Eine junge Frau beim Chatten © dpa

Ihr Facebooknutzer, seid auf der Hut – vor allem die Jüngeren unter euch! Das soziale Netzwerk hat angekündigt, seine Nutzer nicht mehr aus den Augen zu lassen, sobald sie im Netz unterwegs sind. Sie werden selbst dann ausgespäht, wenn sie sich von Facebook ausgeloggt haben.

Möglich macht es ein neuer Werbedienst namens Atlas. Der kann einen User, war er einmal auf einem stationären oder mobilen Gerät eingeloggt, im gesamten Netz erkennen und sein Verhalten protokollieren. Für den Nutzer geschieht das im Verborgenen, anders als bisher. Kein Button zeigt ihm, dass Facebook dahinter steckt, kein Hinweis verrät, dass er von den Werbebannern selbst beobachtet wird.

Facebook will damit Anzeigen noch treffsicherer platzieren. Das mag entgegenkommend klingen – wird die Werbung doch immerhin ganz an die Vorlieben des Einzelnen angepasst. Doch es ist ein unvertretbarer Eingriff in die Privatsphäre.

Welche Werbung bekommt jemand zu sehen? Bisher war dafür die Aktivität innerhalb des Netzwerks die Angabe persönlicher Interessen maßgeblich, unter anderem durch den Like-Button. Schon diese Selbstaussagen hat Facebook in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut und spezifiziert. Waren anfangs ein paar Informationen zu Wohnort, Schule oder Hobbys gefragt, so kann man inzwischen in Dutzenden Menüs auswählen. Facebook suggeriert, andere fänden es spannend, ob man seinen Beziehungsstatus eher als "in einer offenen Beziehung" oder doch vorzugsweise als "es ist kompliziert" definiert. Dabei will allein Facebook das wissen. Man soll anführen, welche Orte man besucht und welche Serien man liebt. Doch hier liegt der feine Unterschied zur geplanten Neuerung: Man kann.

Atlas wird zum Spion für Facebook

Ab sofort will sich Facebook die Informationen über seine User nicht mehr allein über interne Angaben verschaffen. Jede Website, auf der ein Werbebanner steht, das über das neue Netzwerk namens Atlas ausgeliefert wurde, wird zum Spion für Facebook. Sogenannte Tracking Cookies beobachten, was man kauft, was man ansurft, worauf man klickt. Andere Werbebanner tun das leider auch, doch ist der Datensammler Facebook dabei, eine der größten Sammlungen dieser Art anzulegen. Und verlässt sich dabei nicht nur auf solche Cookies, gegen die sich jeder Nutzer leicht wehren kann. Nein, Atlas spioniert beispielsweise die Gerätenummer des Handys aus, mit dem gesurft wird. Und kann diese dann immer wieder finden und den Nutzer eindeutig identifizieren.

Das Netzwerk zeigt sich nachsichtig, indem es anbietet, diese allgegenwärtige Beobachtung jederzeit abschalten zu können. Doch die Neuerung würde wohl kaum eingeführt werden, wenn die Plattform sich nicht auf diejenigen verließe, die auf diesen Service verzichten – sei es aus Gleichgültigkeit oder Unwissenheit. Man kann daher nur jedem User anraten: Tu es! Schalte die Funktion ab, sobald sie eingeführt wird!