Mit Schadenfreude und Häme schaut in diesen Tagen mancher deutscher Rüstungsmanager auf die arabische Halbinsel. Dorthin war Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zu politischen Gesprächen gereist. Immer wieder musste der Vizekanzler auch über Waffen made in Germany sprechen, gegen seinen Willen wurde die Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung diskutiert. Vor allem die durch Gabriel erlassenen Beschränkungen.

Das lag zum einen an den saudischen Gastgebern, die Deutschland derzeit als schwierigen Rüstungspartner empfinden. Die Regierung in Riad beklagt etwa, dass Deutschland keine Schlüsselkomponenten für die dortige G36-Sturmgewehr-Fabrik liefere. Zum anderen kritisierten mitreisende Abgeordnete der Union den Kurs des Wirtschaftsministers heftig: Dessen restriktive Genehmigungspolitik schade der deutschen Rüstungsindustrie.

Die Angriffe aus CDU und CSU auf Gabriel, immerhin Vizekanzler der gemeinsamen Regierung, sprechen Managern der Rüstungsindustrie aus der Seele. Seitdem der SPD-Vorsitzende Wirtschaftsminister ist, drohen ihnen nämlich Einbußen auf den interessantesten Märkten: Im Nahen und Mittleren Osten sowie im Maghreb und Russland. Gabriel legt die politischen Grundsätze der Bundesregierung für den Export von Kriegswaffen und sonstigen Rüstungsgütern strenger aus als seine Vorgänger. Rüstungsexporte an Staaten, in denen die Menschenrechtslage schlecht ist oder die in Krisenregionen liegen, sind demnach ausgeschlossen. Auch die hat sich darauf im Koalitionsvertrag mit der SPD festgelegt. Die Kritik der Unionsleute dürfte deswegen ins Leere laufen.

Für die deutschen Waffenhersteller gibt es trotzdem Grund zu Optimismus, auch wenn Gabriel bei der Rüstungsexportpolitik hart bleibt: Dank der Ukraine-Krise und der aggressiven russischen Außenpolitik scheint die Zeit des Sparens beim Militär im Westen vorbei zu sein. Selbst in Deutschland, wo die Bundeswehr seit Jahrzehnten als unterfinanziert gilt, gibt es plötzlich wieder Aufrüstungspläne.

Bundeswehr will mehr Panzer

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat bereits angekündigt, dass die Panzertruppe der Bundeswehr vergrößert wird. Wegen der Ukraine-Krise will sie weniger Kampfpanzer vom Typ Leopard 2 ausmustern lassen als geplant. An dem wuchtigen Gefährt haben zudem mehrere Nato-Partner Interesse, ebenso an Panzerhaubitzen und am Radpanzer Boxer. Vor allem die Staaten an der Ostgrenze der Nato schauen verunsichert auf das russische Vorgehen in der Ukraine. Sie wollen ihre Streitkräfte modernisieren. In Deutschland profitiert davon vor allem Krauss-Maffei Wegmann (KMW): Der Hersteller des Leopard 2, der sich in den vergangenen Jahren vor allem auf arabische Staaten als Großkunden konzentriert hatte, ist plötzlich in Europa wieder gefragt.

Im Dezember 2014 übergab KMW den ersten generalüberholten Kampfpanzer an die Bundeswehr, 20 alte Leoparden modernisiert das Unternehmen für die Truppe noch. Als Variante A7 gehören sie dann zu den modernsten Militärfahrzeugen überhaupt. Wenn Deutschland nun seinen Panzerbestand vergrößert, hofft das Unternehmen auf weitere Aufträge. Vertreter von KMW werben deshalb unablässig für ihre Produkte. "Ohne den Kampfpanzer können wir Deutschland nicht verteidigen, sein Fähigkeitsspektrum ist durch nichts zu ersetzen", sagte KMW-Chef Frank Haun bei der Übergabe vor Politikern, Spitzenbeamten und hochrangigen Militärs. "Zu unserer Bündnisverpflichtung gehört auch, dass wir für den Betrieb des Leopard in 17 Nutzerländern die industrielle Basis in Deutschland erhalten müssen." Haun fragte zum Schluss seiner Rede ungewohnt offensiv: Wann sein Unternehmen die anderen 205 Leopard-Panzer der Bundeswehr modernisieren dürfe.

Die Verteidigungsbranche hat mit der Ukraine-Krise neues Selbstbewusstsein gewonnen. Im Januar sprachen Vertreter der Rüstungsindustrie erneut im Verteidigungsministerium vor. Geredet wurde auch über künftige Projekte.