Eine Thermomix-Beraterin zeigt, was die Küchenmaschine TM5 alles kann. © Tobias Schwarz/AFP/Getty Images

Ein Mittwochabend im Westberliner Stadtteil Steglitz. In erleuchteten Wohnzimmern wachsen Bücherregale in die Höhe, auf den Straßen parkt Deutschlands gehobene Mittelklasse. An der Ecke ein Friseursalon: Figaro's Life. Drinnen wird der Kundin ein Glas Rotwein zum Stufenschnitt serviert. Einige Meter weiter ein Klingelschild aus Messing. Wir sind zu Gast beim Ehepaar Tolle. Altbau-Treppenhaus, auf den Stufen liegt roter Laufteppich. Das Holz knarzt wohlig.

Im Kreise einiger Freunde soll gekocht und gespeist werden. Aber man trifft sich heute nicht, weil es ein leckeres Steak oder guten Wein gibt. Alle wollen eine Maschine sehen und vielleicht auch kaufen: den Thermomix TM 5. Ein klobiges Küchengerät, das so ziemlich alles kann: mixen, wiegen, kneten, kochen, dämpfen. Nur backen kann es noch nicht, und reden und Internet wäre auch nicht schlecht, kann aber alles noch kommen. Schließlich verdient das Unternehmen Vorwerk gerade prächtig mit diesem eigenartigen Apparat.

Vorwerk? Gleich hat man grünliche Staubsauger und aufdringliche Vertreter vor Augen. Eine Institution, so bieder wie die alte BRD. Staubsauger produziert das Unternehmen immer noch. Aber vor einiger Zeit haben die Vorwerk-Ingenieure ein Produkt erschaffen – wie gemacht für einen Lifestyle, der gleichsam durch deutsche Eigenheimsiedlungen wie die besseren Viertel der Großstädte weht. Ein Gerät, das offenbar ein tiefes Bedürfnis befriedigt: die Sehnsucht nach Häuslichkeit und technisiertem Wohlstand, der sich auch vorzeigen lässt. Das alles vereint in einem Ungetüm aus weißem Kunststoff und einem Blechtopf in der Mitte – so groß wie zwei aufeinander gestapelte Schuhkartons und so teuer wie ein Kurzurlaub für zwei auf Mallorca.

Baguettes mit Dinkelkörnern, Brokkolisalat

Martina Hoffmann, grauer Blazer, blondes mittellanges Haar, ist eine Frau, die weiß, wann sie reden und wann sie die Dinge laufen lassen muss. Die studierte Betriebswirtin arbeitet seit 20 Jahren als selbständige Ernährungsberaterin, seit fünf Jahren verkauft sie auch den Thermomix per Direktvertrieb in Berlin und Umgebung – auf Kochabenden wie diesem. "Wie schön", sagt sie und blickt in die Runde, "dass wir hier zusammen sind". Um sie herum drei Frauen, jede ein Glas Sekt in der Hand.

Smalltalk am Küchenblock. Regine, eine Freundin der Gastgeberin, ist wie alle hier im besten Alter. Sie arbeitet als Führungskraft in einem öffentlichen Unternehmen. Regine erzählt aus dem letzten Urlaub. Die Frauen in ihrer Reisegruppe, sagt sie, die hätten ihn alle, den Thermomix. "Ist ja praktisch, gerade wenn man wenig Zeit hat nach der Arbeit. Und die Kinder wollen trotzdem was zu essen." Muss man wohl haben heutzutage. Zustimmendes "Jaja" der Runde.

Hoffmann verteilt bunte Kärtchen mit Kochrezepten. Vollwert-Baguettes mit Dinkelkörnern, mediterraner Käseaufstrich mit Petersilie und Knoblauch, Brokkolisalat und so weiter. Das alles wollen die Teilnehmerinnen des "Erlebniskochens", wie Vorwerk den durchchoreographierten Abend nennt, heute zubereiten.

Kochen mit dem Thermomix – idiotensicher

Es beginnt die Gastgeberin Maria, die selbst gerne viel und gut kocht, wie sie sagt. Auf dem Touchscreen wählt sie das Brot-Rezept, und die Maschine zeigt ihr an: 100 Gramm Dinkelkörner. Sie füllt die Körner in den Topf, scheint dem angeleiteten Kochen aber noch nicht ganz zu trauen – kommt das hin? "Idiotensicher", schmeißt Regine ein.

Dann mahlen auf Stufe 10. Lautes Rauschen. Nacheinander folgen Mehl, Wasser, die ganzen Zutaten. Das Gerät wiegt alles ab. Jetzt umstellen auf Kneten. Die Messer im Inneren der Maschine drehen sich rückwärts, mit ihrer stumpfen Seite rühren sie den Teig. Eine Funktion, auf die Vorwerk besonders Stolz ist.

Messer, Motor, fast der ganze Mixer wird gute 500 Kilometer von Berlin-Steglitz entfernt hergestellt , im Wuppertaler Werk des Unternehmens und in einer weiteren Fabrik in Frankreich. Eine helle Montagehalle. Maschinenlärm. Ein Kasten, so groß wie ein Kleinlaster. Im Inneren werden Kunststoff-Stückchen geschmolzen und in Formen gespritzt – die Außenschale des Thermomix entsteht. Roboterarme heben die Teile zischend auf ein Band. Über den Köpfen der Mitarbeiter fahren die weißen Schalen hinüber in die nächste Halle.