Trotz aller Zugeständnisse darf Edeka die Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte nicht übernehmen. Das Bundeskartellamt untersagte die von Anfang an umstrittenen Pläne des Marktführers und seines Mülheimer Rivalen.

Die Tengelmann-Gruppe hatte den Verkauf seiner 450 Filialen in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen zum 30. Juni 2015 angestrebt. Das Unternehmen sieht nach eigenen Angaben "keine Perspektive mehr", das seit Jahren defizitäre Supermarktgeschäft wieder profitabel zu machen. Über die genauen Vertragsinhalte sowie die Kaufsumme vereinbarten Tengelmann und Edeka damals Stillschweigen.

Das Kartellamt begründete seine Absage damit, dass die Fusion zu einer erheblichen Verschlechterung des Wettbewerbs auf zahlreichen ohnehin stark konzentrierten regionalen Märkten und Stadtbezirken im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen geführt hätte.

"In diesem Fall kommt es vor allem auf die Marktverhältnisse vor Ort an", sagte Kartellamtschef Andreas Mundt. Nicht der relativ geringe bundesweite Marktanteil von Kaiser's Tengelmann sei entscheidend. "Niemand fährt zum Einkaufen quer durch Deutschland oder auch nur quer durch eine Großstadt." Die Einkaufsalternativen wären durch den Zusammenschluss für die Verbraucher erheblich eingeschränkt worden und die Gefahr von Preiserhöhungen gestiegen. 

Die Fusionswilligen warnen vor Arbeitsplatzverlust

Auch gegenüber den Zulieferern wäre die ohnehin große Verhandlungsmacht der großen Unternehmen Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl weiter gestiegen. Die Kompromissvorschläge der Unternehmen waren nach Ansicht der Behörde nicht geeignet, ihre Einwände zu entkräften.

Edeka teilte mit, das Unternehmen habe das Verbot der Wettbewerbsbehörde "mit großer Verwunderung und Enttäuschung" zur Kenntnis genommen. Tengelmann sprach von "Unverständnis und Enttäuschung". Man prüfe die Entscheidung. Beide Unternehmen beklagten, jetzt verstärke sich die "vermeidbare Unsicherheit bei unseren 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei Kaiser's Tengelmann". Sie müssten weiterhin um ihren Arbeitsplatz bangen, statt sich auf eine sichere Zukunft im Edeka-Verbund verlassen zu können.