Sparen, schrumpfen, ausdünnen: Die beiden Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, haben bekannt gegeben, wie sie Deutschlands größtes Geldhaus sanieren wollen. Teil der Strategie ist es, weitere Milliarden einzusparen und Filialen zu schließen. Der Verkauf der Postbank-Mehrheit ist dabei ein wesentlicher Baustein, wenngleich nicht der einzige. Wie viele Stellen von den Einsparungen betroffen sind, ließ die Bank offen. "Eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen", sagte Fitschen auf einer Pressekonferenz.

Wie die Bank bereits mitgeteilt hat, sollen die operativen Kosten bis 2020 um zusätzlich 3,5 Milliarden Euro pro Jahr sinken. Davon sollen 60 Prozent durch Effizienzsteigerungen etwa über eine stärkere Digitalisierung der Geschäfte gelingen. Weitere 40 Prozent will die Bank durch die Schließung von 200 der insgesamt 700 Filialen erzielen sowie den Rückzug aus unprofitablen Bereichen. Die Filialen sollen bereits bis zum Jahr 2017 geschlossen werden. Um die Einsparungen zu erreichen, rechnet das Institut mit einmaligen Kosten von 3,7 Milliarden Euro.

Ganz oder teilweise zurückziehen will sich die Bank aus sieben bis zehn Ländern. Die Präsenz in fünf weiteren europäischen Märkten soll erhalten bleiben. Die Investmentbank soll sich noch stärker aus margenarmen Geschäftsfeldern zurückziehen, die Bilanz der Sparte soll um etwa 200 Milliarden Euro reduziert werden. Der Rohstoffhandel und bestimmte Derivategeschäfte werden aufgegeben.

Mehr Geld will die Bank in den Ausbau digitaler Technologien stecken. In den kommenden drei bis fünf Jahren seien über alle Geschäftsbereiche hinweg zusätzliche Investitionen von bis zu einer Milliarde Euro geplant, hieß es vonseiten der Bank. Durch computergestützte Beratungskanäle, Automatisierung und die Entwicklung neuer Kundenangebote wolle das Institut neue Ertragsmöglichkeiten generieren.

Seit dem Amtsantritt von Jain und Fitschen als Doppelspitze der Deutschen Bank 2012 hat das Institut bereits die jährlichen Kosten um 3,3 Milliarden Euro gesenkt, in diesem Jahr sollen weitere 1,2 Milliarden Euro dazukommen. Im gesamten vergangenen Jahr lagen die operativen Kosten der Bank bei 27,7 Milliarden Euro. Ende 2014 zählte der Konzern gut 98.000 Vollzeitstellen.

Deutsche Bank will Postbank noch 2015 von der Börse nehmen

Auch zum Verkauf der Postbank gibt es weitere Details. Demnach will die Deutsche Bank den möglichen Börsengang der Postbank ohne deren verbliebene Kleinaktionäre über die Bühne bringen. Bis Jahresende sollen die Kleinaktionäre über eine Zwangsabfindung aus der Postbank-Aktie gedrängt werden, teilte die Bank mit. Die Deutsche Bank hat das Recht dazu, nachdem sie ihre Beteiligung an der Postbank von 94,1 Prozent auf 96,8 aufgestockt hat. Formal muss eine für August geplante Hauptversammlung über den Squeeze-out beschließen.

Die Rückkehr der Postbank an die Börse ist bis Ende 2016 geplant. In einem ersten Schritt will sich die Deutsche Bank dabei auf eine Position als Minderheitsaktionär zurückziehen, Ziel sei ein kompletter Ausstieg, stellte der für den Umbau des Konzerns zuständige Vorstand Krause noch einmal klar. Mit dem vorherigen Börsen-Rückzug hält sich die Deutsche Bank auch den Verkauf der Postbank an einen Konkurrenten offen, der ohne eine Börsennotiz leichter machbar wäre.  

Postbank-Mitarbeiter zunächst sicher vor Kündigungen

Die Grundsatzentscheidung für die Trennung von der Postbank nach sieben Jahren war am Freitagabend getroffen worden. Die mit der Übernahme der 14 Millionen Kunden starken Bank verbundenen Hoffnungen hatten sich nicht erfüllt. Für die Refinanzierung der Deutschen Bank spielten die Spareinlagen der Postbank kaum eine Rolle, räumte die Muttergesellschaft ein. An die Postbank-Kunden ließen sich weniger Deutsche-Bank-Produkte verkaufen als gedacht.

Bis Mitte 2017 müssen die knapp 15.000 Mitarbeiter in den Postbank -Filialen keine betriebsbedingten Kündigungen befürchten. Die Deutsche-Bank -Tochter einigte sich mit der Gewerkschaft ver.di auf einen Kündigungsschutz bis 30. Juni 2017. Im Streit darüber war es in den vergangenen Wochen zu Streiks in den Postbank-Filialen und in der Zentrale in Bonn gekommen. Der Kündigungsschutz gilt bis nach der für Ende 2016 anvisierten Rückkehr der Postbank an die Börse.

Bank schraubt Gewinnziele nach unten

Fitschen und Jain sagten: "Wir sind zuversichtlich, dass die Deutsche Bank bis 2020 besser kapitalisiert und weniger verschuldet sein wird." Die Bank werde "kosteneffizienter und besser finanziert sein, sie wird mehr Wert für ihre Aktionäre schaffen, und sie wird mit stärkeren Systemen und Kontrollen auch besser geführt werden".

Die Gewinnziele allerdings schraubte das Management nach unten: Der Vorstand hält dauerhaft nur noch eine Rendite auf das Eigenkapital von "mehr als zehn Prozent" nach Steuern für realistisch. Als Jain und Fitschen im Juni 2012 an die Spitze der Bank rückten, hatten sie noch eine Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent in Aussicht gestellt. Im vergangenen Jahr lag die Nachsteuerrendite bei 2,7 Prozent.

Im ersten Quartal verdarben Altlasten der Deutschen Bank erneut die Bilanz. Der Konzernüberschuss verringerte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 49 Prozent auf 559 Millionen Euro. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss halbierte sich ebenfalls, und zwar auf 544 Millionen Euro. Die Bank hatte in der vergangenen Woche bereits angekündigt, weitere 1,5 Milliarden Euro für Rechtsrisiken zurückzulegen. 

Weitere Details zu ihrer neuen Strategie bis 2020 will die Deutsche Bank in den nächsten 90 Tagen bekanntgeben. Dazu gehören Pläne für die einzelnen Unternehmensbereiche und Regionen.