Die Lokführergewerkschaft GDL hat die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt. GDL-Chef Claus Weselsky kündigte auf Tagesschau24 an, dass bereits in der kommenden Woche gestreikt werden soll. Der genaue Zeitpunkt werde rechtzeitig bekannt gegeben. In dem langen Tarifkonflikt hatte die Gewerkschaft bereits im vergangenen Jahr mehrfach gestreikt.

Kurz zuvor hatte die Bahn eine Annäherung der Tarifparteien verkündet. Man sei sich in vielen Punkten nähergekommen, beide Seiten hätten Zugeständnisse gemacht, hatte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber nach Ende der Verhandlungen mitgeteilt. Die Bahn habe ein entsprechendes Angebot vorgelegt, das nun von der GDL geprüft werde. Einen erneuten Arbeitskampf hatte Weber als nicht realistisch bezeichnet. "Ich sehe im Moment überhaupt keinen Anlass für Streiks."

Diesen Vorstoß bezeichnete Weselsky im Interview als "perfides Spiel". Man habe der Bahn deutlich mitgeteilt, dass das Angebot "kein Zwischenergebnis ist und von uns nicht angenommen wird". Mit seiner Stellungnahme habe Personalvorstand Weber "die Menschen verschaukelt".

Der GDL-Chef begründete die Ablehnung des Bahn-Vorschlags damit, dass der Konzern darin nur ein weiteres Angebot für die nächste Verhandlungsrunde in Aussicht gestellt habe, ohne konkreter zu werden. "Das hat Methode, das ist Hinhaltetaktik", sagte Weselsky.

Dass die Bahn auf Zeit spiele, habe zum Teil mit dem geplanten Gesetz zur Tarifeinheit zu tun, sagte Weselsky. Das Gesetz sieht vor, dass in Betrieben mit mehreren Tarifverträgen für gleiche Beschäftigtengruppen nur noch der Vertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern gilt. Die Macht kleinerer Gewerkschaften wie der GDL würde so eingeschränkt, ihre Verhandlungsposition geschwächt.

Die GDL strebt für ihre Mitglieder im Zugpersonal eigene Tarifverträge an. Bislang hat die Spartengewerkschaft nur für Lokführer Abschlüsse vereinbart. Inhaltlich verlangt die Gewerkschaft in den Verhandlungen fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Parallel verhandelt die Bahn zudem mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG über neue Tarife für deren Mitglieder.

Bahn nennt Reaktion "unerklärlich"

Die Bahn bezeichnete die Reaktion der GDL als völlig unverständlich. Personalvorstand Ulrich Weber sagte, die GDL steige "einen Meter vor der Ziellinie aus". Das sei angesichts des Verhandlungsstandes unerklärlich. Ein "Paket mit Lösungen und guten Vorschlägen" habe auf dem Tisch gelegen. Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Konzerns: "Wir haben, bezogen auf den Flächentarifvertrag, das Kernanliegen der GDL erfüllt, haben gemeinsame Ergebnisse erzielt, einen Konsens in vielen Punkten."

"Jetzt kommt es auf Vernunft und Augenmaß an", mahnte Bahnchef Rüdiger Grube. "Uns geht es darum, eine Lösung ohne weitere Streiks zu erreichen", zitierten ihn die Ruhr Nachrichten. Die Streiks hätten schon Einbußen von 166 Millionen Euro verursacht.

Kritik an den neuen Streikankündigungen kommt von der Fahrgastvereinigung "Pro Bahn". "So langsam haben die Fahrgäste kein Verständnis mehr", sagte Vorstandsmitglied Karl-Peter Naumann dem Tagesspiegel. "Mit solchen Aktionen schadet GDL-Chef Weselsky den Gewerkschaften mehr als er den Arbeitnehmern nutzt."