen, bei denen die Situation ähnlich ist", sagte er dem Handelsblatt. Karstadt werde dort individuelle Lösungen suchen, etwa mit den Vermietern sprechen, ob es andere Möglichkeiten zur Nutzung der Häuser gebe oder eine Chance bestehe, früher aus den laufenden Mietverträgen herauszukommen.

Fanderl will mit der Belegschaft über mögliche Zugeständnisse zur Sanierung des Konzerns verhandeln. "Wir müssen über Einsparungen beim Weihnachts- und Urlaubsgeld sprechen und darüber, die Tarifpause über 2015 hinaus zu verlängern", sagte er. Der 51-Jährige hat die Nachfolge der im Sommer überraschend ausgeschiedenen Eva-Lotta Sjöstedt angetreten.

Zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden wurde Wolfram Keil gewählt, der als Vertrauter des Karstadt-Eigentümers René Benko gilt und auch Geschäftsführer der für das Handelsgeschäft zuständigen Benko-Firma Signa Retail GmbH ist. Der Karstadt-Konzern mit derzeit insgesamt 83 Filialen gehört seit August zu der Holding des Österreichers Benko. Bei der Kaufhauskette sind 17.000 Menschen beschäftigt, die seit Langem um ihre Jobs bangen.