E.on steht vor dem größten Umbau seiner Konzerngeschichte. Künftig will sich der Stromkonzern auf alle Bereiche der "neuen Energiewelt" konzentrieren, erläuterte Vorstandschef Johannes Teyssen auf einer Pressekonferenz. Der Schwerpunkt des Konzerns werde auf erneuerbaren Energien, Energienetzen und Kundenlösungen liegen. Das ehemalige Kerngeschäft, die konventionelle Erzeugung von Energie durch Gas, Kohle und Atom, soll in eine neue Gesellschaft überführt werden. Einen Stellenabbau werde es nicht geben, versicherte der Vorstand.

Teyssen sprach von einem "Gewinn für alle". Eine Aufspaltung des Geschäfts in zwei Gesellschaften nutze den E.on-Mitarbeitern und den Kunden, die individuelle, clevere Lösungen verlangten. "Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.on wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht", sagte Teyssen. Deshalb wolle sich der Konzern radikal neu aufstellen. 

Mit der Abspaltung der Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke reagiert E.on auf den Preissturz bei den Großhandelspreisen für Strom. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. 

E.on hat Schulden in Höhe von 31 Milliarden Euro. Daran ändert auch der Verkauf des gesamten Geschäfts in Spanien und Portugal an den australischen Investor Macquarie zu einem Unternehmenswert von 2,5 Milliarden Euro nur wenig. Neben dieser Veräußerung prüft E.on den Verkauf des Geschäfts in Italien.    

E.on garantiert Atomrückstellungen

2015 wolle das Management die Voraussetzungen für die Abspaltung und den Börsengang der konventionellen Kraftwerke schaffen. Zu dem abgespalteten Teil sollen künftig der globale Energiehandel sowie die Bereiche Exploration und Produktion gehören. Nachdem die Mehrheit 2016 an die Aktionäre abgegeben werde, werde der Minderheitsanteil mittelfristig in mehreren Schritten an der Börse platziert. Auch das Russland- und Brasiliengeschäft werde in die neue Gesellschaft ausgegliedert. Das Türkeigeschäft hingegen bleibe "bei der alten E.on", sagte Teyssen.

Der E.on-Chef wies Befürchtungen zurück, dem Konzern könnten Lücken bei den Atomrückstellungen entstehen. E.on habe für den Abriss der deutschen Meiler und den Atommüll rund 14,5 Milliarden Euro zurückgelegt, sagte der Vorstandschef. Das abgespaltene Unternehmen übernehme die Verantwortung für die Atomrückstellungen.

Die neue Gesellschaft werde ihren Sitz in der Region Rhein-Ruhr haben und rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigen. In der klassischen E.on-Gesellschaft sollen künftig 40.000 Mitarbeiter beschäftigt werden, Hauptsitz bleibt Düsseldorf.

Die Aktien von E.on haben nach dem angekündigten Konzernumbau deutlich zugelegt. Kurz nach Handelsstart waren die Papiere um mehr als sechs Prozent gestiegen, gaben im weiteren Verlauf aber wieder ab. Sie lagen am Vormittag mit einem Plus von zuletzt mehr als drei Prozent immer noch an der Dax-Spitze.

Die Grünen warnen beim radikalen Umbau des Energiekonzerns vor erheblichen Risiken für die Steuerzahler. Die Energieexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Bärbel Höhn, sagte: "Ich befürchte, dass E.on eine Bad Bank für seine sieben Atomkraftwerke schafft, die von den Steuerzahlern gerettet werden muss." Der Begriff "Bad Bank" stammt aus der Finanzkrise – damals lagerten Banken faule Kredite in Milliardenhöhe in Gesellschaften aus.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) lobte die Pläne des Energiekonzerns: "Mit seiner Entscheidung stellt sich E.on konsequent auf und zieht als erstes Unternehmen die Konsequenz aus einer sich völlig gewandelten Welt der Energieversorgung. Das schafft durchaus neue Chancen", sagte Gabriel.