Fiat Chrysler muss einer Familie in den USA nach dem Unfalltod ihres vierjährigen Sohnes 150 Millionen Dollar Entschädigung zahlen. Der Auto-Hersteller sei für den Tod des Kindes im Jahr 2012 haftbar, urteilte die Jury eines Gerichts im US-Bundesstaat Georgia nach knapp zweiwöchiger Verhandlung. Das Unternehmen Chrysler, das mittlerweile zum Konzern Fiat Chrysler gehört, habe versäumt, Kunden davor zu warnen, dass es bei einem Auffahrunfall wegen des Benzintanks im hinteren Teil des Fahrzeugs eher zu einem Feuer kommen könne.

Bei dem Unfall war ein Auto in den Chrysler aufgefahren und hatte dabei den Benzintank des Fahrzeugs aufgerissen. Daraufhin war der Wagen in Brand geraten. Das Kind wäre bei dem Unfall besser geschützt gewesen, wenn sich der Benzintank nicht so weit hinten im Wagen befunden hätte, hatte der Anwalt der Familie vor Gericht argumentiert.

Dem folgten die Geschworenen: Chrysler habe dieses Risiko "rücksichtslos und mutwillig" in Kauf genommen und sei daher für 99 Prozent des Unfalls verantwortlich, begründete die Jury ihr Urteil. Der Fahrer des Unfallgegners, den Chrysler für den Tod des Jungen verantwortlich macht, trage die Verantwortung für ein Prozent des Unfalls. 

Ein Sprecher von Fiat Chrysler sagte, das Unternehmen sei nicht einverstanden mit dem Urteil und erwäge, es anzufechten. Chrysler hatte in der Vergangenheit wegen der Lage der Benzintanks 1,56 Millionen Jeeps zurückgerufen. Der Unfallwagen – ein 1999 gebauter Jeep Grand Cherokee – war allerdings nicht darunter.  

Fiat-Chrysler-Vorstand Sergio Marchionne sagte, bei dem Modell sei nie ein Defekt festgestellt worden, es gebe daher keinen Beweis, dass das Fahrzeug gefährlich sei. Das US-Verkehrsministerium bringt mehr als 50 Todesfälle bei Verkehrsunfällen mit dem mangelhaften Benzintank bei den Jeeps in Verbindung.