Das Logo der Supermarktkette Migros in der Schweiz © Ruben Sprich/Reuters

Porträts der Diktatoren Adolf Hitler und Benito Mussolini auf Kaffeesahne-Packungen haben in der Schweiz für Entrüstung gesorgt. Eine Tochterfirma der Supermarktkette Migros, Elsa Mifroma, hatte die Kaffeesahne vertrieben. Das Mutterunternehmen bestätigte die Auslieferung. 

Migros entschuldigte sich und sprach von einer "unverzeihlichen Fehlleistung". Die Motive hätten niemals ausgeliefert werden dürfen, sagte Unternehmenssprecher Luzi Weber. Die Motive seien ohne nähere Begutachtung übernommen worden, die Kontrollen hätten versagt. "In Zukunft werden wir unsere Kontrollen für diese Produkte drastisch verschärfen."

Das Motiv auf den Verpackungen stammt von der auf derartige Döschen spezialisierten Firma Karo-Versand. Diese hatte das Hitler-Bild und auch andere Motive nach eigenen Angaben von alten Bauchbinden für Zigarren übernommen. Ausgeliefert wurden nach Informationen von 20 Minutes insgesamt 300 Schachteln. Laut Migros befinden sich je vier Porträts der beiden Diktatoren in jeder Schachtel. Demnach sind jeweils 1.200 Verpackungen mit einem Hitler- und Mussolini-Bild im Umlauf. 

Die Folienverschlüsse der Portionsbecher haben in der Schweiz Kultstatus. Hersteller bringen deshalb immer neue Sammelmotive heraus. 

Migros kündigt Karo-Versand

Die Firma Karo-Versand hält die Kritik für übertrieben. Die Bilder gehörten zu einer Fotoreihe, die seit zwei Jahren für Sammler auf dem Markt sei, sagte Geschäftsführer Peter Wälchli. Er verstehe nicht, warum es jetzt zu einem solchen Medienrummel komme. Zwar sei schlimm, was unter Hitler geschehen sei, doch könne dieser Teil der Geschichte nicht ignoriert werden. "Ich habe einfach versucht, 30 verschiedene Cigar Bands zusamenzustellen. Wenn die Leute jetzt nichts Besseres zu tun haben, als sich mit solchen Sachen zu beschäftigen, dann ist das für mich ein Armutszeugnis", sagte Wlchli dem Blick.

Migros beendete inzwischen die Geschäftsbeziehung mit dem Karo-Versand. Diese Äußerungen von Wälchli seien inakzeptabel. "Wir distanzieren uns in aller Form von der Karo-Versand GmbH und brechen die Geschäftsbeziehungen per sofort ab", heißt es auf der Website.

Die Hitler- und Mussolini-Varianten wurden nicht im Supermarkt verkauft, sondern in etwa hundert Cafés und Restaurants im ganzen Land zum Kaffee serviert. Das Unternehmen hat bereits Konsequenzen aus dem Fall gezogen. Die Kaffeesahne werde sofort auf dem Verkehr gezogen, sagte der Sprecher.